Vandalismus - Die Anlage am Eingang zur Tiefgarage muss immer öfter geschlossen und repariert werden / Alternative noch nicht in Sicht Toiletten-Stunk am Bahnhof

Von 
Dirk Rosenberger
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Kammern des Schreckens: Die öffentlichen Toiletten am Bahnhof mussten erneut wegen Vandalismus und Verschmutzung geschlossen werden. © Funck

Bensheim. Die Angelegenheit stinkt zum Himmel, und das nicht erst seit gestern. Die öffentlichen Toiletten am Bahnhof mussten Anfang dieser Woche wieder mal geschlossen werden, weil es bei den Damen erneut einer dringenden Grundreinigung bedurfte – Details erspart man sich am besten – und bei den Herren unter anderem ein Urinal verstopft war. Ohne Handwerkereinsatz ging dort nichts mehr.

Fahrradparkhaus: Noch immer keine Einigung mit der Bahn

Am Bahnhof stellt sich mittlerweile die Frage, was – wenn überhaupt – früher fertiggestellt ist: ein neues stilles Örtchen oder das Fahrradparkhaus. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund monierte kürzlich, dass es deutschlandweit an den Bahnhöfen zu wenig sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gebe. In Bensheim hätte man in dieser Diskussion mit besagtem Parkhaus punkten können – wäre es denn schon fertiggestellt.

Allerdings befinden sich Verwaltung und Deutsche Bahn nach wie vor in intensiven Gesprächen, die nicht nur gefühlt schon Jahre dauern. „Unsere Planungen sind bei der Bahn detailliert hinterlegt. Diese beinhalten einerseits den Standort für das Fahrradparkhaus und andererseits die Außenstelle der Stadtpolizei“, teilte Pressesprecher Matthias Schaider auf Anfrage mit.

Einigen konnten sich beide Parteien offenkundig bislang nicht. Wie mehrfach berichtet, sollen in der ehemaligen Gepäckabfertigungshalle im Hauptgebäude des Bahnhofs auf einer Fläche von 80 Quadratmetern 70 Doppelstockparkplätze eingerichtet werden. 170 000 Euro stehen dafür seit Jahren im Haushalt. Ob der Betrag reicht, weiß man nicht, ob man ihn zeitnah überhaupt braucht, scheint ebenso in den Sternen zu stehen.

Denn das Vorhaben, kommunalpolitisch in seltener Einigkeit auf den Weg gebracht, entwickelt sich mittlerweile mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit – im negativen Sinn. 2013 brachte die FDP einen Prüfantrag in der Stadtverordnetenversammlung durch, ein Jahr später fasste das Gremium einen Grundsatzbeschluss. Im Sommer 2018 segnete man das Projekt im Bahnhof erneut ab. Getan hat sich erneut nichts, außer dass Gespräche mit dem Konzern geführt werden. Der wiederum kann oder will offenbar nicht so richtig auf die Planungen der Stadt eingehen.

Man darf daher gespannt sein, wann die ersten Räder in der alten Gepäckhalle sicher verwahrt werden können. Oder ob der Versuch einer Übereinkunft mit der Bahn scheitert. dr

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Dabei ist es noch nicht so lange her, dass die Anlage wegen Vandalismus gesperrt werden musste. Im Juli ordnete die Stadt ebenfalls eine Sonderreinigung an, weil die Wände stark verunreinigt und beschmutzt waren. Damen- und Herren-WC öffneten danach erneut, die Behindertentoilette hat seitdem geschlossen, weil dort die Schäden gravierender waren.

Unmut bei den Taxifahrern

Am Montag hatten sich Taxifahrer, die am Bahnhof stationiert sind, auf Facebook Luft verschafft, nachdem sie mutmaßlich erstmal nach Luft geschnappt hatten, als sie die Toilette aufsuchten. Sie sind auf das stille Örtchen im Eingangsbereich zur Tiefgarage angewiesen. Dass es dort gar nicht so ruhig und beschaulich zugeht, erleben sie Tag für Tag.

Generell ist das kein Problem, das Bensheim exklusiv für sich gepachtet hat. Was es für die Betroffenen natürlich nicht besser macht. Öffentliche WCs stehen seit jeher nicht in dem Verdacht, als Rein-Raum durchzugehen, in dem man bedenkenlos und bei Bedarf vom Boden essen könnte. Der Ekelfaktor war mitunter schon immer gegeben, doch wenn – wie momentan unzweifelhaft – eine gewisse „Güteklasse“ erreicht ist, sollte man nach Alternativen suchen oder den Laden gleich ganz dicht machen.

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Im Rathaus ist man sich nicht nur der unappetitlichen Umstände bewusst und sieht sich immer öfter zum Handeln gezwungen. Das Eingreifen kostet zudem auch verstärkt Geld. Nach Auskunft der Verwaltung belaufen sich die Kosten zur Behebung der Schäden und Verunreinigungen alleine seit 2018 auf circa 5500 Euro. Damit einhergehend steigen auch die jährlichen Unterhaltskosten. Andere Optionen gebe es in der Theorie durchaus, wie diese allerdings praktisch umsetzbar wären, müsste sich zeigen. So zahlt man mittlerweile an vielen öffentlichen WCs 50 Cent und mehr für die Benutzung, was nicht immer, aber oft eine Garantie für mehr Sauberkeit und eine bessere Kontrolle ist. Allerdings wird man kaum Personal finden, das sich 24 Stunden um die Klos kümmert.

Oberirdische Variante denkbar

Oder man sucht sich einen neuen Standort, immerhin brauchen nicht nur die Taxi- und Busfahrer am Bahnhof einen Ort zur Erleichterung. Wenn es beim einen oder anderen Reisenden dringend wird, schadet schnelle Abhilfe in einem akzeptablen Umfeld nicht.

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Im Sommer 2018 hatten die Stadtverordneten einen von der Koalition angestoßenen Maßnahmenkatalog auf den Weg gebracht. Ein Bestandteil davon: Die Kostenermittlung für eine ebenerdige Toilettenanlage als Ersatz für die bisherigen WCs. In dieser Angelegenheit gibt es aber noch nichts Neues, wie eine Nachfrage am Dienstag im Rathaus ergab. Man sei noch auf der Suche nach einem Standort.

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Wenn man einen geeigneten Platz gefunden hat, können die Mittel im Haushalt freigegeben werden. Der Zeitpunkt einer möglichen Vollendung und eines Auswegs aus dem aktuellen Dilemma ist jedoch ungewiss.

Redaktion