Feuerwehr - Wie aus dem Fanfarenzug das Musikcorps wurde Ein Orchester mit Auftritten weltweit

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Der Musikzug der Feuerwehr Einhausen präsentierte sich 1978 in seinen neuen Landsknechtuniformen. © Weinbach

Einhausen. „Musik bereichert das Leben und jede Familie, in der sie Eingang findet“, hatte Ehrenkommandant Franz Hartnagel im Festbuch zum 100-jährigen Jubiläum der Feuerwehrmusik in Einhausen im Jahr 2004 geschrieben. „Fetzig, spritzig, feurig“, so lautete der Titel. Der damalige Bürgermeister Philipp Bohrer sagte in seinem Grußwort: „Die schöpferische Kraft, die mit der Musik im Ehrenamt freigesetzt wird, trägt reiche Früchte.“

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Gemeindebrandinspektor Christoph Röll erinnerte an die Anfänge der Feuerwehrmusik: „Die ersten ‚Musiker‘ in den Reihen der Feuerwehr waren Hornisten, also die Signalgeber für die Alarmierung der Feuerwehrleute und für die Befehlsübertragung an den Brandstellen. 1904 trug man bei der Feuerwehr Einhausen der Gepflogenheit Rechnung, den Brandplatz in Marschformation zu verlassen. Es nahmen also zwei Trommler und zwei Spielleute ihre Arbeit auf und gaben ab jetzt beim Marschieren den Takt an.“

Hornisten und Trommler

Ehrenstabführer Adi Schumacher, der 1951 Mitglied der Feuerwehr geworden war und gleichzeitig bei der Wiedergründung der „Kleppergarde“ (Spielmannszug) mitgewirkt hatte, erinnerte sich: „Der damalige 2. Feuerwehrkommandant Franz Hartnagel hat nach dem II. Weltkrieg die ‚Alten‘ Spielleute und uns junge Männer zum ersten Treffen in sein Elternhaus in der Gartenstraße eingeladen.“ Adi Schumacher war von Alois Heßler als Trommler ausgebildet worden.

Heßler war 1904 Mitbegründer und Stabführer des Spielmannszugs. Er habe, sowohl als Feuerwehrmann als auch als Musiker, nach dem Kriegsende immer problemlos zusammengearbeitet mit allen Kommandanten der Feuerwehr. Mit der Ergänzung von Fanfaren im Jahr 1967 formierte die Gruppe zum Spielmanns- und Fanfarenzug.

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Die Ausbildung der Blasinstrumente wurde weiterentwickelt bis zum Musikcorps (1978). Zu den Ausbildern und Dirigenten gehörten die Herren Wolpert, Morweiser und maßgebend für die weitere Entwicklung Ehrendirigent Horst Lautenbach (1977-1999).

Musik macht gute Laune

Danach übernahmen Heike Kaiser, Thorsten Reski, Sven Adelberger, Manfred Köhler, Martin Göbel und Jan Henneberger die musikalische Leitung der Formation. Heute ist es der Lorscher Musiker Jean Diehl. Adi Schumacher machte die Geschichte rund mit einem Lob für Andrea Mizera und Hubert Hahn, die im Jubiläumsjahr 2004 die Verantwortlichen der Musikabteilung waren. Andrea Mizera (Bild) war 1974 in den Spielmanns- und Fanfarenzug aufgenommen worden. Ihr Motto: „Musik versetzt die Menschen in gute Laune und so ist man stets unter fröhlichen Menschen.“ Mizera war ab dem Jahr 2000 Stabführerin und damit Nachfolgerin von Adi Schumacher, Gerhard Gärtner. Bernhard Wüst und Achim Mizera.

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Inzwischen führt Andreas Schumacher die Geschicke der Gruppe. Die Musiker und Musikerinnen erarbeiteten sich durch Presseartikel einen Namen in der Öffentlichkeit. Ihre Auftritte bei Feuerwehr- und Gemeindefesten, Fastnachtsveranstaltungen und in Kirchen, zunächst in Feuerwehr- und später dann in Landsknechtsuniformen, bei Musikreisen in die USA, mit Auftritten bei der traditionellen Steubenparade in New York sind zahlreich. Auch in Kanada, in Frankreich und in Südafrika traten sie auf, wo sie bei einem internationalen Musikwettbewerb den 1. Preis gewannen, in Malaysia und Singapur und sogar am FKK-Strand auf der Insel Sylt.

Beste Chancen für den Nachwuchs

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Ihre Freundschaft mit den Musikern unter anderem der 298th US-Army-Band Berlin und der Shoreview Northern Lights Variety Band, ihre Verbindungen zu bekannten Politikern, zu Verantwortlichen des DFB, darunter der einstige Bundestrainer Sepp Herberger, und bei unzähligen anderen Auftritten im Laufe der Jahrzehnte machten das Musikcorps international bekannt. In die Amtszeit von Andrea Mizera fallen Meilensteine zur Nachwuchsarbeit. So entstanden 2000 eine Blockflötengruppe und ein Jugendorchester. Das Musikcorps arbeitete hierzu mit der Schule an der Weschnitz zusammen und bot den Einhäuser Grundschülern das Erlernen eines Musikinstruments an. Dazu gehören die klassischen Blasinstrumente Trompete, Posaune, Saxofon, Tenorhorn, Tuba, Klarinette, Flöte und Schlagzeug. Als Ausbildungsorchester gegründet wurden 2001 „Golden Start“, 2002 „Speed Storm“ und 2003 startete das Schulorchester „Cilly Minis“. Der freiberufliche Musiklehrer Gregor Gärtner leitete damals den Unterricht und auch die Proben der einzelnen Jugendorchester.

Später übernahm Jean Diehl. Klassik, Pop und Jazz gehören hier zum Ausbildungsprogramm. Ehrenamtliche Mitglieder des Musikcorps und ausgebildete Musiklehrer unterrichten den Nachwuchs in Theorie und Praxis.

Erste öffentliche Auftritte unter anderem beim Heckenfest in Einhausen und an Fastnacht bereiten Spaß, vermittelten ein Erfolgserlebnis und bringen Anerkennung. Gesellschaftliche Aktivitäten sorgen für Abwechslung.

„In einem Orchester erwerben die Kinder musikalische Kompetenz und positive Werte wie Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Teamarbeit, Toleranz, Pflichtgefühl, Verantwortung und Eigenständigkeit“, heißt es in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2004.

Zahlreiche Nachwuchskräfte haben im Laufe der Jahre den Weg ins Musikcorps Einhausen gefunden. Wer Interesse hat, ein Instrument zu spielen, kann sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Einhausen oder direkt bei den Verantwortlichen des Musikcorps melden. ml