Persönlich - Die Bensheimerin Caterina Mandel arbeitet für ein Berliner Start-up / „Luca“ könnte ein Lichtblick in der Pandemie werden Software-Lösung für ein Corona-Problem

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Thomas Tritsch
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Die Bensheimerin Caterina Mandel arbeitet für ein Berliner Start-up, das die Luca-App zur Kontakt-Nachverfolgung im Rahmen der Corona-Pandemie entwickelt hat. © Kay Herschelmann/Hasso-Plattner-Institut

Bensheim. Die Gesundheitsbehörden sind überfordert. Mit veralteter Technik kämpfen sie gegen eine neue Pandemie. Zu Beginn der Krise bekam man ohne handschriftliche Auskünfte nicht mal ein Glas Mineralwasser. Im November hatte die Bundesregierung den Lockdown unter anderem damit begründet, dass man in rund 75 Prozent aller Fälle den Infektionsort nicht ermitteln könne. Eine innovative Software könnte das verändern: Durch eine lückenlose Kontaktnachverfolgung.

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Gibt’s schon? Jein! Die bekannte Corona-Warn-App hat nach wie vor Probleme mit der sogenannten Cluster-Nachverfolgung, wenn sich viele Menschen für eine bestimmte Zeit an einem Ort aufgehalten haben. Die Luca-App kriegt das hin.

Über einen QR-Code erhalten Nutzer einen Schlüssel auf ihr Smartphone und loggen sich damit ein. Etwa beim Restaurantbesuch, im Kino oder im Theater – wenn das alles einmal wieder möglich ist. Dabei werden die hinterlegten Informationen automatisch in einer Datenbank gespeichert. Wichtig für Datenschutz-Fetischisten: Betreiber und Veranstalter haben keinen Zugriff. Die Gesundheitsämter schon. Ein Riesenvorteil, betonen die Entwickler der App.

Elite-Schmiede für IT-Nachwuchs

Das 2015 formierte Berliner Alumni-Start-up neXenio GmbH ist eine Ausgründung des privat finanzierten Hasso-Plattner-Instituts (HPI) für Digital Engineering. Ihre Spezialitäten sind IT-Dienstleistungen sowie Produktentwicklung und Betrieb von Anwendungen im Bereich Cloud Speicher, kollaboratives Arbeiten und Social Media Analytics.

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Die Gründer heißen Patrick Hennig und Philipp Berger. An der Schnittstelle zwischen Kunden und Entwicklern sitzt eine Bensheimerin: Caterina Mandel. 22 Jahre jung und seit November im Produktmanagement des Unternehmens tätig. Eigentlich wollte sie in die Modebranche, gelandet ist sie in der Potsdamer Elite-Schmiede für den IT-Nachwuchs. Inzwischen studiert sie IT-Systems Engineering im Endstadium. Im nächsten Jahr will sie ihren Master-Abschluss in der Tasche haben.

In dem Software-Haus mit seinen 50 Mitarbeitern fühlt sich Caterina Mandel wohl. Kommunikation ist ihr Ding. Und sie geht davon aus, dass Luca richtig durchstarten wird, wenn Restaurants und Kulturhäuser wieder geöffnet sein werden. Sie erklärt: Mit der Luca-App wird man zeitnah informiert, wenn man Teil eines Events war. Es geht also nicht nur um Solisten, sondern um die Menge von Einzelteilchen, die zum Zeitpunkt x an Ort y versammelt waren.

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Im Infektionsfall schickt man dann eigenmächtig alle Check-ins an das Gesundheitsamt, das dadurch auf einen Schlag alle Kontakte informieren kann. Das mühsame Hinterherforschen erübrigt sich. Nach 14 Tagen werden die Daten gelöscht. Letztlich ist die App nichts anderes als ein digitales Datenblatt, das nach einer gewissen Sicherheitsphase in den Schredder kommt. Hightech statt Zettelwirtschaft.

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Mathematik und Naturwissenschaften fielen Caterina Mandel schon immer leicht. Geboren in Heidelberg, macht sie 2017 am AKG ihr Einser-Abitur. Bereits drei Jahre zuvor schnuppert sie in die Fashion-Szene hinein. Und das gleich bei einer der ganz Großen: Der international renommierten Modedesignerin Dorothee Schumacher, die in Bensheim lebt.

Über einschlägige Kontakte ihres Vaters, der lange für SAP gearbeitet hat, findet sie nach dem Schulabschluss den Weg zum HPI. Im Oktober beginnt sie ein Stipendium bei der „Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit“.

Leidenschaftliche Tänzerin

In Bensheim hat sie sich in etlichen Nischen ehrenamtlich engagiert. Sie war bei der KJG Sankt Georg und vier Jahre lang als Choreographin bei den Grieseler Rote Funken aktiv. Überhaupt: Tanzen ist die große Leidenschaft. Mit einer Berliner Jazz- und Modern-Dance-Formation hat sie sogar in der Zweiten Bundesliga getanzt. Ein Hobby, das bereits am AKG und später bei der DJK/SSG Bensheim („Synergie“) erfolgreich Früchte getragen hatte. Auch in der VfL-Tanzformation „Invisible“ konnte man sie im Parktheater mehrmals neben dem Gesangsensemble Nowak Sisters erleben.

Und jetzt arbeitet sie für eine Warn-App, für die Rapper Smudo von den Fantastischen Vier als „Kampagnengesicht“ wirbt. In der Tat: Luca könnte ein Lichtblick für Konzerte in Zeiten der Pandemie werden. Eine Konkurrenz zur Corona-Warn-App sei sie aber nicht, betont Caterina Mandel. Eher eine Ergänzung.

Einige Insider aus dem Robert Koch-Institut (RKI) haben das neue Feature als komplementäres System schon ausgiebig beklatscht. Auch die Tourismus- und Veranstaltungsbranche freut sich: Wenn Infektionsketten schnell gebrochen werden können, wären Live-Events, Reisen und Hotellerie eventuell unter erheblich sicheren Bedingungen möglich.

Momentan gilt die App als große Hoffnung und Lösung für die Registrierungsprobleme von Veranstaltern und Gastronomen. Wenn man ein Museum, Restaurant oder ein Konzert besucht, braucht man dann keinen Stift und Block mehr, um Kontaktdaten zu hinterlassen. Ein Klick genügt.

Ein einfaches Prozedere, das dabei hilft, soziale Kontakte auch in Zeiten der Pandemie möglichst nachvollziehbar zu gestalten und zu dokumentieren, so Caterina Mandel, die weiter daran mitarbeiten will, die App zu optimieren. „Ich sammle hauptsächlich Feedback von Nutzern und entscheide dann mit, was als nächstes umgesetzt werden könnte“, so die Bensheimerin.

Als erste Tourismusregion hat die Insel Sylt die neue Corona-Nachverfolgungs-App eingeführt. Auch auf Amrum steht Luca in den Startlöchern. Das Festland soll folgen.

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