Kultur - Im Vorgarten von Monika und Manfred Diel steh eine Metallskulptur des 2018 verstorbenen Künstlers Klaus Arnold Riesen-Giggel aus Schrott ist eine versteckte Sehenswürdigkeit

Von 
Jörg Keller
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Einhausen. Den großen Giggel aus der Einhäuser Partnerstadt Shoreview kennt sicher jeder Bewohner und Besucher von Einhausen. Direkt am Ortseingang auf einem Grundstück an der Mathildenstraße postiert ist er auch nicht zu übersehen.

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Ein mindestens ebenso imposantes Exemplar findet sich nur wenige hundert Meter weiter. Dennoch dürfte es Einhäuser geben, die den schwarzen Riesengiggel im Vorgarten von Monika und Manfred Diel noch nie gesehen haben. Die Schumannstraße im Südosten der Gemeinde liegt aber auch nicht wirklich auf der üblichen Wegstrecke von Pendlern oder Spaziergängern.

Aus Spott wurde ein Wahrzeichen

Das stolze Wahrzeichen von Einhausen ist der Giggel (Hahn). Doch was heute eine Ehrenbezeichnung für die Bürger der Weschnitzgemeinde ist, hat seine Ursprünge im Spott der Lorscher Nachbarn, wird im Buch „Einhausen, Geschichte & Geschichten“ gemutmaßt. Bis 1825 war Klein-Hausen Filialort von Lorsch. Die an der Weschnitz lebenden ärmeren Nachbarn wurden von den Klosterstädtern „Gerstegiggel“ genannt. Gerste wurde als minderwertiges Getreide häufig als Hühnerfutter genutzt. kel

Und so ist das von dem 2018 verstorbenen Einhäuser Künstler Klaus Arnold geschaffene Metall-Federvieh ein wahrer Geheimtipp von Fans des örtlichen Wappentiers. Klaus Arnold war ein Cousin von Monika Diel. Und so besitzt das Ehepaar eine ganze Reihe von Kunstwerken des für seine aus Metallteilen konstruierten Objekte bekannten Einhäusers. Etwa ein dem großen Bruder im Vorgarten ähnelnder Giggel-Stuhl oder ein extravagenter CD-Ständer. Gefertigt ist die große Skulptur komplett aus Schrottteilen. Eine Wäschetrommel wurde verbaut, außerdem neben vielen anderen Teilen Sägeblätter, eine Mistgabel und alte Haushaltsgeräte.

Das alles zusammengeschweißt führt zu einem beachtlichen Gewicht. Genau beziffern kann das Manfred Diel zwar nicht. Er erinnert sich jedoch, dass der Giggel seinerzeit in drei Teile zerlegt werden musste, um ihn überhaupt transportieren zu können. In und teilweise auch außerhalb eines alten R4 wurde das Kunstwerk 1990 von Arnolds Atelier in die Schumannstraße gebracht. „Den Kopf hatten wir auf einem Sackkarren mitgezogen“, sagt Diel. Damit der Giggel auch bei Sturm nicht umfällt, wurde ein massiver Eisenträger als Standbein zwei Meter tief in der Erde verankert.

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So massiv das Metallobjekt ist, so anfällig ist es aber auch für Rost. Damit es seit nunmehr 30 Jahren im Vorgarten unbeschadet überdauern konnte, war eine akribische Pflege notwendig. „Roststellen muss man sofort ausbessern“, sagt Manfred Diel, der selbst künstlerisch malt und schon mehrere Ausstellungen hatte. Alle zwei Jahre müsse der Giggel mit frischer Farbe dann komplett überarbeitet werden.

Das macht jede Menge Arbeit. Dafür können sich die Hauseigentümer immer wieder an begeisterten und erstaunten Blicken erfreuen, wenn mal wieder jemand den Weg in die Schumannstraße gefunden und das Kunstwerk entdeckt hat. Einige Besucher wurden auch direkt dorthin geleitet. Der Giggel war schon mal als Geocaching-Zielpunkt ausgewiesen worden. So mancher mit GPS-ausgestattete Hobby-Schatzsucher machte dem Federvieh aus Metall daher seine Aufwartung.

Blaue Skulptur wurde abgebaut



Ein etwas kleineres Pendant zu dem Riesengiggel im Garten von Monika und Manfred Diel stand über viele Jahre vor dem Eingang zur Kindertagesstätte Friedensstraße. Im August 1998 hatte der 2018 verstorbene Einhäuser Künstler Klaus Arnold es dem Gemeindekindergarten zunächst geliehen.

Seit vorigem Jahr ist er jedoch verschwunden. „Wir mussten den Giggel abbauen“, sagt Kita-Leiterin Maria Schelshorn. Der blaue Giggel habe die Einrichtung über viele Jahre begleitet und sei „lange Zeit sehr schön“ gewesen. Zuletzt sei die Metallskulptur aber immer stärker von Rost befallen gewesen. Am Ende habe man sogar Sorgen gehabt, dass von dem Kunstobjekt Teile abfallen und jemanden verletzten könnten. Daraufhin hatte sich Maria Schelshorn mit Christel Arnold in Verbindung gesetzt. Auch sie habe keine Idee gehabt, wer das Kunstwerk ihres vor zwei Jahren verstorbenen Mannes fachgerecht hätte restaurieren können, und ihr Einverständnis gegeben, das in die Jahre gekommenen Unikat letztlich zu entsorgen. Nach Rücksprache mit Bürgermeister Helmut Glanzner sei dies dann auch so geschehen.

Was an die Stelle der abgebauten Skulptur kommen soll, habe man noch nicht entschieden. Empfangen werden die Kinder und Besucher der Einrichtung seit diesem Jahr aber von einem neuen Schild. „Kindertagesstätte Friedensstrasse“ ist darauf zu lesen. Ganz bewusst halte man an dem bekannten Namen der Einrichtung fest, sagt Maria Schelshorn. Auch, wenn sich andere Einrichtungen ausgefallene Namen geben. Der bisherige Kindergarten Hagenstraße heißt jetzt Kita „Kleine Insel“. Die Bezeichnung Friedensstraße sei seit Generationen bekannt. Immerhin wird die Kita 2022 bereits 50 Jahre alt. kel

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Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region