Bauausschuss - Planungsbüro empfiehlt, das Mauerwerk über der Kellerdecke abzureißen und im Anschluss wiederherzustellen / Fördergelder sollen auf Grundlage dieser Variante beantragt werden Bürgerhaus-Sanierung mit neuem Rohbau

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Jörg Keller
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Um bei der Sanierung des Bürgerhauses die energetischen Ziele zu erreichen und den Saal ohne Stützpfeiler erweitern zu können, sollen die Außenmauern oberhalb des in Naturstein gefassten Kellergeschosses komplett abgetragen und als Rohbau wieder hergestellt werden. © Keller

Einhausen. Das Bürgerhaus soll am bestehenden Standort in der Friedensstraße saniert und erweitert werden. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte die Gemeindevertretung im vergangenen Herbst gefasst. Die Sanierung könnte jetzt jedoch weitaus grundlegender ausfallen als bislang gedacht. Um die von der Gemeinde geplanten weitreichenden Vorgaben zur Energiebilanz und zur Vergrößerung des Saals umsetzen zu können, empfiehlt Professor Eric Brehm vom Bensheimer Büro Brehm Bauconsult, das bestehende Gebäude bis auf die vorhandene Kellerdecke vollständig abzutragen und im Anschluss mit neuem Mauerwerk neu aufzubauen. Der Bau-, Umwelt- und Gemeindeentwicklungsausschuss (BUG) befürwortete bei seiner Beratung am Donnerstagabend mit den Stimmen von CDU und SPD, die Variante weiterzuverfolgen. Michael Reeg (Grüne) enthielt sich. Am 16. Februar wird die Gemeindevertretung bei ihrer letzten Sitzung in dieser Legislaturperiode darüber abstimmen.

Nur eine grobe Marschrichtung

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Festgelegt wird dabei jedoch erst einmal nur eine grobe Marschrichtung. Diese grundlegende Planung wird benötigt, um die Fördergelder für das Großprojekt beantragen zu können. Das müsse in den nächsten Monaten geschehen, um nicht am Ende Zuschüsse zu verlieren, machte Bürgermeister Helmut Glanzner deutlich.

Im Rathaus hofft man, bis zu 90 Prozent der Kosten über Fördermittel finanzieren zu können. Geld könnte dabei laut einem Sachstandsbericht des Rathauschefs aus dem vergangenen Herbst nicht nur aus dem Stadtumbau-Programm fließen, sondern auch aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“.

Eine abschließende Entscheidung zur Ausführung der Sanierung werde jetzt noch nicht gefasst, betonte Helmut Glanzner am Donnerstag. Noch befindet man sich nach Angaben der Verwaltung nicht einmal in der Phase der Vorplanung. Detaillierte Aussagen zu den Kosten der einzelnen Varianten könnten daher aktuell nicht gemacht werden, erläuterten Planer und Verwaltung unisono. Michael Reeg hatte für die Grünen bei der Sitzung des BUG beantragt, die Entscheidung zu vertagen, bis genauere Kostenschätzungen vorliegen. CDU und SPD stimmten dagegen.

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Was Eric Brehm beziffern konnte, waren die zu erwartenden Mehrkosten, die durch einen Abbruch und Neuaufbau des Mauerwerks gegenüber einer Kernsanierung entstehen werden. Insgesamt handelt es sich um 52 000 Euro. Bei der Berechnung war der Planer davon ausgegangen, dass das Dach, die Fenster, die Fassade und die Decke über dem Saal ohnehin erneuert oder ersetzt werden müssen. Brehm bewertete den Mehraufwand als „überschaubar“. Wenn man den Zusatzaufwand unter anderem für eine energetische Aufwertung der bestehenden Bausubstanz und eine Entfernung des Putzes mit einberechne, könnte das neue Mauerwerk sogar günstiger kommen. Zusätzlich werde bei dieser Variante die Gefahr minimiert, dass während der Sanierungsphase unangenehme „Überraschungen“ zutage kommen, die das ganze Projekt noch einmal erheblich verteuern könnten.

Durch den Neuaufbau des Mauerwerks können nach Angaben von Eric Brehm auch die „hohen energetischen Ziele“ erreicht werden, die sich die Einhäuser Kommunalpolitiker für die Sanierung der ehemaligen Tabakfabrik gesetzt haben. Beim Grundsatzbeschluss der Gemeindevertretung im vergangenen Herbst wurde auf Antrag der SPD der Wunsch nach „Klimaneutralität“ des Gebäudes aufgenommen.

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Sinnvoll sind die neuen Außenwände jedoch nach Einschätzung des Planungsbüros auch, um die Vorstellungen der Gemeinde zur Erweiterung des Gebäudes umzusetzen. Der Vorentwurf sieht vor, die östliche Außenwand des Gebäudes im Bereich des großen Saals im Erdgeschoss zu öffnen. Der Veranstaltungsbereich soll auf diese Weise von aktuell 213 Quadratmetern um rund ein Viertel der Fläche auf rund 265 Quadratmeter vergrößert werden. Doch das ist statisch gar nicht so einfach umsetzbar. Soll die vorhandene Holzbalkendecke erhalten bleiben, müssten Stützpfeiler eingezogen werden, die sich letztlich negativ auf die Nutzbarkeit des Raums auswirken würden. Nachträglich in den bestehenden Rohbau eine selbsttragende Stahlbetonhohldecke einzuziehen, wäre nach Auffassung von Eric Brehm „technisch sehr schwierig und aufwendig“.

„Keine Tonnen an Asbest“

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Weitgehend aufatmen kann man bei der Gemeinde beim Blick auf die Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung, die dem BUG jetzt ebenfalls vorlagen. Durch das Büro Sakostacau aus Dreieich wurden dabei „verschiedenartige Schadstoffquellen“ identifiziert, die im Zuge einer Sanierungsmaßnahme entfernt werden müssen. So etwa die Dacheindeckung, ein Lüftungskanal, Fensterbänke, Heizkörperverblendungen und Toilettentrennwände aus Asbestzement oder Brandschutztüren mit Asbesteinlagen. Die geschätzten Kosten für die Entsorgung belaufen sich auf 56 000 Euro.

Nach Einschätzung von Aussschussvorsitzendem Florian Schumacher hat die Gemeinde bei dieser Frage jetzt zumindest Kostensicherheit. „Wir müssen nicht befürchten, dass da am Ende tonnenweise Asbest zum Vorschein kommt“, sagte er. Nach einem Beschluss der Gemeindevertretung will die Gemeinde die eingeplanten Fördermittel beantragen. Erst, wenn diese genehmigt seien, gehe die Planung weiter, sagte Bürgermeister Helmut Glanzner. „Wir können dann noch immer Stopp sagen, wenn sich die Kosten bei einer genaueren Berechnung als zu hoch herausstellen“, betonte Uwe Stellmann (CDU).

Die Bauarbeiten werden frühestens im Jahr 2022 beginnen und dürften zwei Jahre dauern, erklärt Bürgermeister Helmut Glanzner auf Nachfrage dieser Zeitung.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region