Kultur- und Sozialausschuss - Insgesamt sollen 129 neue Betreuungsplätze entstehen / Gebaut wird nahe des Gebiets Im Knippel und in der evangelischen Gemeinde Einstimmig für zwei neue Kitas

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Thomas Tritsch
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Der evangelische Kindergarten in der Martin-Luther-Straße soll einem Neubau mit vier Gruppen weichen. © Funck

Einhausen. Ohne Diskussionen hat der Sport-, Kultur- und Sozialausschusses am Dienstag den Bau von zwei Kindergärten beschlossen. Einstimmig votierten die Mitglieder für den Bau einer viergruppigen Kita durch die Gemeinde in der Nähe des Neubaugebiets Im Knippel. Zusätzlich soll der bestehende Kindergarten in Trägerschaft der evangelischen Kirche durch einen Neubau ersetzt werden. Für die konfessionelle Einrichtung ist eine Vierzügigkeit vorgesehen. Hintergrund der Planung ist der zu erwartende Bedarf an Betreuungsplätzen durch das neue Baugebiet. Auch bei der U3-Betreuung sollen die Kapazitäten wegen prognostizierter steigender Nachfrage dauerhaft größer werden.

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Mit der Erweiterung des Angebots soll dem Rechtsanspruch der Eltern auf eine Betreuung Rechnung getragen werden. Laut Bürgermeister Helmut Glanzner verzeichnet die Gemeinde weiterhin sanft ansteigende Kinderzahlen durch Zuzug und Geburten. Die sei äußerst positiv, erfordere aber auch infrastrukturelle Maßnahmen vor Ort.

Insgesamt sollen durch die beiden Neubauten 129 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Laut einer Berechnung der Gemeinde, die im Ausschuss lobend kommentiert wurde, werden in den kommenden Jahren zwischen 80 bis 118 weitere Plätze benötigt. Allein durch das künftige Gebiet Im Knippel mit bis zu 290 Wohneinheiten könnten absehbar 78 Kinder im relevanten Alter hinzukommen. Als Berechnungsgrundlage dienten die Baugebiete Wilbers I bis III. Dort wurde mit Faktor 0,27 Kinder pro Wohneinheit kalkuliert.

Glanzner bezeichnete das Thema Kinderbetreuung als „wichtiges Element“ für die Gemeinde. Das Grundstück westlich der verlängerten Friedhofstraße habe sich für eine Erschließung angeboten, da es nah des Baugebiets „Knippel“ liegt, es dort aber nicht zur Reduzierung von potenzieller Wohnfläche kommen würde. Der Kreis Bergstraße habe seine Zustimmung für den Standort bereits signalisiert.

Waldpädagogik wäre möglich

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Die kommunale Einrichtung soll vier Gruppen haben. Derzeit sind 87 Plätze vorgesehen, verteilt auf drei altersübergreifende Gruppen von je 25 Kindern und einer Krippe à zwölf Plätze. Weil das Gelände auch für Waldpädagogik geeignet sei, könne bei Bedarf eine fünfte Gruppe mit Natur-Schwerpunkt gebildet werden. Die Öffnungszeiten sollen sich an den Einrichtungen Friedensstraße und Weschnitzwichtel orientieren und von 7 bis 16.30 Uhr reichen.

Die evangelische Kirchengemeinde sei schon vor einigen Monaten an die Gemeinde mit dem Wunsch herangetreten, die Kapazität der Einrichtung von zwei auf vier Gruppen zu erhöhen, heißt es. Allerdings sei bald klar geworden, dass die bestehende Bausubstanz für eine Erweiterung und Sanierung nicht wirtschaftlich und nachhaltig umzusetzen sei. Nun plant man im Rathaus, beide Bauvorhaben zeitlich in einem Aufwasch umzusetzen, um durch eine gemeinsame Ausschreibung und Vergabe an einen einzigen Generalunternehmer Synergien nutzen zu können.

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An beiden Standorten sind U-förmige Baukörper in Holzrahmenbauweise vorgesehen. Die Entwürfe für den Ersatzneubau der Kirche orientieren sich an der kommunalen Planung, kalkulieren aber zusätzlich mit Kosten in Höhe von rund 60 000 Euro für den Anriss des Bestands.

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Laut Glanzner sei aktuell noch unklar, ob mit weiteren Mehrkosten durch eventuelle Schadstoffbelastungen in der Bausubstanz zu rechnen sei. Der Abbruch könnte laut Verwaltungsvorlage nach den Sommerferien 2020 erfolgen, die neue Einrichtung zum Kindergartenjahr 2021/22 in Betrieb gehen. Für den Ersatzneubau sollen etwa Anfang 2020 alle vertraglichen Regelungen mit der Kirchengemeinde besiegelt werden. Ein neuer Bebauungsplan ist nicht notwendig.

Die Flächen für den kommunalen Kindergarten befinden sich im Eigentum der von der Gemeinde beauftragten Hessischen Landgesellschaft, das Bebauungsplanverfahren könnte eingeleitet werden, so der Rathauschef. Glanzner rechnet mit einem Satzungsbeschluss im vierten Quartal 2020. Bis Ende 2021 könnte die Kita dann geöffnet sein.

Laut einer ersten groben Kostenschätzung rechnet man mit Gesamtkosten in Höhe von 3,6 Millionen Euro je Projekt. Bei den Zahlen hat man sich an Kitaneubauten in Lorsch und Zwingenberg orientiert. Im Haushaltsplanentwurf für das kommende Jahr werden 7,2 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt. Die Verwaltung weist darauf hin, dass bei Projekten im Bereich Kinderbetreuung durch verschiedene variable Größen nicht mit präzisen Zahlen kalkuliert werden könne. Für die Baukosten gelte das gleiche.

Finanziert werden sollen die Baumaßnahmen durch Landeszuschüsse in Höhe von jeweils 1,2 Millionen Euro, aus Mitteln des Investitionskostenstrukturausgleichs der Hessischen Landgesellschaft und Investitionsfondsdarlehen in je gleicher Höhe. Die evangelische Kirche wird sich nach Angaben der Gemeinde am Bau der Einrichtung finanziell nicht beteiligen, will aber weiterhin die Trägerschaft nach der Fertigstellung übernehmen.

Nicht leicht: Personal finden

Ein Problem sieht Stefan Grimm von der Gemeinde in der Gewinnung fachlich ausgebildeten Personals für einen vierzügigen Kindergarten. Als unterstützende Maßnahme sind im Stellenplan für 2020 je Einrichtung zwei Anerkennungspraktikanten eingeplant. Die Gemeinde hofft, aus dieser Quelle ausgebildetes Personal schöpfen zu können. „Wir möchten attraktive Arbeitsplätze in attraktiven Einrichtungen“, so Ausschussvorsitzender Reimund Strauch.

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