Weltgebetstag - Vortrag über Maria Ward Vorkämpferin für die Rechte der Frauen

Lesedauer: 

Die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel sprach am gestrigen Weltgebetstag der Frauen über das Leben und die Pionierleistung von Maria Ward, die sich im 17. Jahrhundert für die Mädchenbildung einsetzte.

© Neu

Bensheim. Wer war eigentlich Maria Ward, auf die sich viele Schulen und Bildungsinstitute in Deutschland berufen? Die Künstlerin Ulrike Fried-Heufel spürte der Geschichte einer Frau nach, die im 16. und 17. Jahrhundert Pionierarbeit leistete. Sie rückte die Ordensschwester nicht nur mit Pinsel und Acrylfarben ins Zentrum. Gestern referierte sie im Frauenbüro am Ritterplatz über die starke Persönlichkeit und das vielfältige Wirken der Maria Ward. Marion Vatter, Frauenbeauftragte der Stadt, begrüßte die interessierten Zuhörerinnen am Weltgebetstag der Frauen.

AdUnit urban-intext1

Die Ordensschwester Maria Ward bewegte sich abseits des Mainstreams, geriet ins Kreuzfeuer der katholischen Amtskirche und entging nur knapp dem Scheiterhaufen. Ihre Erfolge, vor allem für die Bildung der Frauen, konnte sie zu ihren Lebzeiten nicht mehr selbst ernten. Heute besteht ihre Gemeinschaft weltweit unter den Namen Congregatio Jesu (CJ) und Institute of Blessed Virgin Mary (IBVM).

Die Bildung von Mädchen war Maria Wards großes Anliegen. In Bensheim ist mit ihrem Namen die Liebfrauenschule verknüpft. Maria Ward lebte zu einer Zeit, als der Buchdruck gerade 100 Jahre alt war, es europaweit noch keine Schulbildung gab und die Mädels jung verheiratet wurden.

"Ihren Kampf und ihr Bemühen kann man heute als Pionierleistung in einer frauenfeindlichen Welt ansehen, warum sollte man sie nicht auch als Vordenkerin der Emanzipation bezeichnen?", regte Ulrike Fried-Heufel an.

AdUnit urban-intext2

Maria Ward lebte in einer schwierigen Zeit. Martin Luther hatte gerade die Kirchenspaltung herbeigeführt, in Europa wütete der Hexenwahn, Andersgläubige ließ die Katholische Kirche im Rahmen der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Durch den Buchdruck entwickelte sich zu jener Zeit eine gebildete Schicht. Universitäten entstanden und der Handel kam in Schwung.

In diese Zeit wird Maria Ward am 23. Januar 1585 in der Grafschaft Yorkshire geboren. Als Fünfjährige kam sie in die Obhut ihrer Großmutter, mit zehn Jahren wurde sie zu verschiedenen Verwandten "weitergereicht". Mehrere Heiratsanträge schlug sie aus.

Einsatz für Bedürftige

AdUnit urban-intext3

In ihrer Kindheit in England erfuhr sie, dass ein Bekenntnis zum Katholischen Glauben Courage erforderte. Maria Ward fühlte sich zum Ordensstand berufen und trat 1606 in St. Omer in ein Klarissenkloster ein.

AdUnit urban-intext4

Das entsprach jedoch nicht ihren Glaubensvorstellungen. Ihr Vorbild suchte sie eher im Jesuitenkloster. Sie kehrte nach England zurück und widmete sich dort den Bedürftigen. In ihrem Engagement blieb nicht allein. Sie fand Mitstreiterinnen für ihre unkonventionellen Ideen. Ihr Ziel war es, Mädchen im Glauben zu unterrichten - und für die Realität zu stärken.

1610 gründete Maria Ward eine Tagesschule, die sich auf die ignatianischen Lehren von Franz von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, bezog. Sie beruhen auf der Überzeugung, dass Gott für jeden Menschen eine persönliche Berufung vorgesehen hat. Maria Ward wollte im Sinne der jesuitischen Glaubenshaltung die Freiheit des Denkens für sich und ihre Frauen durchsetzen. "Für die damalige Zeit ein unglaublicher Gedanke: ein Männerorden in abgewandelter Form auf einen Frauenorden zu übertragen", so die Referentin. Mann und Frau sind nach der Vorstellung vor Gott gleichwertige Geschöpfe und hatten per se gleichwertige Rechte.

Maria Ward stellte damit das mittelalterliche Rollendenken infrage. Mehrfach in ihrem Leben wanderte zu Fuß nach Rom, um beim Papst vorzusprechen. Die Ordensschwester ermüdete nicht. Sie gründete zwölf Niederlassungen. In allen Einrichtungen hatte die Bildung und Erziehung junger Mädchen und Frauen mit Schwerpunkt der apostolischen Ausrichtung oberste Priorität.

Unterstützung für ihr Bildungswerk fand sie lange Zeit bei den katholischen Fürsten von Belgien, Bayern und Österreich.

Um ihr Anliegen dem Papst vorzutragen, ging zu Fuß im Winter 1621 1500 Kilometer als Pilger verkleidet über die Alpen. Anfänglichen Erfolgen bei Papst Gregor folgte die bittere Enttäuschung. Die Kirche unter Papst Urban XIII. beschloss die Aufhebung ihres Ordens.´Maria Ward wurde als Ketzerin, Schismatikerin und Anführerin gegen den Heiligen Stuhl verhaftet.

Nach ihrer Befreiung reiste sie zum dritten Mal nach Rom. Sie bat um Erlaubnis zu einem gemeinschaftlichen Leben mit ihren Gefährtinnen und um die Fortsetzung der Mädchenbildung. Das Vorhaben genehmigte man.

"Aus ihrem Willen wurde eine Bewegung, aus einer Frauengemeinschaft ein Orden, aus ihrer Idee eine Institution," fasste Ulrike Fried-Heufel das bewegte Leben der Ordensschwester zusammen. Die Referentin hat in Mainz an einer Maria-Ward-Schule unterrichtet. moni