Einbürgerungsfeier - Stadt begrüßt neue deutsche Staatsbürger aus 27 verschiedenen Nationen / Erinnerungsfoto mit der Rathaus-Spitze Vom Regenwald zum Odenwald

Von 
Thomas Tritsch
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81 Bensheimer aus 27 Nationen erhielten in den vergangenen zwölf Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Stadt Bensheim hatte alle zur Einbürgerungsfeier ins Kolpinghaus eingeladen. © Zelinger

Bensheim. In den vergangenen zwölf Monaten haben sich 81 Wahl-Bensheimer entschieden, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Menschen aus insgesamt 27 verschiedenen Nationen, die teilweise schon länger in der Stadt leben oder erst vor kurzem zugezogen sind.

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Seit acht Jahren heißt sie Bensheim mit einer besonderen Einbürgerungsfeier willkommen. Viele von ihnen waren am Mittwoch ins Kolpinghaus gekommen, um diesen wichtigen Schritt gemeinsam zu feiern.

Fast alle hatten ihre Einbürgerungsurkunde bereits erhalten. Zwei aber wurden vor Ort von Bürgermeister Rolf Richter persönlich überreicht. Ein besonderer Akt, denn erst mit der Aushändigung des Dokuments ist die neue Staatsbürgerschaft offiziell vollzogen.

Dass es im Vergleich zum Vorjahrszeitraum 2017/18 deutlich weniger Einbürgerungen gegeben hat – damals waren es 107 –, begründete Stadtrat Adil Oyan mit personellen Engpässen im Regierungspräsidium Darmstadt. „Es gab erheblich mehr Anträge, aber nicht alle konnten bislang bearbeitet werden.“

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Die Top-Drei der Herkunftsländer sind die Türkei (zwölf Neubürger) sowie Großbritannien (der Brexit lässt grüßen) und Polen mit jeweils acht Personen.

Grundgesetz und Kaffeebecher

Standesbeamter Matthias Wehmeyer, der bei der Stadtverwaltung für die Einbürgerung zuständig ist, begrüßte die Gäste persönlich. Neben einem Erinnerungsfoto mit der Rathausspitze gab es ein Grundgesetz und einen Bensheimer Kaffeebecher mit Integrationslogo.

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„Bensheim ist bunt“, betonte auch Stadtrat Adil Oyan, der beispielhaft die Biografien zweier Neubürger skizzierte: Gisela Wasserer ist gebürtige Deutsche, war aber über vier Jahrzehnte beruflich in einem Krankenhaus in Indonesien tätig und musste daher zwangsweise ihre alte Staatsbürgerschaft abgeben. Jetzt hat sie sie zurück.

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Die Britin Lucy Schulze war 2012 Mitglied im englischen Volleyball-Nationalteam bei den Olympischen Spielen in London. Jetzt lebt sie mit Ehemann und zwei Kindern in Bensheim. „Jeder hat seine ganz eigene Geschichte“, sagte die Fraa vun Bensem Doris Walter – diesmal auf Hochdeutsch.

In einer bewegenden Rede für Vielfalt und Menschlichkeit plädierte sie für ein herzliches Miteinander in einer offenen Gesellschaft, in der Frieden und Gemeinschaft als höchste Werte zählten. „In diesem Sinne sollten wir alle Weltbürger sein.“

Auch Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert betonte die kulturelle Buntheit als Bereicherung einer Stadtgesellschaft wie Bensheim. „Davon können wir nur profitieren.“ Den Neubürgern stünden jetzt durch die Staatsbürgerschaft alle Wege einer demokratischen Mitbestimmung offen. „Bringen Sie sich ein, engagieren Sie sich in Vereinen und Initiativen“, lud sie zum aktiven Mitgestalten ein.

Wertschätzung und Respekt

„Jetzt sind Sie auch auf dem Papier echte Bensheimer“, sagte Rolf Richter. Bensheim sei eine offene Stadt, die jeden einzelnen Bürger als wertvollen Teil der Gemeinschaft verstehe. Die Entscheidung für Bensheim sei auch ein Zeichen für die Verbundenheit mit dieser Stadt. Mit der Einbürgerungsfeier wolle man auch ein Stück Wertschätzung und Respekt für diesen Schritt zum Ausdruck bringen, so der Bürgermeister.

Im Anschluss hatten auch die Hauptdarsteller des Abends Gelegenheit, auf der Bühne das Wort zu ergreifen. Die Brasilianerin Daiany Cruz Schäffer berichtete aus den vergangenen fünf Jahren in Deutschland, wo sie nicht nur die Sprache hervorragend gelernt hat, sondern auch eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft erlebt habe, die sie nicht mehr missen möchte. „In Brasilien merke ich, wie deutsch ich bereits geworden bin.“

Sie sagte, sie sei dankbar, hier leben zu dürfen, und appellierte an die Deutschen, zufriedener zu sein und nicht so viel „zu jammern“, sondern Frieden und Freiheit mehr zu schätzen. „So, wie Deutschland mich reicher gemacht hat, bereichern Ausländer auch Deutschland.“ Sie selbst sei „vom Regenwald an den Odenwald“ gekommen und habe sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten sehr gut eingelebt.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Band der Musikschule der Stadt Bensheim sowie einer Bailongball-Vorführung von Susanne und Shannon Ritz von der Taiji-Gruppe Bensheim.

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