Ortsgericht - Corona-Krise verzögert beschlossenen Personalwechsel an der Spitze Philipp Bohrer bleibt bis auf Weiteres im Amt

Von 
Nina Schmelzing
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Einhausen. Vor wenigen Wochen hatte die Einhäuser Gemeindevertretung beschlossen, dass es einen Wechsel an der Spitze des Ortsgerichtes geben soll. Einhellig stimmten die Gemeindevertreter dafür, dass künftig Bürgermeister Helmut Glanzner die Aufgabe von Philipp Bohrer übernehmen solle.

Helmut Glanzner (r.) ist nicht nur Nachfolger von Philipp Bohrer (l.) im Amt des Bürgermeisters. Im April hätte er auch dessen Nachfolge als Ortsgerichtsvorsteher antreten sollen. Die Corona-Krise verzögert das, Philipp Bohrer bleibt erst einmal bis auf Weiteres als Ortsgerichtsvorsteher im Amt. © Neu
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Ehrenbürgermeister Bohrer hat die Arbeit über zwei Amtsperioden hinweg ausgeübt, immerhin 20 Jahre lang. Die erforderlichen offiziellen Sitzungsunterlagen waren bereits alle ans Amtsgericht verschickt worden. Nun verzögert sich der Personalwechsel allerdings – wegen der Corona-Krise.

Nur Eiliges wird erledigt

Vom Amtsgericht Bensheim wurde das Einhäuser Rathaus angeschrieben und mit Informationen zum Umgang mit der Pandemie versorgt, wie Torsten Bohrer vom Haupt- und Ordnungsamt berichtet. Wichtigste Nachricht demnach: Vom Ortsgericht Einhausen werden in den nächsten Wochen lediglich als eilig erachtete Geschäfte erledigt. Um Gesundheitsgefährdungen zu vermeiden, sollen persönliche Kontakte mit Bürgern derzeit bekanntlich stark eingeschränkt werden.

Das bedeutet zunächst, dass Einhäuser bis auf Weiteres nur telefonisch Kontakt mit dem Ortsgericht aufnehmen können. Im Rahmen dieses Gesprächs werde dann geklärt, ob eine persönliche Vorsprache erforderlich sei, erläutert Torsten Bohrer das momentan notwendige Vorgehen.

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Wegen der Corona-Epidemie und der damit verbundenen Kontaktsperre kann aber auch der in Einhausen beschlossene Personalwechsel an der Spitze des Ortsgerichts nicht wie geplant vollzogen werden. Die eigentliche Ernennung des künftigen Vorstehers nämlich muss der Direktor des Amtsgerichts als Aufsichtsbehörde vornehmen. Weil dies wegen der Pandemie derzeit ausgeschlossen ist, muss der bisherige Ortsgerichtsvorsteher jetzt länger als beabsichtigt im Einsatz bleiben.

Offiziell wäre die Amtszeit für Philipp Bohrer am heutigen 31. März abgelaufen. Nun bleibt der frühere Bürgermeister, der 17 Jahre als Verwaltungschef im Einhäuser Rathaus tätig war, auf zunächst unbestimmte Zeit länger als Ortsgerichtsvorsteher im Dienst.

„Die Krise hat Vorrang“

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Philipp Bohrer reagiert auf die unfreiwillige Amtszeitverlängerung mit Gelassenheit. „Kein Problem“, sagte er gestern auf BA-Nachfrage dazu. Er habe die Aufgabe als Ortsgerichtsvorsteher bislang gerne übernommen und werde das nun selbstverständlich in der Ausnahmesituation bis auf Weiteres fortführen. „Die Krise hat Vorrang“, äußert Philipp Bohrer vollstes Verständnis für die Anordnung von Seiten des Amtsgerichts. Die Bedrohungen durch die Pandemie und ihre Folgen dürfe man schließlich keinesfalls unterschätzen.

Mehrfach für die Justiz engagiert

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Völlig aus dem Aufgabengebiet hat sich Bohrer sowieso nicht zurückgezogen. Bei der Wahl in der Gemeindevertretung vor einigen Wochen hatte sich der Ehrenbürgermeister bereiterklärt, dem Ortsgericht als einer von insgesamt vier Schöffen erhalten zu bleiben. Aus Altersgründen jedoch nur für eine Amtszeit von fünf Jahren, erinnert Philipp Bohrer, der im Mai seinen 74. Geburtstag feiert.

Ehrenamtlich engagiert für die Justiz ist Philipp Bohrer auch außerhalb seiner Heimatgemeinde schon seit Jahrzehnten. Der Einhäuser ist seit mehr als 40 Jahren beim Sozialgericht und beim Landessozialgericht in Darmstadt tätig. Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hatte Philipp Bohrer zu diesem außergewöhnlichen Dienstjubiläum 2015 persönlich im Rahmen einer Feierstunde in Wiesbaden gratuliert.

Ehrenamtliche Richter stünden den ausgebildeten Berufsrichtern gleichberechtigt zur Seite, hatte die Ministerin die Bedeutung klar gemacht, an die unter anderem auch der Urteilsspruch „Im Namen des Volkes“ erinnert. Dass es nicht leicht ist, an Fachwissen und Menschenkenntnis ähnlich erfahrene Fachleute wie Philipp Bohrer für die Arbeit zu gewinnen, hatte sie betont. Unter dem Beifall der Festgäste hatte Bohrer daraufhin versprochen, möglichst lange als ehrenamtlicher Richter dabeizubleiben. Derzeit aber finden keine öffentlichen Sitzungen statt.

Das Einhäuser Ortsgericht kümmert sich als Hilfsbehörde der Justiz unter anderem darum, den Wert von Grundstücken und Immobilien zu schätzen sowie um Fragen der Nachlass-Sicherung. Themen, die nicht dringlich sind, sollen nun wegen der Corona-Krise verschoben werden. Es sei denn, es geht um Fristen, die zu beachten sind, wie zum Beispiel die Ausschlagungsfrist für einen Erbfall beziehungsweise wichtige Unterschriftsbeglaubigungen.

Erst anrufen oder mailen

Erreichbar ist das Ortsgericht montags bis donnerstags von 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr. Unter der Rufnummer 06251/9602-21 oder torsten.bohrer@einhausen.de ist Torsten Bohrer erster Ansprechpartner. Im Rahmen dieses Kontakts wird geklärt, ob eine persönliche Vorsprache erforderlich ist, erklärt Torsten Bohrer.

Redaktion