Landwirtschaft - Kaum Mängel bei der technischen Überprüfung von Traktoren in Einhausen / Ortslandwirt Winfried Knaup hatte den Termin organisiert Neue Prüfmarke auch für das alte „Dieselross“

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Norbert Weinbach
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Herbert Knaup, Maschinenschlosser, fuhr den ältesten Traktor zum Prüfungstermin auf den „Sonnenhof“. Das „Dieselross“ der Marke Fendt wurde im Jahr 1956 gebaut. Eigentümer ist Robby Hölzel. Neben Knaup steht Karl-Heinz Bauer, der als Rentner ebenfalls noch Besitzer eines Traktors ist. © WEINBACH

Einhausen. Etwas mehr als eine Stunde dauerte die technische Überprüfung von 20 Traktoren und zwei Pkw-Anhängern auf dem „Sonnenhof“ des Ortslandwirts Winfried Knaup. Frank Meyer, Prüfstellenleiter des Ingenieurbüros Olf aus Bensheim, nahm die Fahrzeuge nacheinander in Augenschein.

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Unter die Lupe genommen wurden in erster Linie Beleuchtung, Blinklichter, Hupen, Bremsen sowie das Spiel der Lenkung und der Spurstangen. Bei den Anhängern wurde auch die Anhängerkupplung überprüft.

Für jede Inaugenscheinnahme eines Traktors hatte der Besitzer 50 Euro zu bezahlen. Frank Meyer stempelte dann die Fahrzeugpapiere und klebte die neuen Prüfmarken auf die Kennzeichen. Besonders gravierende Mängel habe er nicht feststellen können. Bei der Beleuchtung habe es den einen oder anderen kleinen „Wackler“ gegeben. „Durch Draufschlagen sei das aber schnell wieder behoben worden“, versicherte ein Landwirt.

Beim zweiten Versuch klappt’s

Wenn eine Bremse nicht gleich richtig gegriffen habe, sei das beim zweiten Versuch wieder in Ordnung gewesen. Man dürfe nicht vergessen, dass einige Traktoren nicht regelmäßig benutzt würden, so der Prüfstellenleiter. Dann könne es durchaus schon einmal passieren, dass die Bremse bei der Probe nicht auf Anhieb perfekt anspreche.

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Nicht prüfen darf er Traktoren, die Geschwindigkeiten von über 60 Stundenkilometern erreichen und Druckluftbremsen besitzen. Solche Gefährte müssen beim TÜV vorgefahren werden und werden dort dann auch einem Abgastest unterzogen.

Der älteste Traktor, ein Fendt „Dieselross“, Baujahr 1956, gehörte Robby Hölzel. Zur technischen Prüfung fuhr ihn Herbert Knaup, 63, der Bruder des Ortslandwirts Winfried Knaup. Er ist von Beruf Maschinenbauingenieur und deshalb immer wieder bei Reparaturen gefragt. Begleitet wurde er von Karl-Heinz Bauer (65), einem Rentner. „Ich bin kein Landwirt aber in der Landwirtschaft groß geworden und besitze noch einen Traktor“, berichtete er auf Nachfrage.

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Holger Hedderich ist Besitzer eines Traktors D 40 der Marke Deutz, Baujahr 1965. Er ist Nebenerwerbslandwirt „auf einem Hof, der seit Generationen existiert“. Früher sei er im Bildungssektor tätig gewesen, heute baut er auf Grünland Futter für die eigenen Rinder an.

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Eigentümer von je drei Traktoren ist Josef Würsching (73). Sein ältester Traktor ist ein Fabrikat John-Deere-Lanz 519, Baujahr 1967, mit 42 PS. Dieses grün glänzende Gefährt „habe ich in Saarbrücken gekauft und selbst restauriert“, verkündete er. Heute ist er Nebenerwerbslandwirt. Früher besaß er als Landwirt 60 Bullen. Jetzt widmet er sich mit seiner Ehefrau auf einem Hektar Fläche dem Kürbisanbau. Sein Hobby ist dabei das Züchten von Riesenkürbissen der Sorte „Atlantic Giant“. Sein bisher größtes und schwerstes Exemplar brachte 905 Kilo auf die Waage. Solch ein Kürbis wachse in einem Gewächshause, nehme pro Tag bis zu 30 Kilo an Gewicht zu und müsse mit rund 500 Litern Wasser pro Tag versorgt werden.

Zur Untersuchung war auch wieder Bernd Hübner gekommen mit einem hellblauen Traktor der Marke Eicher. Die Firma existiert heute nicht mehr. Der landwirtschaftliche Oldtimer wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt.

Ortslandwirt als Organisator

Organisiert hatte den Prüfungstermin wieder Ortslandwirt Winfried Knaup. Das gehöre zwar nicht zu seinen originären Aufgaben, erklärte er; da er sich jedoch generell um die Belange der örtlichen Landwirte kümmere, stellt der den Termin seit 20 Jahren auf die Beine. Mit dem Ergebnis der technischen Prüfung zeigte er sich zufrieden. Die Vor-Ort-Schau erspare den Landwirten Zeit, da sie ansonsten zum TÜV nach Heppenheim fahren müssten.

In Zeiten der Corona-Krise könnten Ackerbau und Viehzucht grundsätzlich weiterbetrieben werden, berichtet Knaup am Rande des Termins. Nachteilig wirke sich allerdings aus, dass die Betriebe auf etwa nur zwei Drittel der benötigten Arbeitskräfte zurückgreifen könnten. Der eine oder andere Acker, etwa für Spargel, werde deshalb nicht bewirtschaftet, berichtete er. Dass die Preise für Rind- und Schweinefleisch pro Kilo um 30 bis 40 Cent gesunken seien, kann er sich nicht erklären.

Der Direktverkauf in seinem Hofladen laufe aber gut, berichtet Winfried Knaup. Er selbst gehe demnächst in Rente und habe einen Teil seiner Ländereien verpachtet. Sein Betrieb erzeuge aber weiterhin unter anderem Gemüse für den Hofladen und Heu.

Freier Autor Seit mehr als 40 Jahren als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen aktiv, Fotograf und Berichterstatter, im Regelfall waren/sind es Zeitungen die dem BA oder ganz früher, mit dem Echo verbunden waren. Berichterstattung meistens über Lorscher Vereine und Organisationen, früher auch Sport.