KMB - Neukonzeption des Bestattungswesens wird fortgeschrieben / Naturnahe Begräbnisse auf dem Waldfriedhof möglich Zahl der Urnenbestattungen steigt weiter

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ps
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Urnenwände auf dem Bensheimer Waldfriedhof – die Zahl der Urnenbestattung hat in Bensheim in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. © Funck

Bensheim. Vor zehn Jahren hat die beim KMB (Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße) angesiedelte Friedhofsverwaltung eine Neukonzeption des Bestattungswesens der Stadt Bensheim unter dem Titel „Friedhofskultur der Zukunft“ erarbeitet. Jetzt wurde Bilanz gezogen und eine Fortschreibung vorgenommen. Insgesamt gibt es in Bensheim und den Stadtteilen neun Friedhöfe.

Friedhofspflege und Glyphosat

Der KMB-Bauhofservice hat in der Vergangenheit die gekiesten Wegeflächen auf Friedhöfen regelmäßig mit Glyphosat gespritzt, um dem Unkrautwachstum entgegenzuwirken. 2018 entschieden die städtischen Gremien wie berichtet, künftig auf Glyphosat zu verzichten.

Seit 2019 wendet der KMB eine alternative Möglichkeit der Unkrautbeseitigung an – und zwar ein System mit Heißluft. Im Gegensatz zum Spritzmittel stirbt bei diesem System die Wurzel der Unkräuter nicht ab, so dass die Pflanze sehr schnell wieder austreiben kann.

Der mit diesem Verfahren entstehende deutlich höhere Zeitaufwand überschreitet jedoch die personellen Möglichkeiten des Bauhofservices, so dass es zwangsläufig zu einer Zunahme „verwilderter“ Wege und Flächen komme, heißt es von Seiten des KMB. In diesem Zusammenhang kam es zunehmend zu Kritik am Zustand der Bensheimer Friedhöfe durch die Friedhofsnutzer und -besucher, da insbesondere die gekiesten Wegeflächen mit Unkraut durchwachsen waren. „Der Bauhofservice ist sehr bemüht, im Rahmen seiner technischen und personellen Möglichkeiten die Bearbeitungsintervalle auf den gekiesten Wegeflächen der Friedhöfe so optimal wie möglich zu takten, um ein gepflegtes Erscheinungsbild der Friedhöfe zu gewährleisten“, schreibt der KMB.

Die Friedhofsverwaltung bittet die Nutzungsberechtigten, neben der Pflege der Grabstätte auch einen Bereich von circa 30 Zentimetern um ihre Grabstätte herum von Unkraut frei zu halten. ps

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Die Fragen, die sich 2009 stellten, lauteten unter anderem: Braucht man neue Grabfelder? Wie wirkt es sich aus, dass die Bevölkerung immer älter wird? Wie reagiert man auf das geänderte Bestattungsverhalten? Heute lautet das Zwischenfazit: „Unsere Annahme, dass wir mit den vorhanden Flächen auskommen, hat sich bewahrheitet. Die getroffenen Prognosen sind auch in den anderen Bereichen allesamt eingetreten“, sagt KMB-Geschäftsführer Frank Daum, der dieses Projekt mit dem früheren Ersten Stadtrat Helmut Sachwitz verantwortete.

Baumallee in Planung

Eines hatte sich schon 2009 abgezeichnet: Die traditionelle Begräbniskultur ändert sich. Bereits damals ist die Zahl der Urnenbestattungen gestiegen. Der Trend geht schon länger weg vom traditionellen Grab. Die Zahl der Feuerbestattungen steigt, entsprechend gibt es mehr Urnenfelder und -stelen. 2009 lag die Zahl der Erdbestattungen bei 183 (2018: 150), die der Urnenbestattungen bei 179 (2018: 265).

Bürgermeister Rolf Richter war es wichtig, dem vielfach geäußerten Wunsch nach einer naturnahen Bestattung nachzukommen: Für den Waldfriedhof stehen im Haushalt 2019 Mittel für die Anlage von Urnenerdgräbern sowie für die Vorbereitung der Fläche für eine Baumallee und Urnenstelen zur Verfügung. Gerade der Waldfriedhof ermöglicht durch seine Lage, seinen waldähnlichen Charakter und neu gestalteten Baumgrabflächen eine naturnahe Bestattung.

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Der Charakter der Friedhöfe ist ohnehin schon seit längerem einem Wandel unterzogen: Friedhöfe sind die meistfrequentierten Grünanlagen in Deutschland und dienen nicht nur als Gedenkstätte für Verstorbene, sondern auch als Orte der Ruhe. Auf all diese Entwicklungen habe die Friedhofsverwaltung rechtzeitig reagiert, heißt es aus dem Rathaus. Dazu gehöre auch das 2014 eingerichtete muslimische Gräberfeld auf dem Waldfriedhof. Bisher wurden zwölf muslimische Bestattungen durchgeführt.

Kleinere, pflegefreie Gräber

Der Blick auf die aktuelle Situation zeige, dass die im Bestattungskonzept 2009 bei den Friedhöfen festgestellten Mängel beseitigt und die aufgeführten Optimierungsmöglichkeiten umgesetzt wurden. Die Mitarbeiter des Bauhofservices des KMB, die auch für die Unterhaltung und Pflege der Friedhöfe zuständig sind, hielten diese in einem gepflegten Zustand. Probleme bereite hierbei aber der Verzicht auf den Einsatz von Glyphosat seit 2018 (siehe nebenstehender Artikel).

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In dem aktuellen Bericht wagen die Verantwortlichen einen Ausblick: Der Wandel hin zu kleineren, oft auch pflegefreien Gräbern mit kürzerer Nutzungsdauer wird sich fortsetzen. Unter dem Aspekt, dass häufig die Entfernung zwischen den Orten der Bestattung und den Wohnsitzen der Nachkommen zunimmt und sich das Trauerverhalten ändert, werde sich diese Entwicklung voraussichtlich weiter verstärken.

Flächen ausreichend vorhanden

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In der künftigen Friedhofsgestaltung müsse sich dies ebenso widerspiegeln wie die steigende Nachfrage nach naturnahen Bestattungsformen und pflegefreien Gemeinschaftsanlagen. Laut Demographiebericht wird es mehr Sterbefälle geben, wodurch auch der quantitative Bedarf an Begräbnisstätten steigen wird.

In diesem Zusammenhang müsse berücksichtigt werden, dass infolge der steigenden Lebenserwartung Friedhöfe durch immer ältere Menschen mit körperlichen Einschränkungen besucht werden. Diese Entwicklung sei bei der Ausstattung und Erreichbarkeit der Friedhöfe ebenfalls zu beachten.

Ein Erweiterungsbedarf an Flächen wird derzeit nicht gesehen: Die vorhandenen Flächenkapazitäten sind ausreichend, zumal ein geringerer Grabflächenbedarf bezogen auf den Bestattungsfall gegeben ist. Für den Friedhof Bensheim-Mitte wird mittelfristig aufgrund der weiter zu erwartenden freiwerdenden Grabflächen eine grundsätzliche Neukonzeption erforderlich.

„Die Ziele der Friedhofsverwaltung lauten unverändert, den Friedhöfen ein gepflegtes Erscheinungsbild zu geben sowie ein attraktives Bestattungsangebot vorzuhalten, um die gewünschte Funktion der Friedhöfe als Orte der Trauer, der Ruhe und Besinnung sowie als Ort der naturnahen Erholung nachhaltig zu stärken“, heißt es abschließend. ps