Kommunalpolitik - SPD-Fraktion äußert sich im Pressegespräch zu neuen Baugebieten und auf die Zukunft ausgerichteten Wohnformen SPD will Einhausen behutsam entwickeln

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Jörg Keller
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Im Baugebiet Im Knippel hätten die Sozialdemokraten gerne mehr Einfluss auf die Breitbandversorgung, auf Starkstromanschlüsse für E-Mobilität und auf Grünflächen genommen. © Keller

Einhausen. „Wir sollten Einhausen nachhaltig und behutsam entwickeln“, sagt Reimund Strauch (Bild: Funck) im Rahmen eines Pressegesprächs der Einhäuser Sozialdemokraten. Nach Einschätzung des SPD-Fraktionsvorsitzenden wurde die Entscheidung, die Hessische Landgesellschaft mit der Bodenbevorratung für ein neues Baugebiet Im Lichten Flecken II zu beauftragen, von der CDU als Mehrheitsfraktion „durchgeprügelt“. Dabei lehnen die Sozialdemokraten nach eigenem Bekunden eine Bauentwicklung im Süden der Gemeinde nicht ab. Ihres Erachtens hätte sich jedoch der Bau-, Umwelt- und Gemeindeentwicklungsausschuss mit dem Thema befassen müssen – mit dem Ziel, eine Priorisierung für die nächsten Baugebiete in Einhausen festzulegen. Mit dem jetzigen Beschluss zum Lichten Flecken II sei hingegen bereits ein „Schritt in die Zukunft gemacht worden, auf den sich die Bürger beziehen werden“.

Wird die Gemeinde zur Klimaschutzkommune?

Geht es nach der Einhäuser SPD, soll sich Einhausen zu einer Klimaschutzkommune entwickeln. Einen entsprechenden Antrag wird die SPD-Fraktion bei der kommenden Sitzung der Gemeindevertretung am 10. September stellen.

Als Zielvorgabe sieht der Antrag vor, dass Einhausen bis zum Jahr 2030 als CO2-neutrale Kommune anerkannt wird. „Wir sind davon überzeugt, dass es weitere Anstrengungen braucht, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, heißt es in der Begründung des Antrags. Wichtig sei, „die auf der eigenen Verantwortungsebene möglichen Maßnahmen zu erkennen und weiterzuentwickeln“. Die Sozialdemokraten haben dabei insbesondere die Bereiche „Verkehr, Infrastruktur, Gebäude, Energie, Landwirtschaft, Flora und Fauna“ im Blick. Sie sollen auf ihre Wirksamkeit für die CO2-Neutralität überprüft werden. Mit ins Boot nehmen wollen die Sozialdemokraten neben der Gemeindeverwaltung auch die Vereine, das Gewerbe, die Landwirte und alle Bürger.

Zur Planung soll nach Einschätzung der SPD ein Gesamtkonzept entwickelt werden, das „alle Bereiche und Projekte betrachtet und deren Auswirkungen auf Umwelt- und Klimaschutz“ überprüft. kel

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Dabei sehen die Sozialdemokraten noch viele offene Fragen. „Bei einem weiteren Neubaugebiet im Süden brauchen wir eventuell noch einen weiteren Kindergarten“, sagt Reimund Strauch. Denn eine Erweiterung der nahegelegenen Kitas Hagenstraße oder Friedensstraße sei nicht mehr möglich. Und bis zur geplanten neuen viergruppigen Einrichtung im Norden sei der Weg zu weit.

Auch die Verkehrsführung im Süden der Gemeinde bewerten die Sozialdemokraten weiterhin kritisch, selbst wenn der aktualisierte Verkehrsrahmenplan keine erhebliche zusätzliche Belastung der Ortsmitte durch den Lichten Flecken II prognostiziert. Dies war in der Vergangenheit immer ein Hauptargument gegen das Wohngebiet südlich der Siegfriedstraße.

Die Sozialdemokraten zweifeln jedoch nach wie vor die Aussagekraft der zugrundeliegenden Verkehrszählung an. „Da gab es eventuell Baumaßnahmen. Die Termine lagen zum Teil in den Ferien“, sagt Strauch. Eine seriöse Voraussage zur künftigen Entwicklung des Verkehrs in der Weschnitzgemeinde ist seiner Meinung nach nicht möglich.

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Auf jeden Fall müsse man sich Gedanken über die Verkehrsführung machen. Denn während im Norden die künftigen Bewohner des Neubaugebiets Im Knippel über die Industriestraße und Schwanheimer Straße mit dem Auto zu ihren Häusern und Wohnungen gelangen können, müsse der Anliegerverkehr in einem neuen Baugebiet im Süden komplett über die Kreuzung Im Lichten Flecken/Waldstraße abgewickelt werden. „Das wird nicht funktionieren“, ist sich Strauch sicher.

Außer über die Lage wollen die Sozialdemokraten auch über die Ausgestaltung neuer Wohngebiete diskutieren. Besonders wichtig ist es der SPD, mehr „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Die Erweiterung der mehrgeschossigen Bauweise Im Knippel sei ein richtiger Schritt gewesen. Um den Wohnungsmarkt im Ort zu entspannen, regen die Sozialdemokraten an, auch in Einhausen das Angebot „Vermiete an die Kommune“ zu etablieren. Immobilienbesitzer können bei diesem Konzept Aufwand und Risiko minimieren, wenn sie vorhandenen Wohnraum an die Gemeinde vermieten, die diesen dann weitervermittelt.

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Als ebenso wichtig erachten die Sozialdemokraten, künftige Baugebiete „fit zu machen für die Zukunft“. Wir haben für den Knippel Anträge gestellt zur Breitbandversorgung, zu Grünflächen und zur Starkstromversorgung für E-Mobilität: Alles wurde abgelehnt“, ärgert sich SPD-Fraktionsvize Joachim Wiegand (Bild: Weinbach) noch immer. „Wenn es darum geht, etwas in die Praxis umzusetzen, ist niemand dabei.“ Ähnlich sehe es beim Thema Klimaschutz aus. Und das sei bei weitem kein neues Thema. „Schon Anfang der 90er Jahre hat der damalige Viernheimer Bürgermeister und spätere Landrat Norbert Hofmann in Einhausen einen Vortrag zur klimafreundlichen Brundtlandstadt gehalten“, erinnert sich Strauch. Jetzt sei die Problematik für jeden erkennbar und der Leidensdruck steige.

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Dass die Einhäuser durchaus Nachholbedarf hätten, erkennt Strauch schon beim Blick in die Johann-Sebastian-Bach-Straße, in der er selbst wohnt: „Von 54 Häusern haben nur vier bis fünf Photovoltaikanlagen auf dem Dach.“ Bei der kommenden Sitzung der Gemeindevertretung wollen die Sozialdemokraten einen entsprechenden Antrag einbringen.

Enttäuscht sind die Sozialdemokraten auch darüber, dass ihre Anregungen zu neuen Wohnformen bei den übrigen Fraktionen auf wenig Resonanz gestoßen waren. Gerhard Vetter, Vorsitzender des Vereins WohnVision Bergstraße, hatte dem Bau-, Umwelt- und Gemeindeentwicklungsausschuss ein entsprechendes Konzept vorgestellt. Nach Einschätzung von Joachim Wiegand gibt es darüber noch zahlreiche weitere Möglichkeiten für alternative Wohnformen – und das auch zu günstigen Preisen. Die relativ hohe Miete beim ersten Projekt der WohnVision Bergstraße in Bensheim war ein Hauptkritikpunkt im Ausschuss.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region