Freundeskreis - Bürger der ungarischen Partnerstadt bedanken sich für Bensheimer Hilfsbereitschaft Zwillinge aus Mohács sind wohlauf

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mül
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Bensheim/Mohács. Der Hilferuf erreichte die Bensheimer Mohács-Freunde Anfang November des vergangenen Jahres. Der Mohácser Kulturattaché Gyuri Lehel richtete eine Bitte an seine Bensheimer Freunde, wenn möglich Babykleidung zu sammeln, da ein junges, mittelloses Ehepaar in Mohács im Dezember Zwillinge erwarte, das nötige Geld für eine Erstausstattung an Babykleidung und Utensilien des täglichen Bedarfs aber fehle.

Szimonetta (links) und Leonetta, die beiden Ende November geborenen Mohácser Zwillingsmädchen, sind wohlauf und konnten dieser Tage aus dem Krankenhaus entlassen werden und zu ihrer Familie zurückkehren. Der deutsch-ungarische Freundeskreis hat die Familie, die mittellos ist, unterstützt und mit einer Baby-Erstausstattung versorgt. © Freundeskreis
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Der deutsch-ungarische Freundeskreis wurde sofort aktiv, und nachdem die Bitte an die Mitglieder weitergegeben wurde, machte sich eine Welle der Hilfsbereitschaft breit, so dass die Ausstattung für zwei Babys mehr als erreicht wurde.

Ursprünglich war geplant, die Ausstattung bei der traditionellen Nikolausfahrt in Bensheims ungarische Partnerstadt mitzunehmen. Aber auch hier machte Corona ein Strich durch die Rechnung. So wurden insgesamt 23 Kilogramm an Babykleidung und wichtigen Utensilien mit der Post nach Mohács geschickt. Zum Glück rechtzeitig, denn die beiden Mädchen kamen früher als erwartet, dann schon im November.

Ein großes Dankeschön

Zwar mussten die beiden neuen Erdenbürger noch etwas länger als geplant im Krankenhaus bleiben, doch jetzt sind Szimonetta und Leonetta wohlauf, ebenso ihre Mutter, die dem Freundeskreis dieser Tage ein Bild ihrer beiden Töchter zukommen ließ – mit einem großen Dankeschön an alle Bensheimer, die Babykleidung gesammelt haben.

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Ebenfalls ein großes Dankeschön kam von Familie Erös aus Mohács, die eine mehrfach schwerstbehinderte neunjährige Tochter hat und die Kosten für Medikamente und Krankenhausaufenthalte nicht aufbringen kann. Der Freundeskreis und der Bensheimer Unternehmer Werner Schilling haben in der Vergangenheit schon mehrfach Geld gespendet, ebenso die Heppenheimer St. Vinzenz-Stiftung. Jetzt hat das Lorscher Ehepaar Monika und Seppl Diehl, das Mitglied im Freundeskreis ist, ebenfalls großzügig gespendet, so dass die Versorgung des Kindes für die nächsten Monate gesichert ist. Die Mutter, Tiborné Erös, schrieb einen großen Brief und bedankte sich ganz herzlich für die Spenden, weil sie jetzt „wieder Licht am Ende des Tunnels“ sehe.

Dankschreiben kamen auch aus den drei deutschsprachigen Mohácser Kindergärten Park, Rókus und Szölöhegy, die heuer zum 21. Mal mit Geschenken bedacht wurden. Normalerweise fährt eine kleine Bensheimer Delegation in die Partnerstadt und übergibt Geschenke, Spielsachen, Schokoladennikoläuse und eine Geldspende für den jeweiligen Kindergarten. Auch dies war wegen Corona nicht möglich, so dass das Geld an das Rathaus in Mohács überwiesen wurde. Vizebürgermeister Áron Cserdi übergab im Auftrag des Bensheimer Freundeskreises die Spenden an die Kindergärten.

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Auch der Mohácser Ruderverein, der zweitälteste in Ungarn, wurde dieses Mal mit einer Spende bedacht, um bei der Beschaffung eines Donau-Pontons zu helfen. Damit kann die erfolgreiche Arbeit des Vereins, der schon an zwei Olympischen Spielen und sieben Weltmeisterschaften teilgenommen hat, fortgeführt werden. Der Abteilungsleiter des Vereins, József Matheisz, bedankte sich ebenfalls und schrieb: „Ohne die Bensheimer Hilfe könnte das Training nur sehr eingeschränkt stattfinden“.

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Das Alten- und Behindertenheim Pándy Kálmán, das Jahr für Jahr finanziell und mit Sachspenden unterstützt wird, war ebenfalls sehr dankbar über die Unterstützung. Die Leiterin Kati Kolutácz schrieb: „Wir waren sehr froh, dass auch in dieser sehr schwierigen Zeit daran gedacht wurde, uns zu helfen. Mit dem Geld haben wir deutsche Schokolade für unsere Heimbewohner gekauft, die sich an Weihnachten darüber sehr gefreut haben.“

Weiter schreibt sie: „Wir fürchten und schützen unsere Bewohner und Familienmitglieder vor der Virusinfektion. Wir versuchen die Hygieneregeln einzuhalten, um Infektionen zu verhindern. Wir warten sehnsüchtig auf die Impfung und hoffen, dass wir bald wieder so leben können wie früher“.

Die Impfungen sind inzwischen erfolgt, wie der Mohácser Vizebürgermeister Áron Cserdi jetzt mitteilte. Zunächst wurden alle Ärzte, Krankenschwestern sowie das Pflegepersonal und die Alten- und das Behindertenheim in Mohács versorgt. Theoretisch könnte man auch den Impfstoff aus Russland und aus China bekommen, so Cserdi, davon möchte aber kein Mohácser Gebrauch machen.

Strenger Lockdown

Auch in Mohács gilt der strenge Lockdown. Das Ausgangsverbot von 20 Uhr bis sechs Uhr in der Früh besteht nach wie vor. Die Supermärkte öffnen um 7 Uhr und schließen bereits um 19 Uhr, damit kein Bürger sagen könne, er wolle nach 19 Uhr noch einkaufen gehen. Die Kindergärten sind geöffnet, in den Schulen findet bis zu den 6. Klassen Präsenzunterricht statt, in den höheren Klassen des Gymnasiums und der Realschulen ist „Homeschooling“ und Distanzunterricht an der Tagesordnung.

Trotz Corona fand aber in Mohács am vergangenen Freitag, 22. Januar, im städtischen Weinberg eine Segnung statt. Zwar mit Mundschutz und in genügendem Abstand traf sich eine städtische Abordnung mit Winzern und dem Pfarrer Lászlo Bacsmai, um am Vinzenztag die Weinberge zu segnen.

Der auch als Vincentius von Valencia benannte Heilige war der Legende nach Diakon des Bischofs Valerius von Valencia in Spanien. Gedenktag ist der 22. Januar. Vinzenz wird zumeist mit einer Weintraube in der Hand abgebildet und ist Schutzpatron der Winzer. Und so heißt es auch, nicht nur in Ungarn, sondern auch im Burgund: St. Vinzenz Sonnenschein, der bringt dem Winzer guten Wein“. mül