Kommunalwahl - Fehlheimer Ortsbeirat stellt personelle Weichen für die neue Wahlperiode / Verabschiedung von langjährigen Mitgliedern

Stefan Stötzel zum Ortsvorsteher gewählt

Von 
Jeanette Spielmann
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Der neue Fehlheimer Ortsbeirat mit (vorne, v.l.) Günter Peter Horscht, Stefan Stötzel, Annika Geffert sowie (hinten, v.l.) Schriftführer Martin Meinert, Alexander Berndt, Marion und Alexander Lambert. Es fehlt Elisabeth Vierneisel. © Gutschalk

Fehlheim. Nach der Kommunalwahl war am Mittwoch der Ortsbeirat Fehlheim das erste städtische Gremium, das sich konstituiert hat und damit die Arbeit in der neuen Amtsperiode in Angriff nimmt. Der Ortsbeirat war auch eines der Gremien, der eine fast komplette Neubesetzung erfahren hat. Mit Stefan Stötzel und Alexander Berndt sind nur zwei der bisherigen Mitglieder noch dabei, dazugekommen sind fünf neue Ortsbeiräte.

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Die nächsten Aufgaben im Stadtteil

In seiner ersten Amtshandlung als neuer Ortsvorsteher ging Stefan Stötzel auf die bevorstehenden Aufgaben ein. Neben der Frage nach dem Sachstand neuer Kindergarten, der Verwendung der 1000 Euro für den Ortsbeirat aus 2019 und dem Sachstand beim Neubaugebiet hinsichtlich des Verkaufs der Grundstücke, stand in seinen Ausführungen vor allem die aktuelle Situation bezüglich des Dorfentwicklungsprogramms im Mittelpunkt.

Wie Stötzel aus der fünften Sitzung der Steuerungsgruppe im März berichtete, hatten sich als Priorität für Fehlheimer Maßnahmen eine Machbarkeitsstudie für ein Dorfgemeinschaftshaus, die Nutzung der alten Rathaus-Scheune als Veranstaltungsort in der Ortsmitte und die Gestaltung des Kirchen-Vorplatzes herauskristallisiert.

Wie sich ebenfalls am Mittwoch im Dorfgemeinschaftshaus zeigte, besteht außerdem ein großes Interesse an der Einrichtung eines öffentlichen Bücherschranks. Für interessierte Bürger bietet die nächste Online-Beteiligung im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms Gelegenheit, am Prozess mitzuwirken. Sie ist in der Zeit vom 16. bis 25. April geplant.

Eine Möglichkeit, sich mit Anregungen und Vorschlägen einzubringen, bietet auch die vom Ortsvorsteher Stefan Stötzel eingerichtete Mail-Adresse ortsbeirat-fehlheim@t-online.de. js

Insgesamt sieben Mitglieder hat das Gremium, war aber zuletzt nur noch mit sechs Personen beziehungsweise fünf Personen besetzt, da es an Nachrückern fehlte. An Nachrückern dürfte es in der neuen Legislatur nicht fehlen, denn immerhin hatten sich auf der Freien Wählerliste Fehlheim zwölf Kandidaten beworben. Dennoch waren nur sechs der gewählten sieben Mitglieder im Dorfgemeinschaftshaus anwesend, es fehlte Elisabeth Vierneisel.

Die meisten Stimmen erhalten

Die erforderlichen Formalien der konstituierenden Sitzung waren mit den jeweils einstimmigen Wahlen schnell erledigt. Zum neuen Ortsvorsteher wurde Stefan Stötzel gewählt, der bei der Kommunalwahl mit 20,96 Prozent die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Seine beiden Stellvertreter sind Annika Geffert und Günter Peter Horscht. Zum Schriftführer wurde Martin Meinert (kein Mitglied des Ortsbeirats) gewählt, seine Vertreterin ist Ortsbeirätin Marion Lambert. Weitere Mitglieder im Ortsbeirat sind Alexander Berndt und Alexander Lambert.

Die Eröffnung und Begrüßung hatte bis zu Wahl seines Nachfolgers der bisherige Ortsvorsteher Rico Klos vorgenommen. Er nutzte seine letzte Amtshandlung für ein kurzes Resümee der vergangenen 20 Jahre, ohne dabei „zu ernst oder melodramatisch“ zu werden. Er dachte dabei vor allem an das Napoleon-Zitat „Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt“.

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Diese Klippe umschiffte er perfekt, sparte aber auch nicht mit kritischen Worten. Er verwies auf die vier Amtsperioden, in denen er jeweils mit einem außergewöhnlichen Team arbeiten durfte und dankte für die gute Atmosphäre im Ortsbeirat, die half, schwierige Situationen mit ruhiger Hand zu lösen. Hier erinnerte Klos an die Bebauung der verlängerten Mittelstraße und die in diesem

Zusammenhang von einem Bensheimer Stadtverordneten suggerierte Falschinformation, dass für die fünf Bauplätze 2500 Quadratmeter Wald gefällt würden. Letztlich seien es nur fünf Bäume gewesen, die aber auch ohne Bebauung gefällt worden wären.

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Dass die Fehlheimer aufgrund dieser falschen Informationen auf die Barrikaden gegangen seien, konnte Klos sogar verstehen. Kein Verständnis hatte er aber dafür, dass dem Ortsbeirat zugetraut wurde, 2500 Quadratmeter Wald für fünf Bauplätze zu opfern.

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Anders als Napoleon

Anders als Napoleon, der eigenen Worten zufolge auch nach der 60. Schlacht nichts gelernt habe, was er nicht schon nach der ersten gewusst hatte, habe der Ortsbeirat nur durch ständiges Dazulernen die anfallenden Aufgaben lösen können. Hier nannte er insbesondere den Dialog mit den Bürgern und deren Beteiligung an allen größeren Vorhaben.

Dabei habe man sich stets bemüht, „nicht nur die zu hören, die am lautesten schreien“, wandte sich Klos damit auch gegen eine im Wahlkampf geäußerte Kritik eines Bewerbers für den Ortsbeirat. Er begrüße es, dass dieser Bewerber den Einzug in den Ortsbeirat geschafft habe und somit jetzt seine eigenen Erfahrungen sammeln könne.

Mit seinem Dank an alle Beteiligten vom Ortsbeirat über die Vereine bis zu den inzwischen vier Bürgermeistern und der Verwaltung für die Mitarbeit und Unterstützung verband er auch den Wunsch an den neuen Ortsbeirat für ein immer „gutes Händchen“ bei seinen Entscheidungen.

Mit der Verabschiedung von insgesamt sieben ausgeschiedenen Mitgliedern wurden anschließend insgesamt 85 Jahre und zwei Monate kommunalpolitisches Ehrenamt mit 19 Flaschen Wein und zwei Blumensträußen gewürdigt. Nur zwei Monate, von Anfang November bis Ende Dezember 2018, war Harald Berger Mitglied im Ortsbeirat und musste sich dann zurückziehen, weil er hauptamtlich beim Zweckverband KMB, einer kommunalen Einrichtung, tätig wurde. Von April 2016 bis zum Ende der letzten Amtszeit engagierte er sich im Ortsbeirat als stellvertretender Schriftführer.

Zehn Jahre lang protokollierte Heidi Steinbeck als Schriftführerin die Sitzungen des Ortsbeirates in den vergangenen beiden Amtsperioden. Ebenfalls zehn Jahre war Gudrun Hanselmann vom April 2011 bis März 2021 Mitglied des Ortsbeirates. Jeweils 15 Jahre lang – von 2006 bis 2021 – engagierten sich Jürgen Lang, Lothar Mundt (zehn Jahre auch als stellvertretender Ortsvorsteher) sowie Ulrich Wetzel (von 2006 bis 2011 auch stellvertretender Ortsvorsteher).

Auf 20 Jahre Mitgliedschaft brachte es Rico Klos, der in den ersten fünf Jahren das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers innehatte und 2006 dann an die Spitze des Ortsbeirates rückte. Abschließend nutzte Lothar Mundt die Möglichkeit, dem langjährigen Ortsvorsteher für sein Engagement zu danken. Er sei immer der Erste gewesen, der da war, und der Letzte, der ging und habe somit übrigen Mitgliedern den Rücken freigehalten. Klos bleibe aber weiterhin politisch und auch für Fehlheim aktiv. Für die Zeit nach Corona „drohte“ Mundt ihm und den ausgeschiedenen Mitstreitern einen „gemeinsamen schönen Abend“ an.

Freie Autorin