Runder Geburtstag - Jubilarin hat neun Kinder großgezogen / Zur Familie gehören heute auch 15 Enkel, 21 Urenkel und ein Ururenkel Elisabetha Arnold macht die 100 voll

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Jörg Keller
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Elisabetha Arnold feierte am Dienstag ihren 100. Geburtstag: Landrat Christian Engelhardt gratulierte. Bürgermeister Helmut Glanzner und Enkel Andreas Schumacher spielten ein Geburtstagsständchen. © Keller

Einhausen. Als Elisabetha Arnold – damals mit ihrem Mädchennamen Nautz – am 13. August 1919 geboren wurde, hatte Kaiser Wilhelm II. ein dreiviertel Jahr zuvor abgedankt. Mit einem anderen „Kaiser“ drückte sie jedoch vier Jahre lang zusammen die Schulbank. Sie ist der gleiche Jahrgang wie der ehemalige Einhäuser Bürgermeister und Landrat Franz Hartnagel – gerne auch als „Kaiser Franz“ tituliert. Der 2010 verstorbenen Ehrenbürger der Weschnitzgemeinde konnte seinen 100. Geburtstag leider nicht mehr erleben. Elisabetha Arnold hingegen schon. Und das bei – angesichts ihres Alters – bester Gesundheit und geistiger Verfassung.

"Der Landrat haut höchstens auf die Pauke." Landrat Christian ...

"Der Landrat haut höchstens auf die Pauke." Landrat Christian Engelhardt, als ihn Bürgermeister Helmut Glanzner scherzhaft zu einem Trompetensolo aufforderte
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Am Dienstag feierte sie in ihrem Haus in der Kirchgartenstraße ihr großes Jubelfest. Unter den schier unzähligen Besuchern, die seit den Morgenstunden ihre Glückwünsche überbrachten, waren auch die aktuellen Amtsnachfolger von „Kaiser Franz“.

Drei Einhäuser haben das hundertste Lebensjahr erreicht



Elisabetha Arnold ist zwar die älteste Einwohnerin von Einhausen. Zwei Männer in der Weschnitzgemeinde konnten jedoch noch häufiger Geburtstag feiern: Ernst Heuser mit 102 Jahren und Hellmuth Behrendt mit 101 Jahren. Mit Ernst Heuser verbindet die Jubilarin eine langjährige Freundschaft. Der älteste Bewohner des Ortes schaute daher auch persönlich in der Kirchgartenstraße vorbei, um der aus seiner Sicht jungen Dame zu gratulieren und außerdem ein kleines Ständchen zu singen. kel

Ständchen auf der Trompete

Landrat Christian Engelhardt und Bürgermeister Helmut Glanzner gratulierten der 100-Jährigen persönlich. Den Rathauschef kannte sie schon, als dieser noch ein kleiner Junge war. „Mein Mann Heinrich hatte mit seinem Vater damals Theater gespielt“, erklärt sie. Den Bürgermeister und die Jubilarin verbindet bis heute ein inniges Verhältnis. Zum Jubeltag hatte Helmut Glanzner seine Trompete mitgebracht und stimmte zusammen mit dem kommissarischen Musikcorps-Leiter Andreas Schumacher, einer der insgesamt 15 Enkel der Jubilarin, die Geburtstagsklassiker „Happy Birthday“ und „Hoch soll sie leben“ an.

Als der Bürgermeister die Jubilarin dann bei der Verlesung der Glückwunsch-Urkunden des hessischen Ministerpräsidenten und der Gemeinde offiziell mit ihrem Namen Elisabetha Arnold ansprach, musste die alte Dame doch sehr schmunzeln. Von Freunden und Verwandten wird sie seit jeher nur Lisbeth genannt.

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Die Jubilarin war die älteste von sechs Geschwistern, von denen heute nur noch ihre 96-jährige Schwester Anna Wiegand lebt, die natürlich auch zum runden Geburtstag gratulierte. So einige Anekdoten aus ihrer Kindheit sind der heute 100-Jährigen noch gut in Erinnerung. So etwa, dass die Großfamilie nur ein einziges Fahrrad besaß, mit dem ihr Vater täglich zur Arbeit radelte. Abends wartete dann die ganze Kinderschar darauf, den wertvollen Drahtesel benutzen zu dürfen.

Dabei ist Elisabetha Arnold eine waschechte Einhäuserin – zu ihren Kindertagen noch Klein-Häuserin. Seinerzeit bestand die Gemeinde bekanntlich aus zwei eigenständigen Orten. An den Zusammenschluss von Klein- und Groß-Hausen im Jahr 1937 kann sie sich gut erinnern, auch dass es noch Jahre später kritische Stimmen dazu gab. Heute ist die Trennung der Gemeinde längst Geschichte, und die Jubilarin freut das. Sie selbst besucht gerne sowohl Veranstaltungen des katholischen Frauenkreises St. Michael, dessen Mitbegründerin sie ist, in Einhausen Nord als auch die Seniorennachmittage der evangelischen Kirche jenseits der Weschnitz.

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Dass die Einhäuserin zahlreiche Höhen und Tiefen durchlebt hat, erwähnte Helmut Glanzner. 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, heiratete sie ihren ersten Ehemann Anton Schumacher. Das Ehepaar bekam einen Sohn. Ihr Mann fiel in Russland. In der jungen Bundesrepublik arbeitete sie als Näherin, bevor sie Heinrich Arnold kennenlernte, mit dem sie 1958 vor den Altar trat. Der Bahnbeamte und Witwer brachte seinerseits sechs Kinder mit in die Ehe. Zusammen bekam das Paar noch einmal zwei Kinder. Mit dem Haushalt und einer insgesamt neunköpfigen Kinderschar hatte die tüchtige Frau alle Hände voll zu tun. Bis heute entsprangen aus der Familie 15 Enkel, 21 Urenkel und ein Ururenkel. Ihr Mann Heinrich verstarb bereits 1996 – also vor 23 Jahren. Auch zwei Söhne hat sie bereits verloren. „Es gibt eben Gutes und Böses im Leben“, sagt sie.

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Landrat Christian Engelhardt zeigte sich jedenfalls beeindruckt von der großen Familie: „Das ist ein positives Beispiel, wie man alt werden kann“, sagte er. Viele Jubilare in diesem Alter besuche er in Seniorenwohnheimen. Mit der Erfahrung, dass Alkohol dort verboten ist, hatte er auch einen alkoholfreien Prosecco mitgebracht, merkte dann aber schnell: „Vielleicht liege ich heute damit falsch.“ Helmut Glanzner hatte ebenfalls Prickelndes dabei: „Heute trinken wir keinen Sekt, sondern Champagner.“ Außerdem überreichte er zwei Bücher. Denn die Jubilarin liest gerne. „Am liebsten leichte Krimis, aber auch Heimatgeschichte oder gerne auch mal einen Roman über Schlittenhunde in Alaska“, sagt Elisabetha Arnold. Und nicht zu vergessen den „Bergsträßer Anzeiger“, der täglich in ihrem Briefkasten steckt.

Kerzengerade Körperhaltung

Außerdem sind Spielenachmittage eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Regelmäßig besucht sie die Termine im Caritas-Zentrum. Dass sie dabei bis heute mit ihrem Rollator „kerzengerade“ durch den Ort geht, empfindet nicht nur Helmut Glanzner bemerkenswert.

Den Landrat hat es besonders gefreut, dass die damals noch 99-Jährige beim Richtfest zur neuen Mehrzweckhalle als Ehrengast dabei war. Jetzt hofft Christian Engelhardt bereits, die Jubilarin auch bei der Einweihung – vermutlich im Dezember – begrüßen zu können. Elisabetha Arnold würde sich freuen: „Da muss ich die Ohren steif halten. “

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region