Grundschule an der Weschnitz - Schulleiterin Sandra Aust und ihr Kollegium warten auf Entscheidungen in Berlin und Wiesbaden Mehr Präsenzunterricht frühestens ab dem 22. Februar

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Jörg Keller
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Weitaus besser als noch im ersten Lockdown funktioniere mittlerweile der Online-Unterricht, sagt die Leiterin der Einhäuser Grundschule, Sandra Aust. © DPA

Einhausen. Heute soll bei der Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Pandemie auch über eine Strategie für Schulen und Kitas beraten werden. Egal wie diese ausfällt: An der Einhäuser Grundschule soll die aktuell geltende Regelung aber mindestens noch bis zum 22. Februar fortgeführt werden. Demnach sind die Eltern aufgerufen, ihre Kinder möglichst zuhause zu lassen. Verboten ist es allerdings nicht, wenn die Mädchen und Jungen dennoch zur Schule kommen. Rund 90 der insgesamt 252 Kinder machen nach Angaben von Schulleiterin Sandra Aust davon Gebrauch. Kurz nach den Weihnachtsferien waren es noch 55.

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Eine Woche Übergangszeit erhoffen sich Sandra Aust und ihr Kollegium, um die Abläufe nach neuen Vorgaben der Politik in der Praxis umzusetzen. Eine verbindliche Aussage dazu, wie es weitergeht, erwartet Sandra Aust allerdings noch nicht heute. Nach der Beratung der Ministerpräsidentenkonferenz wird die hessische Landesregierung im Laufe der Woche festlegen müssen, welche Vorgaben für die Schulen gelten.

„Viertklässler sind teilweise fitter und selbstständiger als früher“

Trotz Lockdown, Homeschooling, und Online-Unterricht: Für die Viertklässler, die nach den Sommerferien auf eine weiterführende Schule wechseln werden, sieht die Leiterin der Einhäuser Grundschule, Sandra Aust, keine Nachteile. Sie selbst unterrichtet aktuell Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe vier als Klassenlehrerin.

„Die Kinder sind teilweise fitter, medientechnisch geschulter und selbstständiger als in den vergangenen Jahren“, sagt sie. Bei den Empfehlungen der Lehrer an die Eltern, welche Schulform für ihren Nachwuchs am geeignetsten ist, gebe es daher auch keine qualitativen Veränderungen zu den vorherigen Jahrgängen.

„Da machen sich die Eltern größere Gedanken als notwendig“, sagt Sandra Aust. Erläutert werden die Empfehlungen zum Schulwechsel trotz des Lockdowns bei Elterngesprächen. „Wir bieten Termine über Microsoft Teams, per Telefon, aber auch bei uns in der Schule an – wenn gewünscht auch im Freien auf dem Hof“, sagt die Schulleiterin.

Als „schlimmer“ bewertet Sandra Aust die Auswirkungen des Lockdowns für die Erstklässler. Und das, obwohl man es mittlerweile sogar geschafft habe, auch für die Jüngsten Heimunterricht per Microsoft Teams anzubieten. „Lesen und Schreiben lernt man aber nicht am Computer“, sagt sie. Gerade für die Schulanfänger sei es daher wichtig, dass der Präsenzunterricht möglichst schnell wieder beginnt. kel

Die zahlreichen kurzfristig umzusetzenden Regelungen stellen nach Einschätzung von Sandra Aust eine große Herausforderung dar. Beim Gespräch mit dieser Zeitung gestern Morgen konnte sie noch nicht abschätzen, wie es weitergehen wird. „Wenn die Zahlen es zulassen, werden wir wohl wieder Wechselunterricht einführen“, sagt sie. Um Abstände in den Räumlichkeiten einhalten zu können, wird dann immer nur die Hälfte der Kinder einer Klasse wechselweise den Unterricht besuchen können. Die übrigen Schüler müssen an Tagen, an denen sie nicht an der Reihe sind, zuhause bleiben. Das gleiche System gab es bereits vor den Weihnachtsferien. Seinerzeit hatte man die Präsenzzeiten auf Tage aufgeteilt. Eine Hälfte der Klasse durfte montags und mittwochs, die andere dienstags und donnerstags erscheinen. Am Freitag war es mal so, mal so. Dieses System biete zwar den Eltern eine gewisse Planungssicherheit, sei aber vom Stundenplan schwierig zu koordinieren, sagt Sandra Aust. Deshalb sei auch ein wöchentlicher Rhythmus eine Option.

Zusätzlich werde es eine Art Notfallbetreuung geben für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen beschäftigt sind, und die deshalb auch in den Heimunterricht-Phasen nicht Zuhause bleiben können.

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Eine irgendwie geartete Planung für das weitere Schuljahr fällt aufgrund der unsicheren Corona-Lage schwer. „Alles liegt auf Eis“, sagt Sandra Aust. Eine vorbereitende Organisation von Klassenfahrten scheitere daran, dass nicht geklärt werden kann, wie bei einer eventuellen Absage die Stornokosten beglichen werden. AGs und Projekte können zum größten Teil ebenfalls nicht stattfinden. Eine Ausnahme ist „Sprache macht stark“. Hier steht jedoch die Lehrerfortbildung im Mittelpunkt.

Das Projekt „Einfach bewegend“ ist nach Angaben von Sandra Aust (Archivbild: Zelinger) zwischenzeitlich ausgelaufen. Das Wissen um die Bewegungsförderung im schulischen Alltag sei jedoch bereits implementiert.

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Doch auch der Sportunterricht war von den Corona-Einschränkungen immer wieder betroffen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 durfte die nigelnagelneue Mehrzweckhalle nicht genutzt werden. Aktuell ist das nicht so. Und so finde der im Stundenplan vorgesehenen Sportunterricht grundsätzlich statt. In der Halle dürfen die Mädchen und Jungen, natürlich mit Abstand, ihrem Bewegungsdrang nachgehen. Neue Übungen – etwa, wie eine Rolle vorwärts geturnt wird – werden allerdings nicht vermittel, betont Sandra Aust. Das wäre ungerecht gegenüber den Schülern, die Zuhause bleiben müssen.

Keine Nachteile zuhause

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Strenge Maßgabe sei, dass die Kinder im Heimunterricht keine Nachteile gegenüber ihren Klassenkameraden haben dürfen, die trotz anderweitiger Empfehlung die Schule besuchen. Mittlerweile könne man das durch den Online-Unterricht besser organisieren als während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr. „Mittlerweile haben sich die Schüler und Lehrer schon mit Plattformen wie Microsoft Teams auseinandergesetzt“, sagt Sandra Aust und lobt dabei auch die Eltern. Die allermeisten Kinder würden zuhause sehr gut unterstützt. „Ohne geht es auch nicht“, sagt die Schulleiterin.

Für die Lehrer bedeute der Online-Unterricht aber eine Herausforderung. Einen ganzen Klassenverband mit über 20 Kindern auf einmal via Teams anzuleiten, sei kaum möglich. So teile sie ihre Klasse in drei Online-Gruppen und den Präsenzunterricht ein. Den gleichen Lernstoff vermittele sie diesen dann getrennt hintereinander. Die Zustimmung sei bei den meisten Eltern anscheinend groß. Sandra Aust macht das daran fest, dass es nur sehr wenige Beschwerden gebe. „Das eine oder andere Lob würde uns aber auch mal guttun“, sagt sie

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region