Corona-Kundgebung - Knapp 100 Menschen demonstrieren auf dem Marktplatz / Medienschelte von Justus Keller „Zu einer Meinung gehört Widerspruch“

Von 
Thomas Tritsch
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Auf dem Bensheimer Marktplatz kamen am Samstag erneut rund 100 Menschen zusammen, um gegen die Corona-Einschränkungen zu demonstrieren. © Funck

Bensheim. Wer an den Corona-Einschränkungen zweifelt, muss noch lange kein Staatsfeind oder Verschwörungstheoretiker sein: So lautete der Tenor der dritten Kundgebung auf dem Bensheimer Marktplatz, zu der am Samstagnachmittag knapp einhundert Menschen gekommen waren. Es gehe darum, beim Diskurs über die gesellschaftlichen und politischen Maßnahmen im Zuge der Pandemie genügend Raum für Rede und Widerrede zuzulassen, so Justus Keller im Namen der Veranstalter.

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Auf ein öffentliches Mikrofon und spontane Reden von Teilnehmern haben die Organisatoren diesmal verzichtet. Vor der „stillen Meditation“ sprach neben Keller lediglich seine Mitinitiatorin Katarina Tatiana Metz. Beide betonten den Wert der Grundrechte, der freien Meinungsäußerung und individuellen Persönlichkeitsentfaltung.

Weder rechts noch links

Man stehe weder links noch rechts und habe die Demo nicht aus parteipolitischer oder religiöser Motivation ins Leben gerufen. Es sei allerdings eine Tatsache, dass viele Menschen Angst um ihre Selbstbestimmung hätten und den aktuellen Maßnahmen sehr skeptisch gegenüberstünden.

Er sei ein großer Freund der repräsentativen Demokratie, sagte Justus Keller am oberen Marktplatz. „Als Demokrat achte ich unsere Regierung.“ Er schätze die Aufgeklärtheit und Vielstimmigkeit in der Gesellschaft. Es sei allerdings bedenklich, dass die öffentliche Debatte in den „Hauptmedien“ weitgehend ohne Kritik und Zweifel geführt werde. Dort werde stets ein und dieselbe Haltung vertreten. Ein dialogisches Gespräch finde nicht statt.

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„Zu einer Meinung gehört der Widerspruch“, so Keller, der sich ausdrücklich auf die großen politischen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bezog, in denen eine Art Corona-Mainstream verbreitet werde. Dies sei kein Zufall. „Hier ist eine Struktur erkennbar.“ Keller verwies auf Stimmen, die dem derzeitigen Kurs deutlich widersprechen und die Einschätzungen von Wissenschaft und Politik offen in Frage stellen. Dazu gehören der Lungenfacharzt Wolfgang Wodarg, der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi und die Virologin Karin Mölling. Wodarg beispielsweise hält eine „Corona-Panik“ für unbegründet und bezweifelt, dass das neuartige Virus gefährlicher ist als die Grippe.

Auch Bhakdi hält die Annahmen der Forschung bezüglich der Gefahrenlage für überzogen. „Warum zieht man nicht auch diese Experten zu Rate?“, so Keller, der eine „monologisierende Litanei“ in den Medien erkennt.

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Man wolle das Virus keineswegs wegdiskutieren, sagte er. Der Anlass der Kundgebung sei vielmehr, darauf hinzuweisen, dass es auch andere Meinungen gibt, die man in einer konstruktiven Debatte nicht leugnen oder unterschlagen dürfe. Auch Katarina Metz hatte die Demonstrations- und Meinungsfreiheit in ihrer Rede wiederholt gelobt. Ohne die Grundrechte sei eine Versammlung wie diese nicht möglich gewesen. Sie habe aber Angst davor, „zu etwas gezwungen zu werden, das ich nicht will“. Die Treffen seien ein Ort, um dieser Haltung einen öffentlichen Ausdruck zu geben.

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Nur wenige Demonstranten äußerten sich am Samstag über Schilder und Plakate. Anders als noch in der Woche zuvor. Die Inhalte deuteten darauf hin, dass die Menschen aus unterschiedlichen Motiven gekommen waren. Mehrere Personen äußerten ihre Sorge vor einer angeblich staatlich verordneten Impfpflicht. Andere sprachen von Angst und einer zielgerichteten Beschränkung der Persönlichkeits- und Freiheitsrechte.

Die dritte Bensheimer Corona-Demo dauerte gut eine Stunde. Die Veranstaltung verlief ruhig und störungsfrei.

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