Eisenbahnfreunde - Gut besuchte Modellbahnbörse im Bürgerhaus Kronepark in Auerbach / Einmal wöchentlich Vereinstreffen Weltenbauer im Kleinformat

Von 
Eric Horn
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Die Eisenbahnfreunde Bensheim hatten zur Modellbahnbörse ins Bürgerhaus Kronepark eingeladen. Unser Bild zeigt Klaus Jöckel (l.) und Heinrich Garten mit einer Dampflok, Baureihe 18, württembergische Bauart – auch die „schöne Württembergerin“ genannt. © Funck

Bensheim. Die bekennenden Modelleisenbahner Elton John, Phil Collins oder Rod Stewart, der erst vor wenigen Tagen unter großer medialer Aufmerksamkeit seine riesige Modelleisenbahn der Öffentlichkeit präsentiert hatte, hätten am Sonntag sicher Spaß gehabt: Der Verein der Eisenbahnfreunde Bensheim veranstaltete seine jährliche Modellbahnbörse im Bürgerhaus Kronepark.

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Der Event verlief klassisch. „Sammler und Raritäten-Sucher sind morgens die ersten, um die Mittagszeit wird es etwas ruhiger, nachmittags kommen Familien mit Kindern“, schilderte Andreas Fertig den Tag. Der Schriftführer des Vereins war erfreut über die „sehr gute“ Resonanz, die sich auch am Geschehen an der Theke widerspiegelte. „Es ist fast nichts mehr da“, schaute Fertig auf den leeren Würstchenwärmer und die Reste des Kuchenbüfetts.

Offeriert wurde bei der Börse alles, was den Modelleisenbahn-Fan begeistert. Von Lokomotiven und Waggons verschiedener Hersteller und Spurweiten bis hin zu Elementen zur Landschaftsgestaltung reichte das Sortiment der Standbetreiber von nah (Bensheim) und fern (Saarland), die mit ihren gut bestückten Tischen das Auerbacher Bürgerhaus in ein Eisenbahnland verwandelten. „Man findet eigentlich alles“, beschrieb Fertig die Angebotspallette.

Die Modellbahnbörse zählt zu den unverzichtbaren Einnahmequellen für den Verein, der aktuell 26 Mitglieder hat. Mit den Erlösen aus Eintritt, Standgebühren sowie Verkauf von Speisen und Getränken finanzieren die Eisenbahnfreunde die Miete für die Klubräumlichkeiten. „Ohne die Börse ginge das nicht“, erklärte Fertig.

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Im Untergeschoss eines alten Industriegebäudes in der Bensheimer Fabrikstraße finden die wöchentlichen Vereinstreffen statt, bei denen sich ausgetauscht und gebaut wird. Die Eisenbahnfreunde haben in ihrem Keller eine historische Nachbildung des Bensheimer Bahnhofs samt Güterbahnhof und der nach Westen abzweigenden Nibelungenbahn errichtet. Inzwischen hat dieses Modell nach Schätzungen von Rechner Harald Dick eine Größe von „elf auf 17 Meter“ erreicht. „Das bekommt man nicht mehr so leicht transportiert.“

Früher hatten sich die Vereinsmitglieder einmal im Jahr die Mühe gemacht, die „Miniatur“ zu deinstallieren und in der Weststadthalle zu den Eisenbahntagen wieder aufzubauen und somit das Modell der Öffentlichkeit vorzuführen.

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„Das geht heute nicht mehr“, verwies Fertig auf den hohen logistischen Aufwand, der nötig wäre, um das Werk an anderer Stelle auszustellen. „Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten“, ergänzte Dick mit Blick auf die „Schlepperei“, die mit einem zweimaligen Ab- und Aufbau des Modells verbunden wäre. Neue junge Mitglieder für die Eisenbahnfreunde zu gewinnen, ist schwierig. „Uns geht es da wie allen anderen Vereinen“, meinte Dick zum fehlenden Nachwuchs.

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Die Eisenbahnfreunde planen im nächsten Jahr, einen Tag der offenen Tür durchzuführen, bei dem der Nachbau in Betrieb besichtigt werden kann. Wer nicht so lange warten möchte, kann einfach zu den Vereinsabenden, jeweils Donnerstag ab 19 Uhr, in der Fabrikstraße 23 vorbeikommen. Harald Dick: „Wir schicken niemanden weg.“

Neben dem großen Modell in den Klubräumen hat jeder Eisenbahnfreund zu Hause einen eigenen Bahn-Kosmos. Andreas Fertig hat das Ganze inzwischen vom Keller in den Wohnbereich in ein ehemaliges Kinderzimmer („Die Kinder sind aus dem Haus“) verlagert und beschäftigt sich momentan mit dem Unterbau.

Harald Dick hat nach einem Umzug ein Problem. „Der Kellerraum ist zu klein für meine Anlage.“ Derzeit befindet sich die gesamte Apparatur eingepackt in Kisten. „Ich werde eine Lösung finden.“ Aktuell hat er aus beruflichen Gründen ohnehin keine Zeit für sein Hobby. Fertig setzt auf den Winter. „Da kommt man eher dazu.“ Dick und Fertig stellen nichts nach, sondern bauen „frei Schnauze“, und sie bevorzugen Handbetrieb statt digitalisierte Vollautomatik. Fertig: „Ich drehe gerne an den Knöpfen.“ Dick: „Geht mir genauso.“

Was macht die Faszination einer Modellbahn aus? Während Fertig und Dick überlegten, schaltete sich ein Modelleisenbahn-Fan aus Worms ins Gespräch ein. „Man kann sich seine Welt bauen, wie man möchte, das entspannt und tut gut.“ Also praktisch „Sailing“ mit der Modellbahn.

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