Vogel der Nacht - Collegium Musicum und die Gruppe Syriab begeisterten im Stadtpark / Emotionale Ansprache von Harry Hegenbarth Starkes Finale mit syrischen Musikern

Von 
Thomas Tritsch
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Zum Finale des Stadtparkfestivals Vogel der Nacht in Bensheim traten am Sonntagabend die syrische Gruppe Syriab und das Collegium Musicum Bergstraße gemeinsam auf (Bild links). Untermalt wurden die Klänge von Feuertänzern. © Malte Kirsch

Bensheim. Nach einer emotionalen Absage folgte ein letzter Höhepunkt: Das Collegium Musicum Bergstraße unter der Leitung seines amerikanischen Dirigenten Bart Berzonsky spielte gemeinsam mit der syrischen Gruppe Syriab traditionelle Stücke mit orchestraler Verstärkung. Eine hochfeine Melange aus orientalischer und abendländischer Musikkultur, die dem Vogel der Nacht einen exquisiten Abgang geboten hat.

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Denn nach der 15. Ausgabe ist vorerst Feierabend. „Es fällt mir nicht leicht“, sagte Harry Hegenbarth vom Veranstalter Showmaker im Kampf mit den Tränen. Nach Jahren der finanziellen Experimente und unternehmerischen Risiken habe nun „die Vernunft“ gewonnen – bis auf Weiteres findet das Festival im Stadtpark nicht mehr statt.

Damit stirbt nach der Zwingenberger Stadtparkustik – ebenfalls von Showmaker – das nächste Bergsträßer Open-Air.

Am freien Charakter habe man nicht rütteln wollen, so der 40-Jährige an einem eher kühlen Sonntagabend vor noch einmal passabler Kulisse. Ein Eintrittsgeld sei keine Option gewesen. „Damit würden wir den bunten Charakter der Veranstaltung zerstören.“

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Dem Festival mit dem Kulturbecher als einmaligem Beitrag (vier Euro) und einem als „freiwilligem Eintritt“ verpackten Spendenaufruf waren seit 2017 etliche Sponsoren verlorengegangen. Die verregnete 15. Auflage mit einem unwetterbedingten Abbruch gleich am ersten Abend (Dienstag) hat dem Vogel den Todesstoß versetzt.

Hegenbarth dankte allen Helfern und Sponsoren sowie seinem Team und dem Publikum für die Unterstützung in den vergangenen Jahren.

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Dann hatte er noch eine beachtliche Zahl zu vermelden: Seit der Premiere hat das Open-air insgesamt 100 000 Euro Spenden für den Hospiz-Verein Bergstraße gesammelt. Der Organisator widmete den Ehren-Award 2019 allen ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeitern. Doris Kellermann nahm die Trophäe stellvertretend entgegen.

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Einen schöneren musikalischen Abschluss hätte sich der Gastgeber aber nicht wünschen können: Über 30 tolle Musiker auf der Bühne, ein aufmerksames Publikum auf der Wiese und ein zwar dramatischer, aber letztlich zugeneigter Himmel, der bis auf ein paar dünne Spritzer zwischendurch keinen Regen schickte.

Syriab wurde vor zehn Jahren 2009 vom Kanunspieler Ibrahim Bajo als 40-köpfiges Orchester gegründet, das unterschiedliche Musikrichtungen der orientalischen Musik interpretierte. Wegen des Bürgerkriegs sind die Musiker heute in der ganzen Welt verstreut. Vier von ihnen leben in Deutschland, wo sie weitere künstlerische Kontakte geknüpft haben.

2016 gelang es, in kleinerer Formation mit sieben Mitgliedern wieder zusammenzufinden. In ihrem Repertoire verbindet die Formation westliche Musik mit orientalischer Folklore und Elementen der Tanzmusik Dabke. Die Musik bildet eine Brücke zwischen den Kulturen, die durch die orchestrale Begleitung spannende und intensive Klangwelten erzeugt, das Publikum im Stadtpark aber auch solo begeistert hat.

Das Collegium Musicum Bergstraße aus Bensheim, das kürzlich sein 40. Jubiläum feierte und inzwischen über 200 weltliche und geistliche Konzerte (darunter große Oratorien und Opern) aufgeführt hat, wagt sich mit diesem Konzert nach eigenen Angaben auf einen neuen Weg.

Neben stilistischen Fusionen geht es dem Orchester auch darum, geflüchteten Musikern Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen und gemeinsame musikalische Ideen zu realisieren.

Abed Harsony spielt Oud, eine arabische Laute. Ibrahim Bajos Kanun ist ein Kasteninstrument mit 76 Saiten, und der virtuose Percussionspieler Hadi Andywis Darbuka ist ein Meister am Riq, ähnlich einem Tamburin. Flankiert wird das Ensemble von Klarinette, Oboe und des arabischen Flöteninstruments Nay. In Kombination mit klassischen Symphonie- und Kammerorchestern werden populäre Lieder aus der Levante und traditionelle orientalische Musik in neue Klangfarben getaucht.

Von Feuertänzern flankiert

Beim Auftritt im Stadtpark wurden nicht nur instrumentale und strukturelle Unterschiede der beiden musikalischen Ebenen, sondern auch die verbindende Textur orientalischer und klassischer europäischer Musik deutlich. Langer Applaus im Stadtpark, wo das Konzert von den Feuertänzern der Gruppe ArtArtistika flankiert wurde.

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