Straßenschilder - Geschichtswerkstatt bringt zusätzliche Info an Zeitgeschichte sichtbar machen

Lesedauer: 

Die Geschichtswerkstatt hat erläuternde Informationen an den Schildern der Jakob-Kindinger-Straße und der Fritz-Bockius-Straße angebracht.

© Graubner

Bensheim. Auf Initiative der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger wurden unter die Straßenschilder der Jakob-Kindinger-Straße und der Fritz-Bockius-Straße erläuternde Informationen angebracht: Bei Jakob Kindinger seine Lebensdaten (1905 bis 1986) und der Zusatz "Widerstandskämpfer im KZ Buchenwald"; bei Fritz Bockius neben den Lebensdaten (1882 bis 1945) der Zusatz "Reichstagsabgeordneter des Zentrums. Er starb im KZ Mauthausen".

AdUnit urban-intext1

Die Geschichtswerkstatt übernahm die Kosten, über die Stadtverwaltung vermittelt brachten Mitarbeiter des Bensheimer Bauhofs die Info-Täfelchen an.

Zu der kleinen Veranstaltung waren die Schüler eines Geschichtsleistungskurses der Geschwister-Scholl-Schule mit ihrem Lehrer Franz Josef Schäfer gekommen, deren Geschichtswerkstatt zwei Forschungsprojekte zu Fritz Bockius und Jakob Kindinger durchgeführt und veröffentlicht haben. Vom Vorstand der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger erläuterten Gerd Helbling und Peter E. Kalb biografische Daten zu den Personen und erklärten, warum sich die Geschichtswerkstatt vor 21 Jahren nach dem Widerstandskämpfer benannt hatte.

Über Jakob Kindinger konnte man in den vergangenen Monaten verschiedene Artikel und Leserbriefe im BA lesen. Dessen Verdienste im Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurden immer wieder betont. Weniger bekannt in Bensheim ist das Schicksal von Dr. Friedrich August Bockius. Am 11. Mai 1882 wurde er in Bubenheim bei Mainz geboren. Er besuchte erst das Konvikt in Dieburg, dann machte er das Abitur in Bensheim. Im Alter von 60 Jahren kehrte er als Rechtsanwalt und Notar nach Bensheim zurück. Während der Weimarer Republik war er (ab 1920) Vorsitzender der Zentrumspartei in Hessen und von 1924 bis 1933 Reichstagsabgeordneter des Wahlkreises 33 Hessen-Darmstadt.

AdUnit urban-intext2

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler erlebte er als bekannter Zentrumsmann und wegen seiner kritischen Einstellung einen regelrechten Boykott seiner Anwaltspraxis in Mainz. Erst ab 1939 hatte er wieder alle Hände voll zu tun, auch weil politisch Verfolgte sich von ihm juristisch beraten ließen.

1942 erhielt Bockius das Angebot, den Bensheimer Rechtsanwalt Albrecht Hartmann zu vertreten. Die Familie zog in die Wilhelmstraße 20; das Anwalts- und Notariatsbüro befand sich am Anfang der Wilhelm-/Ecke Rodensteinstraße. Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde auch Fritz Bockius verhaftet. Wegen unmenschlicher Haftbedingungen starb er im März 1945 im KZ Mauthausen. red