Gemeindeverwaltung - Die Ausbauarbeiten sind nach acht Monaten fast abgeschlossen Ab Mitte Mai geht’s unters Rathausdach

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Jörg Keller
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Viel Platz unterm Dach: Insgesamt 300 Quadratmeter stehen im neuen Obergeschoss des Rathauses für Büro- und Serverräume zur Verfügung. Ab Mitte Mai soll der Umzug erfolgen. © Zelinger

Einhausen. Stefan Grimm hat den Zollstock gezückt und nimmt Maß. In wenigen Wochen sollen der Leiter der Personal-, EDV- und Organisationsabteilung der Gemeindeverwaltung und sein Team vom zweiten Stock unters Rathausdach umziehen. Seit September sind hier die Handwerker zugange, um die bislang leerstehende Fläche nutzbar zu machen. Beim Ortsbesuch am Mittwoch fehlten noch der Vinylboden, die Türen und die Beleuchtung. Im Treppenhaus führen die Stahl-Seitenelemente bis nach oben, die Stufen sollen folgen. Dafür fährt jedoch bereits der neue Aufzug bis ins zusätzliche Stockwerk. Als Fluchtweg muss derzeit noch die hölzerne Notgaube über das Außengerüst herhalten. Über diese hatten schon die Handwerker in den vergangenen Monaten Zugang zu ihrer Arbeitsstelle. Sie soll wieder verschlossen werden, sobald die Treppe im Rathaus-Inneren zur Verfügung steht.

Neuer Aufzug funktioniert bereits



Eine freundliche weibliche Stimme weist darauf hin, dass es jetzt in den dritten Stock geht. Bis unters Dach fährt jetzt der neue Aufzug, der in der vergangenen Woche in Betrieb genommen wurde.

Beim Umbau des Rathauses hatte man sich seinerzeit aus Kostengründen dafür entschieden, den damals neuen Fahrstuhl nur bis in den zweiten Stock fahren zu lassen. Ein Umbau der vorhandenen Anlage sei jetzt aufgrund „neuer technischer Vorschriften“ nicht möglich gewesen, erläutert Bürgermeister Helmut Glanzner. Der Aufzug bis ganz nach oben sei jedoch eine Voraussetzung gewesen, um für die Maßnahme Fördermittel aus den Stadtumbauprogramm zu erhalten. Dort werde auf einen barrierefreien Zugang bestanden. Und das nicht nur für in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürger. Für sehbehinderte Besucher des Rathauses sind die Tasten mit der Blindenschrift Braille versehen. Eine akustische Bestätigung, wohin der Aufzug fährt, gibt es dann noch einmal durch die sanfte Stimme aus den Lautsprechern. kel

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Rund 300 Quadratmeter zusätzliche Fläche steht der Gemeindeverwaltung künftig zur Verfügung, aufgeteilt in einen großen und mehrere kleinere Räume. Hier sollen neben der aktuell aus drei Personen bestehenden Personal-, EDV- und Organisationsabteilung auch die Hausmeister und eventuell die beiden Hilfspolizisten des Ordnungsamtes untergebracht werden, erklärt Bürgermeister Helmut Glanzner beim Ortstermin. Außerdem wird der Serverraum als Herzstück der EDV-Anlage im Rathaus unters Dach verlegt. Um die Verwaltung während der Dienstzeiten nicht lahmzulegen, werde der Umzug der Technik voraussichtlich an einem Wochenende erfolgen, erläutert Helmut Glanzner.

Neuer Ausblick über Einhausen

Über mehrere Dachflächenfenster und eine in eine langgestreckte Gaube eingebaute Fensterfront fällt Sonnenlicht in die Büros. Von dem größten Zimmer aus bietet sich ein ungewohnter Ausblick über die Dächer von Einhausen.

Eigentlich wäre das auch eine geeignete, wie schicke Örtlichkeit für einen kleinen Sitzungssaal im Rathaus gewesen. Doch diese ursprüngliche Planung konnte nicht verwirklicht werden. Um den Brandschutzanforderungen gerecht zu werden, dürfen sich nämlich nur bis zu acht Personen im Dachgeschoss aufhalten. Alternativ hätte ein zweiter Fluchtweg über eine Außentreppe geschaffen werden müssen. Doch das überstieg das Budget der Gemeinde. „Aber natürlich können künftig auch Besucher im obersten Stockwerk empfangen werden“, stellt der Bürgermeister klar. Die Hausmeister und Hilfspolizisten seien ohnehin häufig unterwegs. Die maximal erlaubte Personenzahl werde daher nicht überschritten.

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Ein Sitzungszimmer soll nach dem Umzug im aktuellen Büro der Personal-, EDV- und Organisationsabteilung im zweiten Stock des Rathauses eingerichtet werden. Der Raum ist zwar ein wenig kleiner, für Ausschusssitzungen beispielsweise aber noch immer gut geeignet, ist sich der der Bürgermeister sicher.

Der im Haushaltsplan bereitgestellte Kostenrahmen für die Umbaumaßnahme in Höhe von 660 000 Euro werde eingehalten, betont der Rathauschef. Darin enthalten seien auch die Ausgaben für den neuen Aufzug (rund 100 000 Euro) und die Kompletterneuerung der sanitären Anlagen im Verwaltungssitz. Unter anderem wurden die noch aus den 70er Jahren stammenden Wasser- und Abwasserrohre ausgetauscht.

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Von den Gesamtkosten muss die Gemeinde 264 000 Euro selbst aufbringen. Die Baumaßnahme wird nach Angaben der Verwaltung nämlich zu 60 Prozent durch das Stadtumbau-Förderprogramm finanziert. 396 000 Euro fließen also als Zuschuss nach Einhausen.

Gewaltiger Betonklotz

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Dass sich die Baumaßnahmen jetzt über acht Monate hingezogen haben, hing nach Angaben von Bauamtsleiterin Heike Kaiser mit einigen durchaus aufwendigen Gewerken zusammen. So musste nicht nur das Dach für die langgezogene Gaube geöffnet werden, sondern es musste außerdem ein gewaltiger Betonklotz, der in früheren Zeiten auf dem Flachdach die Lüftung des Rathauses beherbergte, entfernt werden.

Bei der Entscheidung im Jahr 2006, auf das seinerzeit ständig undichte Flachdach des Verwaltungssitzes ein Pyramidendach aufzusetzen, hatte die Gemeinde auf einen Ausbau bewusst verzichtet. Zumindest wurde mit einem 1,10 Meter hohen Stahlbetondrempel das Pyramidendach soweit angehoben, dass der jetzt vollzogene nachträgliche Umbau überhaupt erst möglich wurde. Die dafür notwendige Zusatzausgabe von 9000 Euro war vor 14 Jahren politisch umstritten.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region