Sport - Nach über zwei Monaten Pause will der größte Einhäuser Verein für Mitglieder und Kursteilnehmer ein Online-Angebot auf die Beine stellen / Doch zunächst müssen technische Probleme gelöst werden Training aus der TVE-Halle auf den Bildschirm

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Jörg Keller
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Beim Bau der TVE-Halle am Jägersburger Wald wurde ein Telefon- und Internetanschluss nicht als notwendig erachtet. Damals ahnte niemand, dass irgendwann einmal Trainingsangebote online übertragen werden sollen. © Keller

Einhausen. Seit über zwei Monaten bewegt sich beim Einhäuser Turnverein so gut wie nichts mehr. Mit Beginn des erneuten Lockdowns Anfang November musste auch das Sportangebot des größtern Einhäuser Vereins weitgehend eingestellt werden. Einige wenige Ausnahmen gab es. Mitglieder eines Hausstandes durften auch noch in den vergangenen Wochen zusammen Badminton spielen oder zu zweit in der vereinseigenen Halle an die Turngeräte. Das normale Trainings-, Wettkampf- und Kursprogramm pausiert jedoch. Wie lange noch? Das kann derzeit wohl niemand sagen. Auch der TVE-Vorsitzende Bernd Gärtner, kann nur hoffen, dass der Verein irgendwann im Frühjahr oder Sommer mit steigenden Temperaturen und einem gewissen Impfschutz in der Bevölkerung den Betrieb wieder aufnehmen kann.

Mitglieder halten dem Turnverein trotz des Lockdowns die Treue

„Wir hatten 2020 durch Corona keine finanziellen Probleme, und werden auch dieses Jahr keine bekommen“, sagt TVE-Vorsitzender Bernd Gärtner. Natürlich musste auch der Turnverein die eine oder andere Einbuße hinnehmen. Das im April des vergangenen Jahres geplante Frühlingsfest musste als eine der ersten größeren Veranstaltungen in Einhausen abgesagt werden. Üblicherweise erwirtschaftet der TVE an diesem Wochenende den einen oder anderen hilfreichen Euro. Einige zusätzliche Euro flossen dafür Ende des Jahres aus den erhöhten Vereinszuschüssen der Gemeinde. Für die drei größten Vereine gab es 50 Prozent mehr als sonst. Die kleineren Vereine erhielten sogar das Doppelte des üblichen Satzes. Am wichtigsten sei jedoch, dass die Mitglieder dem TVE trotz des ausgefallenen Angebots treu bleiben. Die Zahl der Austritte bewege sich im absolut normalen Bereich, sagt Bernd Gärtner. Dennoch sei die Mitgliederzahl leicht gesunken. „Es fehlen die Neueintritte“, sagt der Vorsitzende. Üblicherweise verbuchen die Turner besonders bei den Kindern kontinuierlichen Zuwachs. Schließlich wird schon für die Kleinsten jede Menge Programm geboten. Nicht selten treten dann die Eltern gleich mit ein. Und auch über das frei buchbare Kursangebot gewinnt der TVE immer wieder Neumitglieder. Das alles kann derzeit aber nicht stattfinden.

Größere Sorgen um die Zukunft des Vereins macht sich Bernd Gärtner derzeit aber noch nicht. Die Mitgliederzahl liege weiterhin relativ stabil über 1100. Und schließlich müssen ja auch wieder bessere Zeiten kommen, hofft er. Corinna Koch vom Vorstand der Turnabteilung betont aber auch, dass es auch vor der Corona-Krise ein „enormer Aufwand“ sei und viel Energie benötige, um durch attraktive Angebote die Mitgliederzahl stabil zu halten.

Aktuell bereitet es Bernd Gärtner (Bild: Volk) Kopfzerbrechen, wie die Abläufe und die Administration des Vereins organisiert werden können. Eigentlich sieht die Satzung vor, dass die Jahreshauptversammlung im ersten Quartal eines Jahres stattfinden muss. 2020 klappte das noch gerade so im März vor dem ersten Lockdown.

Dass die Beschränkungen diesmal bis Ende März soweit gelockert werden, dass auch 2021 die Sitzung fristgerecht einberufen werden kann, glaubt Bernd Gärtner nicht. Schließlich müssen sich im Vorfeld auch die beiden Abteilungen – Handball und Turnen – zu ihren eigenen Hauptversammlungen treffen.

„Wir müssen uns etwas überlegen, wie wir den Termin ins zweite oder dritte Quartal verschieben können.“ Lösungsmöglichkeiten will der geschäftsführende Vorstand in den nächsten Tagen bei einer Videokonferenz eruieren.

Offen ist auch die weitere Terminplanung des Vereins für die nächsten Monate. Bernd Gärtner befürchtet, dass es für das Frühlingsfest im April erneut eng werden wird. Eine Verschiebung um wenige Wochen nach hinten dürfte zu weiteren Problemen führen. Im Mai und Juni werden sich die Feste nur so drängen, sollte das Feiern bis dahin wieder möglich sein. Eventuell könnte dann aus dem Frühlings- ein Herbstfest werden. Das hatte man eigentlich schon 2020 angedacht. Doch die wieder steigenden Coronazahlen im Oktober sprachen dagegen. Jetzt hofft auch Bernd Gärtner darauf, dass es im Laufe des Jahres zu einer nachhaltigeren Verbesserung der Lage kommt, und setzt dabei auf den Erfolg der Impfungen. „Ohne wird es nicht gehen“, ist er überzeugt.

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Um die Zeit des Wartens zu überbrücken, wollen die Turner zumindest ein Online-Angebot anbieten. Darauf hat man sich im Vorstand verständigt. Aus der Vereinshalle im Jägersburger Wald sollen bestimmte Trainingsangebote und Kurse übers Internet in die heimischen Wohnzimmer gestreamt werden. Dort können sich die Mitglieder und Teilnehmer dann mit Yoga, Zumba und Gymnastik fit halten, bis man sich dann irgendwann wieder zum gemeinsamen Sporttreiben treffen darf.

Würfel zum Basteln und Bewegen



Auch die jungen Mitglieder will der TVE animieren, zuhause sportlich aktiv zu werden. Auf der Homepage des Vereins soll es jetzt auf verschiedene Altersstufen abgestimmte Bastelbögen für Bewegungswürfel zum wöchentlichen Download geben. Auf den sechs Seiten der Würfel finden sich dann Übungen, die geturnt werden sollen, sobald sie gewürfelt werden. Zudem soll es für die Kinder möglichst ein Online-Angebot geben, berichtet Corinna Koch vom Abteilungsvorstand. Schließlich sollen die Nachwuchsturner die Möglichkeit erhalten, auch mal wieder ihre Trainer zu sehen. kel

www.tv-einhausen.de

Kein Internetanschluss

Doch die technische Planung des Angebots stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Denn obwohl beim Bau der TV-Halle vor etwas über zehn Jahren jede Menge moderne Technik – von Erdwärme bis zu sensorgesteuerten Lichtern – installiert wurde, gibt es in dem Gebäude am Jägersburger Wald weder einen Telefon- noch einen Internetanschluss. „Das war bislang kein Nachteil“, sagt Bernd Gärtner. Für das normale Vereinsleben werde beides nicht benötigt. Anrufe oder kleine Recherchen im Netz könne heutzutage ja schließlich jeder mit seinem Handy erledigen. Für einen Videostream aus der Sporthalle wäre jetzt jedoch ein Breitbandanschluss hilfreich. Bis jedoch ein Telefon- oder gar Glasfaserkabel in die Halle gelegt werden könnte, ist der Lockdown hoffentlich schon Geschichte. So plant man jetzt beim Turnverein erst einmal eine Datenübertragung per LTE-Mobilfunk.

„Der Router ist bestellt und müsste in diesen Tagen geliefert werden“, sagt Corinna Koch vom Vorstand der Turnabteilung des TVE. Auch weitere Technik musste organisiert werden. So etwa ein Laptop und eine Kamera. Eventuell werden zusätzliche Lampen zum Ausleuchten der Übungsszenarien benötigt. Einen ersten Eindruck davon, ob die Technik grundsätzlich funktioniert, will der TVE-Vorstand möglichst bald bei einer aus der Vereinshalle gestreamten Online-Sitzung erhalten.

Nur für Teilnehmer sichtbar

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Doch auch, wenn alles klappt, müssen noch einige organisatorische Hürden genommen werden, bis die ersten Übungen gestreamt werden können. Zusehen können sollen beim Training über die Videokonferenzplattform Zoom nur die angemeldeten Mitglieder aus den jeweiligen Trainingsgruppen oder Kursen, erklärt Corinna Koch. Keinesfalls werde man das Angebot für Jedermann sichtbar online stellen. „Vor der Kamera zu stehen, erfordert ohnehin von vielen unserer Kurs- und Übungsleiter Überwindung“, sagt sie. Abschließend geklärt sei auch noch nicht die Frage, wie viel das Angebot kosten soll. Zahlreiche Kurse, die der TVE anbietet, können schließlich auch von Nichtmitgliedern gegen eine Teilnahmegebühr gebucht werden. Aber lohnt sich der ganze Aufwand zu diesem Zeitpunkt noch? Schließlich besteht doch die Hoffnung, dass sich die Situation mit einem Fortschreiten der Impfungen im Laufe des Jahres verbessern wird.

Corinna Koch glaubt jedoch nicht, dass der TVE nach Ende des Lockdowns sein normales Angebot einfach wieder wird starten können. Wahrscheinlicher sei, dass es auch noch in den Folgemonaten Beschränkungen bei den Teilnehmerzahlen geben wird. Dann kann man sich bei den Turnern vorstellen, dass beispielsweise nur die Hälfte der Kursteilnehmer in der Halle sportlich aktiv wird. Die übrigen können das Geschehen live am Bildschirm verfolgen und von Zuhause aus mitmachen. In der Folgewoche wird dann gewechselt. Beim TVE hofft man außerdem, dass dem größten Verein der Gemeinde künftig auch häufiger die geräumige Mehrzweckhalle zur Verfügung stehen wird, in der dann mit Abstand mehr Teilnehmer gleichzeitig an den Kursen teilnehmen könnten als in der weitaus kleineren Vereinshalle am Jägersburger Wald. Im Sommer und Herbst hätten die Turner die Mehrzweckhalle aufgrund zahlreicher Veranstaltungen kaum nutzen können, so Corinna Koch.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region