Kommunalpolitik - Haupt- und Finanzausschuss stimmt für städtisches Konzept Spendenkonto für die Kultur

Von 
Dirk Rosenberger
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Kulturelle Einrichtungen – hier das Musiktheater Rex – sind schon seit Monaten geschlossen. Die Stadt richtet nun ein Spendenkonto ein. © Neu

Bensheim. Die Kultur in der Corona-Krise – das ist längst bekannt und trotzdem noch untertrieben. Denn die Krise könnte nach der Pandemie eine Wunde aufgerissen haben, die niemand mehr geschlossen bekommt. Geschlossene Theater und verriegelte Museen, stille Konzertbühnen und Künstler, die seit Monaten ohne Engagement sind, bangen um ihre Existenz. Wer noch da ist, wenn das viel zitierte Licht am Ende des Tunnels erreicht ist, kann niemand mit Gewissheit sagen. Der Verlust für die Gesellschaft wäre immens.

Förderprogramm der Stadt

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Auf lokaler Ebene hat die Stadt im Sommer ein Förderprogramm aufgelegt, aus dem insgesamt 36 000 Euro ausgezahlt wurden, 26 000 Euro im Sommer, 10 000 zuletzt im Januar. Das teilte Thomas Herborn, Leiter des Eigenbetriebs Stadtkultur, am Montag in der digitalen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit. Bedacht wurden in Bensheim lebende Solo-Künstler ebenso wie das Varieté Pegasus, das Musiktheater Rex, die Schlossfestspiele und Festivalveranstalter Showmaker.

Um die Betroffenen weiter zu unterstützen, wurde in der Stadtverordnetenversammlung im Dezember beschlossen, ein Spendenkonto einzurichten und einen Spendenaufruf zu starten. Das Konzept wurde nun im Ausschuss vorgestellt und einstimmig beschlossen.

Um unnötigen Personal- und Kostenaufwand zu vermeiden, wird als Spendenkonto das Hauptkonto des Eigenbetriebs Stadtkultur verwendet. Über ein Antragsformular müssen die Betroffenen ihre Berechtigung nachweisen. Die Zielgruppe werde eng gefasst, gefördert werden „Kulturschaffende, die ihren Beruf durch die Pandemie nicht ausführen können“.

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Um das Verfahren „offen und transparent zu gestalten“, so die Verwaltung, soll eine Jury darüber entscheiden, wie das Geld verteilt wird. Kraft Amtes zählt Bürgermeisterin Christine Klein zu diesem Gremium, das aus drei bis fünf Personen bestehen soll. Diese sollen aus verschiedenen Bereichen der Kulturszene kommen, finanziell unabhängig und nicht förderberechtigt sein.

Doch bevor das Geld verteilt werden kann, muss es eingeworben werden. Dafür sollen öffentlichkeitswirksame Aktionen angestoßen und Kooperationspartner gesucht werden. Mögliche Spender aus der Wirtschaft werden von der Rathauschefin direkt angeschrieben. Spendenquittungen können ausgestellt werden. Ausgaben für Marketing und Werbung werden von der Stadt getragen und nicht über das Spendenkonto laufen.

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Im Ausschuss wurde die Vorgehensweise einhellig begrüßt. Doris Sterzelmaier (GLB) erinnerte daran, dass man das Konzept im Dezember mit einem Änderungsantrag angeregt habe. „Es macht Sinn, es jetzt noch zu beschließen. Bis wir im Mai oder Juni wieder tagen, könnte es zu spät sein.“ Zustimmung kam auch von der BfB-Fraktion, von der der ursprüngliche Antrag zur Einrichtung eines Kulturfonds kam.

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Bürgermeisterin Klein betonte, dass es ein großes Anliegen gewesen sei, möglichst zügig das Konzept zu erarbeiten. „Die Zeit drängt, die Kulturszene muss unterstützt werden“, so Klein. Die Erarbeitung sei nicht einfach gewesen. Tobias Heinz, der für die CDU das Modell begrüßte, wollte wissen, ob es schon konkrete Anfragen für das Spendenkonto gegeben habe. Das verneinte Thomas Herborn.

„Wir haben in Bensheim eine reichhaltige Kulturszene und hoffen, dass dies nach der Pandemie noch so sein wird. Da trägt die Stadt jetzt ihren Teil dazu bei“, bemerkte Eva Middleton (SPD). Rolf Tiemann (FWG) bezeichnete die Vorlage als gelungen, er werde im Stadtparlament zustimmen. Dort fällt am Donnerstag die finale Entscheidung. Allerdings darf man davon ausgehen, dass es nach dem Stimmungsbild im Ausschuss dort ebenfalls keinen Gegenwind geben wird.

Redaktion