Kommunalwahl - SPD-Spitzenkandidat Reimund Strauch engagiert sich seit 1987 in der Gemeindevertretung / Kommende Legislaturperiode als klarer Arbeitsauftrag „Nicht viel reden, sondern machen“

Von 
Thomas Tritsch
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Einhausen. Klassische SPD-Karrieren wie die von Reimund Strauch gibt es nicht mehr oft: Aufgewachsen als Kind einer sozialdemokratisch geprägten Familie in Birkenau. Dort die Volkschule besucht. Mit seinem Eintritt ins Berufsleben wird der gelernte Chemotechniker Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, für die er auch als Dozent tätig ist. Später ist er 14 Jahre lang im Betriebsrat bei Roche Diagnostics. Dort auch Referent für Arbeitsschutz und Arbeitsrecht. Außerdem Mediator in Wirtschaft und Arbeitswelt. Seit 1987 ist er in der Einhäuser Gemeindevertretung engagiert, von 2006 bis 2011 als Mitglied des Gemeindevorstands. Aktuell ist er außerdem Vorsitzender des Ortsvereins, SPD-Fraktionschef im lokalen Parlament und Kassierer im Unterbezirksvorstand.

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Reimund Strauch ist aber auch Initiator und Sprecher von „Mensch vor Verkehr“ sowie Mitbegründer der ehemaligen Bürgerinitiativen „Gegen Atomkraft in Einhausen“ und für eine Verkehrsberuhigung auf der L 3111. Und nebenbei noch Vorstandssprecher der Spiel- und Sportgemeinschaft Einhausen 1919.

Reimund Strauch ist erneut Spitzen-kandidat der Einhäuser SPD. © Neu

„Nicht viel reden, sondern machen“, beschreibt er sein Credo. Es brauche flächendeckend mehr aktives politisches Engagement. „Mit Schildern auf die Straße gehen ist gut. Aber es gibt zu wenige, die vor Ort in kommunalen Parlamenten mitarbeiten“, so der 68-jährige Spitzenkandidat für die Kommunalwahlen am 14. März. Insgesamt werden die Genossen mit 20 Kandidaten antreten. An der Spitzenposition gibt es keine Überraschung. Strauch gilt als SPD-Motor und Urgestein der Einhäuser Kommunalpolitik.

Gleich nach dem Umzug nach Einhausen war er 1984 mit der örtlichen SPD in Kontakt gekommen. Schon ein Jahr später kandidierte Strauch auf Platz 15 bei der Kommunalwahl. 1987 kam er als Nachrücker in die Gemeindevertretung. Als stellvertretender Juso-Chef wollte er auch den Vorsitz im Ortsverein. 1989 schafft er es über eine Kampfabstimmung. Seither sagt er immer: „Von den Jusos lasse ich mich höchstens abwählen. Zurücktreten werde ich nicht.“

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Mit dem örtlichen Vorsitzenden der SPD-Nachwuchsorganisation, Sven Görtz, auf Listenplatz vier sowie weiteren Jungsozialisten auf den Rängen acht und neun ist Reimund Strauch sehr zufrieden. Neue Ideen und frische Perspektiven könne die Gemeinde immer gut gebrauchen. Der Ortsverein wird dieses Jahr 75 Jahre alt.

Gestaltet wird kommunal

Für Strauch ist klar: Gestaltet wird auf kommunaler Ebene. Die große Politik könne lediglich die Rahmenbedingungen definieren für das, was in den Städten und Gemeinden geht und was nicht. Beispielhaft nennt er einige Erfolge, an denen die SPD maßgeblich beteiligt gewesen sei. Etwa bei Initiativen zum Klima- und Landschaftsschutz, der Weiterentwicklung von Baugebieten und bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Auch das Glyphosatverbot und das Ziel einer klimaneutralen Kommune bis 2030 seien Kinder der SPD.

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Eines seiner persönlichen politischen Babys heißt „Ortsmittelpunkt“. Hier müsse man mit Ratio und Weitsicht eine neue Aufenthaltsqualität entwickeln und dabei auch Einzelhandel und Gastronomie einbeziehen, betont Strauch, dem es bei solchen Maßnahmen um mehr als ein einheitliches Straßenpflaster geht: Man dürfe nicht jede Lücke zubetonieren, sondern müsse auch freien Raum erhalten, wo sich die Bürger begegnen und austauschen können. Außerdem gehe es darum, die nördliche Gemeinde einzubeziehen und den Ortskern nicht nur südlich der Weschnitz im Blick zu haben.

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Die Resolution für eine Verringerung des Flächenverbrauchs auf kommunaler Ebene begrüßt er ausdrücklich. Umwelt-Themen gehörten zum Markenkern der lokalen SPD – und bei ihm selbst. Nicht erst seit der Gründung des Vereins „Mensch vor Verkehr“, der mittlerweile als Umweltverband anerkannt ist und sich für den Schutz von Menschen, Tieren und Waldgebieten im Zuge der ICE-Neubauplanung einsetzt.

Früh habe ihn die Anti-Atomkraft-Bewegung in den 1970er Jahren politisch geprägt und die Sensoren für Natur- und Klimaschutz nachhaltig justiert. Bei Neubauten oder Sanierungen (Beispiel: Bürgerhaus) müsse man Aspekte wie Umweltschutz, erneuerbare Energien und Verkehr von Beginn an mitdenken, so der Fraktionsvorsitzende. Auch in puncto Photovoltaik könne man in der Gemeinde noch nachlegen. Gleichzeitig komme es in einer wachsenden Kommune wie Einhausen darauf an, die nötige Infrastruktur zu schaffen, was Kinderbetreuung und Wohnen angeht.

Auch der Bedarf einer modernen und zukunftsfähigen Breitbandversorgung werde allzu oft vernachlässigt, so Strauch. Die Corona-Krise habe vor Augen geführt, wie entscheidend ein schnelles Internet tatsächlich ist. Stichwort: Homeoffice. „Da wird es öfters mal rucklig am Bildschirm.“ In vielen örtlichen Haushalten stoße man auch mit Bandbreiten von 50 Bit/s früh an die digitalen Kapazitätsgrenzen.

Er selbst sieht seine kommunalpolitische Karriere noch lange nicht am Ende. In den nächsten fünf Jahren gebe es in Einhausen noch eine Menge zu tun. Ein Zeitraum, den Reimund Strauch nicht nur als Legislaturperiode, sondern als konkreten Arbeitsauftrag versteht.

Und auch in puncto ICE-Neubaustrecke gibt es einen Erfolg zu vermelden: Eine der zentralen Forderungen von „Mensch vor Verkehr wird umgesetzt. Die Einrichtung eines Bergsträßer Projektbeirats ist für Strauch ein wichtiger Teilerfolg für die gesamte Region. Auch Vertreter der betroffenen Kommunen und aus relevanten Verbänden sollen in dem Gremium die Weichen für die folgenden parlamentarischen Beschlüsse stellen. Es wäre eine Überraschung, wenn Strauch dabei nicht mitreden würde.

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