Kommunalwahl - Hanna Blumenschein, Sven Lautenschläger und Michael Reeg stellten das Grünen-Wahlprogramm vor und plädieren dafür, die Bürgerhaus-Sanierung erst einmal zu verschieben Grüne wollen Fahrradstraße quer durch den Ort

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Jörg Keller
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Einhausen. Ja, ein modernes, großes Bürgerhaus sei natürlich schon eine schöne Sache, sagt Hanna Blumenschein, Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der Einhäuser Grünen. Daher lehne ihre Fraktion die geplante Sanierung auch nicht grundsätzlich ab. Ob die Millioneninvestition jedoch „am Anfang einer wahrscheinlichen Wirtschaftskrise“ unbedingt sein muss, stellen die Grünen mit Blick auf die ihres Erachtens nicht absehbaren Folgen der Corona-Pandemie für die Konjunktur jedoch in Frage.

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Der aktuelle Haushaltsplanentwurf sieht für das laufende Jahr Ausgaben von 1,265 Millionen Euro vor und für die Folgejahre 4,6 Millionen Euro an Verpflichtungsermächtigungen. Bei den von der Gemeinde für das Projekt eingeplanten Fördermitteln aus dem Stadtumbauprogramm und dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ mit einer Förderquote bis zu 90 Prozent sehen die Grünen noch ein Fragezeichen. Der Förderantrag soll in diesem Frühjahr gestellt werden. „Wir wissen noch nicht zu hundert Prozent, ob wir das Geld letztlich auch wirklich bekommen“, sagt Hanna Blumenschein bei einem Pressegespräch der Einhäuser Grünen zum Wahlprogramm ihrer Partei. „Wir sehen uns dem Ziel der Nachhaltigkeit, auch in der Haushaltspolitik, verpflichtet“, heißt es dazu in einem Flyer, den die Grünen in den vergangenen Tagen in die Briefkästen der Haushalte geworfen hatten.

„Schätzungen nur Luftschlösser“

Zu einer kommunalpolitischen Radtour der Grünen hatten Hanna Blumenschein und Sven Lautenschläger 2020 eingeladen. In ihrem Wahlprogramm werben sie für ein „fahrradfreundliches Einhausen“. © Die Grünen

Mit Blick auf die weiter andauernde Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen, seien die aktuellen Prognosen zu Steuereinnahmen in den kommenden Jahren „nur Luftschlösser“, sagt Ortsverbandsvorsitzender Sven Lautenschläger. Und bei sinkenden Einnahmen würden der Gemeinde auch die aktuell niedrigen Zinsen nicht alleine helfen, die entstandenen Schulden zu tilgen.

Die Grünen plädieren daher dafür, die Bürgerhaussanierung erst einmal zurückzustellen. Insbesondere, da andere hohe Investitionen unbedingt getätigt werden müssen. Hanna Blumenschein führt aktuell den Neubau der beiden Kindergärten und mittelfristig die Sanierung oder einen Umbau des Feuerwehrhauses an.

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Im Blick haben die Grünen bei Zukunftsinvestitionen außerdem die Ortsmittelpunktgestaltung. „Auch jenseits der Weschnitz müsse die grüne Infrastruktur vorangetrieben werden“, heißt es in dem Wahlflyer. Die Ortsmitte soll demnach „mehr Räume zur Begegnung in naturgeprägter und verkehrsberuhigter Umgebung“ bieten. Zudem werde es Zeit, dass der provisorische Parkplatz auf dem Abbruchgelände Marktplatz 12 verschwindet. Auf die Frage, was dort genau entstehen soll, verweist Hanna Blumenschein auf die bereits vor Jahren von drei Planungsbüros erstellten Entwürfe. „Wir haben die Konzepte in der Tasche. Jetzt muss es an die Umsetzung gehen“, sagt die Fraktionsvorsitzende. Dabei favorisieren die Grünen Überlegungen, bei denen „nicht alles zubetoniert“ wird. Hanna Blumenschein spricht von Grünflächen und einer Belebung der Gastronomie. „Selbst in jedem kleinsten Dorf im Odenwald gibt es innerörtlich Bereiche, die zum Verweilen im Ort einladen“, sagt Sven Lautenschläger. Hier könne Einhausen seine Attraktivität noch steigern.

Erreicht werden könne das auch durch eine verbesserte Verkehrssituation für Radfahrer. „Vor den Geschäften in der Ortsmitte hat man nur wenige Möglichkeiten, sein Rad sicher abzustellen“, sagt Hanna Blumenschein. Es müsse viel mehr getan werden für schwächere Verkehrsteilnehmer, ergänzt Sven Lautenschläger mit Blick auf umliegende Kommunen, in denen bereits Fahrradstraßen ausgewiesen wurden. Gerade in der Nord-Süd-Achse gebe es keine vernünftige Verbindung für Pedalritter. Vorstellen könnten sich die Grünen daher eine für Radfahrer priorisierte Streckenführung vom neuen Baugebiet Im Knippel bis zum Sportplatz. Zu einer Art Fahrradstraße würden damit die Friedhofstraße, Teile der Hauptstraße, die Schulstraße, die Kirchstraße, die Beethovenstraße und der Blütenweg.

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Dass auf dieser Verbindung auch der geplante vier Meter breite Schulsteg liegt, dessen Bau von den Grünen abgelehnt wird, ist für Hanna Blumenschein kein Widerspruch. „Auch auf einem zweieinhalb Meter breiten Steg kann man mit dem Rad fahren, nur vielleicht etwas langsamer“, sagt sie. Angesichts des dort verlaufenden Schulwegs und des Spielplatzes am Hallenbad sei es ohnehin nicht angebracht, dort kräftig in die Pedale zu treten.

Zunächst keine neuen Baugebiete

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Mit dem Slogan „Sanieren, weniger planieren!“ werben die Grünen in ihrem Flyer für die Priorisierung von innerörtlicher Nachverdichtung bei der Schaffung von Wohnraum. Dass eine dazu von der regionalen Biodiversitätskonferenz erarbeitete Resolution jetzt schon von allen Fraktionen bei der kommenden Sitzung der Gemeindevertretung auf die Tagesordnung gebracht wird, heftet Hanna Blumenschein den Grünen ans Revers. Insgesamt sieht sie jedoch in Einhausen fraktionsübergreifend eine „gute Basis“, um den Flächenverbrauch künftig zu reduzieren. Soll es also erst einmal keine neuen Baugebiete geben? „Ja“, bestätigt Hanna Blumenschein auf Nachfrage. Sven Lautenschläger verweist darauf, dass es innerörtlich noch immer zahlreiche unbebaute Grundstücke gebe. Wichtig sei auch, alte Gebäude zu sanieren, um Leerstände zu vermeiden, ergänzt Hanna Blumenschein. Das auf größere Bereiche der Gemeinde erweiterte Vorkaufsrecht, das vom Ortsparlament beschlossen wurde, soll laut Wahlprogramm der Grünen genutzt werden, um sozialen Wohnungsbau zu verwirklichen.

Verbot von neuen Steingärten

Als „das Original“ sehen sich die Grünen beim Thema Umwelt-, Natur- und Klimaschutz. Hier sei man bestens aufgestellt. Man freue sich aber auch darüber, dass man bei diesem Themenkomplex in Einhausen „mit den anderen Fraktionen gut zusammenarbeiten kann“, so Hanna Blumenschein. Ganz aktuell drängen die Grünen darauf, dass ihr wegen der Corona-Beschränkungen zurückgestellter Antrag zum Verbot von neuen Steingärten jetzt schnell behandelt wird. „Das Frühjahr naht. Und da planen die Menschen ihre Gartengestaltung“, sagt Sven Lautenschläger.

Zweitstärkste Fraktion als Zielsetzung

„Wir wollen auf jeden Fall zweitstärkste Fraktion in der Gemeindevertretung werden“, sagt die Spitzenkandidatin der Einhäuser Grünen, Hanna Blumenschein, mit Blick auf die Kommunalwahl am 14. März. 2016 gewannen die Grünen 6 der 31 Sitze in der Gemeindevertretung, die CDU 16, die SPD 9.

Keine Gedanken habe man sich zu der von dieser Zeitung gestellten Frage gemacht, ob man zusammen mit der SPD den Vorsitz in der Gemeindevertretung beanspruchen möchte, sollte es dafür eine Mehrheit geben. „Es geht uns nicht darum, einen Vorsitzenden zu stellen“, sagt sie. Dennoch hofft man, dass die CDU in der kommenden Legislaturperiode über keine absolute Mehrheit mehr verfügt. Es sei zielführender, „wenn jede Fraktion Überzeugungsarbeit leisten muss, um eine Mehrheit zu finden“, sagt Hanna Blumenschein.

In diesem Sinne wollen die Grünen in der kommenden Legislaturperiode auch die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Helmut Glanzner konstruktiv gestalten. „Wir wollen nicht als Störenfriede gesehen werden“, sagt Hanna Blumenschein mit Blick auf die Kritik, die der Rathauschef im Rahmen seiner Haushaltsrede an den Grünen geäußert hatte. „Da waren wir schon sehr überrascht“, sagt die Fraktionsvorsitzende, die mutmaßt, dass der Rathauschef „politischen Gegenwind bislang nicht gewohnt“ gewesen sei. kel

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Aufgrund der Corona-Pandemie können auch die Grünen nicht an Wahlständen direkt mit den Bür gern ins Gespräch kommen. Orts verbandsvorsitzender Sven Lauten schläger verweist daher auf die Homepage www.gruene-einhau sen.de und die Facebook-Seite

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region