Aus der Nachbarschaft - Städtische Mitarbeiter nehmen neuen Standort neben der Kläranlage Mitte März in Betrieb / Stadt investiert rund eine Million Euro Die alte Biogasanlage ist bald der neue Bürstädter Betriebshof

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Corinna Busalt
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Bürstadt. Die Holzwerkstatt wirkt, als könnten die Mitarbeiter des Bürstädter Betriebshofs sofort loslegen. Verkehrsschilder stehen ebenfalls schon fein säuberlich im neuen Regal, im Moment wechselt das Team noch zwischen altem und neuem Standort. Ab Mitte März schwärmen sie nur noch von der früheren Biogasanlage in die Stadt aus. Rund eine Million Euro hat die Stadt in ihren neuen Betriebshof investiert. Über den Kaufpreis wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.

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„Jetzt haben wir die Industrieruine beseitigt und einen ganz modernen Betriebshof“, sagt Bürstadts Bürgermeisterin Bärbel Schader bei einem Rundgang vor Ort. „Dass das Gelände hier noch einmal als Biogasanlage genutzt wird, war doch utopisch. So ist es perfekt: neben der Kläranlage und mit so viel Platz, dass der ZAKB auch seinen Wertstoff hierher verlagern kann.“ Dafür laufe bereits das Bebauungsplanverfahren. „Im Moment geht es noch um Fragen der Erschließung: also die An- und Abfahrt vom Gelände“, erklärt der örtliche Bauamtsleiter Frank Lindemann. Das alte Gelände in der Waldgartenstraße wird als Gewerbefläche verkauft.

Nur noch Rohbau übrig

In der Fahrzeughalle des Betriebshofs wirken Erster Stadtrat Walter Wiedemann (v.l.) und Bürgermeisterin Bärbel Schader beim Rundgang mit Bernd Bildstein und Jürgen Rückert fast ein wenig verloren. © Nix

Die neue Pelletheizung, elektrische Rolltore und Fenster haben den Großteil der Kosten ausgemacht. „Im Grunde stand hier nur noch der Rohbau“, sagt Betriebshof-Leiter Bernd Bildstein. Denn die wertvolle Technik, sogar Stromleitungen und Kupferrohre, hatte der Vorbesitzer verkauft. „Selbst die Heizkörper waren weg. Es gab im gesamten Gebäude nur noch zwei.“ Wo Aggregate in der Wand waren, klafften Löcher. „Das Dach war beschädigt, es regnete herein.“ Schader schüttelt verärgert den Kopf. Ein Anwalt habe sie bei den schwierigen Kaufverhandlungen beraten. „Die Vorbesitzer wollten hier ja einen Gewerbepark machen, obwohl das gar nicht zulässig ist“, erinnert sie sich.

Stolz ist die Rathauschefin, was nun daraus geworden ist. Denn am neuen Standort soll vieles anders werden, darauf legt sie Wert. „Wir machen das jetzt einmal richtig. Das hat etwas mit Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern zu tun.“ Sie hätten lange genug unter schlechten Bedingungen im alten Bauhof arbeiten müssen. Deswegen gebe es nun keine zusammengestückelten Möbel mehr, die irgendwo ausgemustert wurden, sondern eine neue Einrichtung. „Einige Schränke nehmen wir aber schon mit“, sagt Bildstein. Der 62-Jährige leitet das Team des Bauhofs seit 28 Jahren. Der Chef genießt künftig die beste Aussicht: Sein Büro liegt im Obergeschoss, aus der Fensterfront blickt er an der Pilzzucht-Anlage vorbei über die Felder nach Bobstadt. Von der Decke leuchten blendfreie LED-Lampen. Nebenan gibt es sogar einen Schulungsraum – bald mit Beamer und Leinwand. Vieles haben seine Mitarbeiter selbst eingebaut, etwa was Heizung, Dämmung oder Elektrik angeht. „Im August haben wir sechs Leute der Risikogruppe aus dem Tagesgeschäft genommen und hier eingesetzt“, sagt Schader. Wo früher die Schaltzentrale und das Labor der Biogasanlage waren, befinden sich nun Aufenthaltsräume.

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„Jetzt haben wir genug Platz“, sagt Bildstein zufrieden. Im alten Bauhof wurden die Räume notdürftig mit Bauzäunen, umwickelt mit Folie, abgetrennt – wegen des Abstands. Mit den Saisonkräften arbeiten hier 40 Mitarbeiter. Es kommen weitere hinzu: „Zum April stellen wir zwei Straßenbauer ein, die als Trupp losgehen, um Löcher im Asphalt zu füllen“, erklärt Schader. Neu geschaffen wurden außerdem zweieinhalb Stellen für die Stadtgärtnerei zur Pflege von Friedhof und Grünanlagen, und zwei Saisonkräfte arbeiten jetzt das ganze Jahr mit.

„Dass es im Winter ruhiger war, und wir Zeit für Reparaturen hatten, ist vorbei“, sagt Stadtgärtnerei-Chef Jürgen Rückert. „Mittlerweile ist das ganze Jahr über viel Betrieb. Gleichbleibend.“ Seit 1984 ist er dabei, seit 1998 als Leiter. Rückert zieht mit seinem Team ins Erdgeschoss und weiß schon genau, wo sein Zeichentisch stehen wird. Dann schweift sein Blick nach draußen. „Entlang der Straße mussten wir die Weiden fällen, sie waren gefault. Dort pflanzen wir wunderschöne Zierkirschen – das wird wie eine Allee.“ Parkplätze für Autos und Fahrräder gibt es vor der Tür.

Die alten Gärtanks sind nutzlos

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Einige Kollegen seien dennoch skeptisch, gibt Bildstein zu. Die meisten hätten bald einen weiteren Weg zum Arbeitsplatz. Aber er ist überzeugt, dass sich alle wohlfühlen werden am neuen Standort. Immerhin habe er den Betriebshof der Zukunft mit allen zusammen geplant.

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Die Modernisierung am Standort in der Waldgartenstraße wäre nicht wirtschaftlich gewesen, das hatte die Stadt prüfen lassen. „Das Gebäude mit den Hallen hat die Stadt vor rund 40 Jahren von 3K-Möbel übernommen“, berichtet Bildstein am alten Bauhof. „Damals gab es hier außenrum nichts, man konnte bis zum Schützenhaus gucken.“ Die neuen Hallen seien jedoch nicht größer als die alten. „Deshalb arbeiten wir mit Hochregalen und sortieren unser Material bis zu fünf Meter hoch ein.“ Die Gesamtfläche aber ist deutlich umfangreicher: Statt 10 500 hat der Betriebshof nun 25 500 Quadratmeter. Und der neue Mulchplatz werde fast 2000 Quadratmeter größer.

Gold wert sei vor allem die Freilufthalle, meint Bildstein. Darin stehen schon die Weihnachtsmarkt-Buden. In den Betonboxen, wo früher Maissilage fürs Biogas lagerte, liegt Schüttgut: Steine und Kies. Das Transportfahrzeug der Feuerwehr wird ebenfalls hier untergestellt, denn es wird ab und zu auch vom Betriebshof genutzt. Nicht angerührt wurden bislang die großen runden Gärtanks. „Sie sind betoniert und mit Aluminium verkleidet. Wir können sie nicht nutzen“, sagt Bildstein. Für einen Abriss bräuchte es wieder einen politischen Beschluss. Eine Fertighalle werde noch aufgestellt zum Abspritzen der Fahrzeuge.

Redaktion Redakteurin des Südhessen Morgen und zuständig für die Ausgabe Bürstadt/Biblis