Kommunalpolitik - Einhäuser Sozialdemokraten stellen bei einem Pressegespräch ihre Vorstellungen zur Entwicklung der Gemeinde vor SPD will freien Raum in der Ortsmitte

Von 
Jörg Keller
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Aktuell wird das Abbruchgrundstück Marktplatz 12 (rechts im Bild) als Parkplatz genutzt. Wie es einmal umgestaltet werden soll, ist noch offen. © Keller

Einhausen. „Wir sollten nicht alles zubauen“, sagt Reimund Strauch, wenn er auf die Ortsmitte mit dem aktuell freigelegten Grundstück Marktplatz 12 blickt. In einem Pressegespräch der Einhäuser Sozialdemokraten spricht sich der SPD-Fraktionsvorsitzende dafür aus, in der Ortsmitte auch „freien Raum zur Begegnung“ zu lassen.

Gebühren: Können Teilbereiche der Friedhöfe als Parkanlage eingestuft werden?

Um die Kosten der Friedhöfe zu senken, regen die Sozialdemokraten an, Ausgaben für die Grünflächenpflege in andere Haushaltspositionen auszulagern. Seit Jahren legt die Kommune beim Betrieb und bei der Unterhaltung der beiden Friedhöfe drauf, in den Jahren 2011 bis 2018 handelte es sich um Beträge zwischen 67 000 (2017) und 92 600 (2018). Im laufenden Jahr steigt das Minus aufgrund von geplanten Investitionen sogar auf rund 152 000 Euro. Die Aufsichtsbehörde hat der Gemeinde im Rahmen der Haushaltsgenehmigung darum unmissverständlich ins Stammbuch geschrieben, die erhebliche Unterdeckung bei den Friedhofsgebühren zu verringern. Mindestens 85 Prozent der Aufwendungen sollen durch Gebühren eingenommen werden.

Eine solche Gebührenerhöhung ist den Bürgern nach Einschätzung von SPD-Fraktionsvize Joachim Wiegand jedoch nicht zuzumuten. Auch die Schließung eines der beiden Friedhöfe wäre seines Erachtens keine Lösung: „Das würde sich erst in 30 Jahren auswirken.“ Denn auch, wenn keine neuen Bestattungen mehr auf einem der beiden Gottesäcker mehr stattfinden würden, könne der Friedhof ja nicht entfernt werden, bis bei allen Gräbern die Liegezeiten abgelaufen sind. Aufgrund der veränderten Bestattungskultur mit immer mehr Urnenbeisetzungen habe sich die Friedhofslandschaft jedoch verändert, sagt Wiegand. Größere Bereiche seien eher als Parkanlage und Begegnungsstätte anzusehen. Durch deren Pflege entstehen seines Erachtens keine originären Friedhofskosten mehr. Entsprechend müssten diese Aufwendungen nicht über den Gebührenhaushalt beglichen werden. kel

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Aktuell wird die Fläche übergangsweise als Parkplatz genutzt und stark frequentiert. Mittelfristig soll es dabei aber nicht bleiben. Das Areal ist Teil des Fördergebiets „Stadtumbau in Hessen“. Wie es allerdings einmal gestaltet werden soll, steht noch nicht fest. Im Rathaus müssten noch Pläne eines Ideenwettbewerbs liegen. Es gab auch schon Überlegungen, an dieser Stelle ein Ärztehaus zu errichten. Reimund Strauch würde eher eine Gestaltung wie in der Lorscher Innenstadt mit einem freien Platz und Gastronomie vorschweben.

Grundsätzlich sprechen sich die Sozialdemokraten schon seit Jahren dafür aus, die gesamte Ortsmitte – also auch die Fahrbahnen im Kreuzungsbereich Mathildenstraße, Waldstraße, Ludwigstraße, Rheinstraße – einheitlich zu pflastern und damit eine verkehrsberuhigte Fläche zu schaffen. Wie auf dem Juxplatz sollen hier alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt unterwegs sein. „Wir wollen keinesfalls den Verkehrsfluss in der Ortsmitte verhindern“, sagt Strauch.

Und was wird mit den wegfallenden Parkplätzen auf der derzeitigen Abbruchbrache? „Wir sind ohnehin Gegner von Dauerparkplätzen im Ortszentrum“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende.

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Seines Erachtens darf auch auf dem Juxplatz zu lange geparkt werden. Er spricht sich für die Installation eines Parkscheinautomaten aus. „Den bekommt man schon für 8000 Euro“, sagt Strauch. Damit halte man Dauerparker wirkungsvoll aus der Ortsmitte raus und schaffe freie Stellflächen für Kunden der umliegenden Geschäfte.

Einhausen Nord stärker einbinden

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei den anstehenden Planungen der Stadtumbauprojekte ist für die Sozialdemokraten eine stärkere Einbindung von Einhausen Nord. Bislang seien die meisten Projekte südlich der Weschnitz geplant. Eine Idee sei, den geplanten neuen Schulsteg an beiden Ufern etwas auszuweiten, um eine Art Begegnungsstätte als „weiteres Highlight an der Weschnitz“ zu schaffen. „Und auch die Hauptstraße gehört zum im Förderprogramm propagierten ,grün-blauen Band‘ und muss berücksichtigt werden“, sagt Strauch. Abklären sollte die Gemeinde beispielsweise, ob man nicht das ehemalige Gasthaus „Zum Löwen“ erwerben kann, um eine Verbindung zur Weschnitz zu schaffen. Dass das nicht so abwegig ist, sehe man an den Grundstücken Ludwigstraße 13 und 17, die die Kommune erworben hat. „Wir finden es gut, dass der Bürgermeister solche Gelegenheiten beim Schopfe packt“, sagt Strauch.

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Die Idee, auf dem Gelände zwischen Ludwigstraße und Weschnitz einen Bewegungsparcours zu errichten, unterstützt die SPD. Zur Ludwigstraße hin sollten die Grundstücke jedoch wieder bebaut werden. Hier wäre nach Einschätzung der SPD eher ein geeigneter Platz für ein Ärztehaus.

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Noch keine konkreten Vorschläge haben die Sozialdemokraten zur Nutzung des sanierungsbedürftigen Fachwerkhauses Rheinstraße 9. Der Idee eines Heimatmuseums kann man durchaus etwas abgewinnen. „Da müsste sich jedoch der Heimat- und Geschichtsverein engagieren.“ Die Frage sei, inwieweit sich die Mitglieder beim Umbau und Betrieb selbst einbringen wollen. Aber auch Gastronomie und/oder ein Trauzimmer können sich Strauch und sein Fraktionsvize Joachim Wiegand in dem Haus vorstellen – eventuell auch alles zusammen. „Vielleicht sollten wir einen Ideenwettbewerb ausrufen und die Bürger befragen“, sagt Strauch.

Ebenso offen sehen die Sozialdemokraten die Zukunft des Bürgerhauses, bei dem eine energetische und technische Sanierung ansteht. Und die wird nach Einschätzung von Strauch und Wiegand wahrscheinlich nicht günstiger als ein Neubau. „Entscheidend für die Kosten wird der Brandschutz sein“, ist sich der SPD-Fraktionsvorsitzende sicher. Vor weiteren Überlegungen müsse man jedoch zunächst das Ergebnis der im Rahmen des Stadtumbauprogramms anstehenden Machbarkeitsstudie abwarten.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region