Bauausschuss - Machbarkeitsstudie vorgestellt Bürgerhaus: Umbau besser als Neubau

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Thomas Tritsch
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Architektin Gudrun Dillig-Raab und Ausschussvorsitzender Florian Schumacher informierten im Bauausschuss über die Planung für das Bürgerhaus. © Zelinger

Einhausen. Die Zeichen stehen auf Sanierung: Bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Bürgerhauses betonte Architektin Gudrun Dillig-Raab, dass ein An- und Umbau des Bestandsgebäudes unterm Strich die günstigere Variante darstellt. Den Kostenunterschied bezifferte sie auf rund 1,6 Millionen Euro. Ein weiterer Vorteil sei die zentrale Lage, die zu einer dauerhaften Belebung des Ortskerns beitrage.

Sanierung ist günstiger

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Im Gegensatz zu einer Sanierung für rund 4,9 Millionen Euro brutto schlage ein Neubau „auf der grünen Wiese“ mit mindestens 6,5 Millionen Euro zu Buche. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, die man ausführlich abgewogen habe, so die Planerin bei einer Sondersitzung des Bau-, Umwelt- und Gemeindeentwicklungsausschusses am Dienstagabend.

Das Objekt des Interesses war gleichzeitig auch der Tagungsort. Neben den Mitgliedern des Gremiums hörten auch einige Bürger den Ausführungen der Architektin zu, die sich eindeutig für den Erhalt der Immobilie aussprach.

Im Ausschuss schloss man sich diesem Vorschlag weitestgehend an. Ausschlaggebend waren letztlich die geringeren Investitionskosten und die prominente Lage des Gebäudes, dessen Erneuerung das nächste Großprojekt für die Gemeinde werden dürfte. Eine Grundsatzentscheidung der Gemeindevertretung soll noch in diesem Jahr fallen, um in 2021 mit der Maßnahme starten zu können. Nach der Sommerpause soll auch das Feedback der Vereine auf dem Tisch liegen. Ein Zeitrahmen, der nicht zuletzt aufgrund der winkenden Fördermittel sinnvoll erscheint, wie Bürgermeister Helmut Glanzner betont.

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Aus dem „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ von Bund und Land Hessen könnten etwa zwei Drittel der Kosten gedeckt werden, so der Rathauschef. Das Programm richtet sich an quartiersbezogene Bauprojekte, die den sozialen Zusammenhalt und die Integration vor Ort unterstützen und nachhaltig stärken sollen.

Voraussetzung ist ein nachvollziehbar dargestellter Integrationsbedarf sowie ein bereits vorliegendes integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, eine städtebauliche Gesamtstrategie oder ein vergleichbares Rahmenkonzept der Kommune, wie es aus Wiesbaden heißt. Eine 90-prozentige Förderung, die das Programm maximal vorsieht, sei allerdings aufgrund des zeitlichen Rahmens und der bereits zugesagten Förderprojekte nicht zu erwarten.

Schadstoffe im Gebäude?

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Glanzner räumte aber auch ein, dass im Gegensatz zu einem Neubau eine Sanierung immer auch Unsicherheitsfaktoren bedeute: Man könne beispielsweise nicht wissen, ob und wenn ja, welche Art Schadstoffe sich in dem Gebäude befinden. An einem speziellen Gutachten und einer Entsorgung der Stoffe komme man dann nicht vorbei, so auch Gudrun Dillig-Raab. Der finanzielle Mehraufwand halte sich aber in Grenzen: „Davon wird das Projekt nicht gleich um eine Million teurer.“

Über 1200 Veranstaltungen im Jahr

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Im direkten Vergleich zu einem Neubau nannte die Fachfrau weitere Argumente. So werde das bestehende Bürgerhaus von den lokalen Vereinen sehr gut genutzt. Im Jahr 2018 fanden hier 1217 einzelne Veranstaltungen statt. Eine hohe Belegungsintensität, die man bei einem Projekt abseits des Ortskerns nicht unbedingt erwarten könne. Zusätzliche Vorteile: eine kürzere Umbauzeit und keine Suche nach einem Bauplatz.

Größter Nachteil an der Friedensstraße sind die wenigen Stellplätze, die den tatsächlichen Bedarf kaum abdecken könnten. Eine Situation, die man durch eine Einbahnstraßenregelung zumindest etwas abmildern könne, so die Architektin. Schräge Parkbuchten, die in einem Winkel von 75 Grad zur Fahrbahn angeordnet sind, könnten den Engpass etwas abmildern, aber nicht zeitnah beheben. Hier seien in Zukunft weitere Maßnahmen erforderlich, etwa der Zukauf von Grundstücken in der Nähe des Bürgerhauses. Ob das realistisch ist, bezweifelten einige Zuhörer, die am Dienstag dabei waren.

Eingangsbereich ebenerdig

Die grundsätzliche Raumaufteilung der früheren Tabakfabrik, die seit über 50 Jahren als Bürgerhaus genutzt wird, kommentiert die Planerin als gut, aber ausbaufähig. Vor allem der Foyer-Bereich sei besser nutzbar und biete in seiner bisherigen Gestaltung kaum Aufenthaltsqualität. Im Zuge einer Sanierung könne die ursprüngliche Kubatur erhalten und ein Anbau im östlichen Bereich angefügt werden, der mehr Raum und Licht bietet. Der Eingangsbereich würde ebenerdig umgebaut werden.

Der Saal im Erdgeschoss soll weiterhin bis zu 300 Personen Platz bieten und einen direkten Zugang zum Vorraum haben. Die Bühne könne nach Angaben der Architektin vergrößert werden. Vor allem in den oberen Etagen sind Maßnahmen für Brandschutz und Barrierefreiheit notwendig. Ein Aufzug sowie äußere Feuertreppen als Fluchtwege auf mehreren Seiten sind angedacht. Die Hausmeisterwohnung soll modernisiert werden, die Gruppenräume blieben erhalten.

Im Keller sollen weiter die Vereine ihr Domizil haben. Ein eigener Zugang wäre sinnvoll, so Dillig-Raab. Neben Lagern könnte ein zusätzlicher Abstellraum eingerichtet werden. Eine Modernisierung von WC-Anlagen, Küche und Heizung sei ohnehin zwingend erforderlich.

Die Machbarkeitsstudie dient als erste konzeptuelle Idee, die eine intelligente Nutzung des Gebäudes bei moderaten Eingriffen in die Bausubstanz ermöglichen soll. Als Aufwertung am Standort sei eine Sanierung in vielerlei Hinsicht attraktiv, so der Konsens im Gremium. Ausschussvorsitzender Florian Schumacher kündigte an, die Vorschläge nun in den Fraktionen zu besprechen und dabei auch den Dialog mit den Vereinen zu suchen. Ein Neubau dürfte, wenig überraschend, vom Tisch sein.

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