Musiktheater - Die „Flower Power Men“ bringen den Sound der 60er Jahre ins Rex / Von den Beatles über die Stones bis Bob Marley reicht die Palette Zwei Gitarren, eine Stimme, viel Applaus

Von 
Thomas Wilken
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Die „Flower Power Men“ Rainer Schindler (re.) und Adax Dörsam begeisterten bei ihrem Auftritt im Rex. © Funck

Bensheim. Gleich mit dem ersten Song haben die beiden ihr Publikum fest im Griff. Da entführen die „Flower Power Men“ im Rex nach „San Francisco“ und bringen mit sattem Sound das Lebensgefühl der 60er Jahre nach Deutschland. Rainer Schindler und Adax Dörsam können bei ihrer Zeitreise auf ihre begeisterten Passagiere zählen, die das Duo bereits bejubeln, ohne dass es überhaupt einen Ton gespielt hat.

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Davon gibt es dann mehr als genug. Weit über zwei Stunden bieten der Mainzer und der Mörlenbacher die bekanntesten Hits aus einem Jahrzehnt, so dass gerade die Älteren selig in Erinnerungen schwelgen und die (wenigen) Jüngeren eintauchen in Musik ohne Schnörkel und Schnickschnack, die pur und ungefiltert aus den Boxen kommt.

Rainer Schindler lebt die 60er. Enthusiastisch lässt er die Besucher an den Zeitläufen teilhaben, flechtet eigene Erinnerungen mit ein, stellt die großen Zusammenhänge heraus. Die verschiedenen Stellwände legen ein beredtes Zeugnis davon ab, welcher Umbruch sich in diesen doch wenigen Jahren ereignete. Mauerbau und Mondlandung sind nur zwei davon. Von den Beatles über die Stones bis hin zu Deep Purple wandelte sich die Musik grundlegend.

Anders ist an diesem Abend auch der Saalaufbau. Vor der Bühne stehen viele Biertischgarnituren. Stehtische weiter hinten runden die gemütliche Atmosphäre ab, die so gar nichts mit dem „normalen“ Rockkonzert zu tun hat. Auf der Bühne rocken die „Flower Power Men“ allerdings kräftig los.

Rainer Schindler lebt seinen Traum

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Sind zuerst die Beatles mit einem großen Medley dran, so widmen sich Schindler und Dörsam zur Freude der Fans danach ausgiebig den Stones, um danach Pink Floyds Klassiker „Wish you were here“ zu zelebrieren. Das alles wohlgemerkt immer nur als Duo mit zwei Gitarren und einer Stimme.

Mastermind hinter dem Projekt ist Rainer Schindler, der hier seinen Traum lebt. Er und Dörsam kennen sich bereits seit über 35 Jahren, hatten früher ein gemeinsames Projekt, das dann aber aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht weitergeführt werden konnte, erzählt der Odenwälder. 2006 passte es aber dann und die Geburtsstunde der „Flower Power Men“ mit dem „e“ schlug. Als einzelner „Man“ ist Schindler darüber hinaus auch noch unterwegs.

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Inzwischen ist die Reminiszenz an die 60er Jahre für Dörsam mit 40 Auftritten im Jahr ein wesentlicher Teil seines breiten musikalischen Spektrums geworden. 150 Mal steht er ungefähr jährlich auf der Bühne, schätzt der Tausendsassa.

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Das reicht dann von „3D“ (für drei Dörsams) mit seinen beiden Brüdern im Klassik-Gerne bis hin zur Unterstützung von Alex Auers „Detroit Blackbirds“, die in Richtung (Hard-)Rock gehen.

„Eloise“ von Paul Ryan nennt Adax Dörsam als Initialzündung für sein musikalisches Schaffen. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich es spiele.“ Die Mischung aus Klassik und Rock mit „riesen Range“ ist eigentlich für zwei Leute nicht machbar. „Aber wir haben das super umgesetzt“, schmunzelt er. Wie überhaupt etliche Songs ein ganz eigenes Arrangement bekommen haben.

„Eigentlich nicht der Covertyp“

„Eigentlich bin ich nicht der Covertyp“, bekennt der Mörlenbacher. Mit der Krautrockband „Goldfink“ sammelte er in den 70ern erste musikalische Erfahrungen. „Ton, Steine, Scherben“ nennt er als damalige Vorbilder. Mit Schindler zusammen „kann ich jetzt die Stücke spielen, mit denen ich aufgewachsen bin“, freut er sich. Und nicht nur er. Als Stones-Fan, dem die Beatles „zu soft“ waren, eifert er kräftig Keith Richards nach.

Bee Gees, Beach Boys, Bob Marley: Die beiden haben erkennbar viel Spaß an der Sache. Der Fundus des Duos ist schier unerschöpflich. „Wir haben mehrere hundert Stücke im Repertoire“, lacht Dörsam. Da kann es dann auch mal passieren, dass die Setliste kurzerhand über den Haufen geworfen wird.

Mit Echo und Delays wird aus zwei Musikernauf der Bühne schließlich eine ganze Band. Den Fans im gut gefüllten Rex gefällt’s ohne Ende, wie der begeisterte Beifall zeigt.

Freier Autor Freier Journalist für Tageszeitung im südlichen Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis