Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl - Buch über „NS-Zwangsarbeit in Seeheim-Jugenheim“ veröffentlicht / Applaus in der Gemeindevertretung Schicksal der Menschen lebendig machen

Von 
red
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Bensheim. Der Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl in Bensheim ist erneut regionalgeschichtlich ein fachlich relevantes Werk gelungen: „NS-Zwangsarbeit in Seeheim-Jugenheim“. Das über 400 Seiten starke Buch ist nun in Bensheim zum Preis von 15 Euro erhältlich. Es kann ab sofort über die Buchhandlung Schlapp bezogen werden. Angeboten wird ebenso das große Vorgängerwerk: „Opfer des Nationalsozialismus in Seeheim-Jugenheim“. Dieses stellt die dortige Situation aller relevanten Opfergruppen auf 1200 Seiten dar.

Die GSS-Geschichtswerkstatt hat ein Buch über Zwangsarbeit verfasst. © GSS
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Ehemalige Schüler und ihre Lehrer haben die ausführliche Dokumentation „NS-Zwangsarbeit in Seeheim-Jugenheim“ kürzlich der Gemeindevertretung Seeheim-Jugenheim vorgestellt und hierfür großen Applaus erhalten. Luca Hechler, einer der Schüler-Autoren und aktuell Studierender in Geschichte und Germanistik, sagte hierzu: „Wir möchten Ihnen, den Geschichtsinteressierten unter uns, nun Gelegenheit bieten, die Ergebnisse unserer jahrelangen Arbeit intensiv zu begutachten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen hierbei sicherlich die elf Einzelschicksale von Zwangsarbeitern, die wir gleich auf den ersten 100 Seiten darstellen. Hier wird das Schicksal der Menschen lebendig, die zwischen 1939 und 1945 unter Zwang und meist fragwürdigen Bedingungen für die deutsche Kriegswirtschaft schuften mussten und damit die Kriegsmaschine insgesamt am Laufen hielten. Ohne diese Menschen hätte das Deutsche Reich wohl kaum so lange aus eigener Kraft gegen den Rest der Welt Krieg führen können.“

Das Buch „NS-Zwangsarbeit in Seeheim-Jugenheim“ stelle die Thematik der Zwangsarbeit aus mehrfacher Perspektive dar. Nach den benannten Einzelschicksalen, werde dem Leser unter anderem umfangreiches statistisches Zahlenmaterial angeboten, das ermöglicht, zu allen 26 Herkunftsländern der Fremd- und Zwangsarbeiter in der Bergstraßengemeinde Informationen nachzulesen.

Einen weiteren breiten Darstellungsraum nähmen die Arbeitsplätze, Einsatzorte und Arbeitgeber der Zwangsarbeiter ein. „Wir Autoren der Geschichtswerkstatt haben nichts unversucht gelassen, mit dem vorhandenen Dokumentenmaterial die tatsächliche Lebenssituation der NS-Opfer nachvollziehbar zu machen. Hier spielten natürlich die Arbeitsbedingungen und Einsatzorte eine besondere Rolle“, so Franz Josef Schäfer, ehemaliger Leiter der Geschichtswerkstatt.

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„Wer die Geschichtswerkstatt und ihre Forschungsdokumentationen kennt, der weiß ebenfalls, dass uns immer auch daran gelegen ist, den historischen Hintergrund der Regionalgeschichte deutlich zu machen“, äußert Frank Maus, einer der derzeitigen Leiter der Geschichtswerkstatt. „Die Darlegung der kriegswirtschaftlichen Hintergründe war uns dabei eines der Anliegen, gefolgt von Grundlagen zur Rechtssituation der Zwangsarbeiter – gerade auch in besonders sensiblen Bereichen, wie Schwangerschaften. Die Perfidität der NS-Ideologie wird dabei besonders deutlich.“

Der Geschichtswerkstatt sei es gelungen, weit über 500 Personen zu identifizieren, die während der Kriegsjahre in der heutigen Gemeinde Seeheim-Jugenheim eingesetzt wurden: „Die einschlägigen Archive bewahren lediglich Listen mit Namen und Meldedaten auf. Dennoch ist es uns in einigen Fällen gelungen, die persönlichen Schicksale der betroffenen Menschen zu rekonstruieren, und wir erkennen die Menschen hinter den nackten Zahlen. In einem Fall konnten wir ihre Spur bis in die Gegenwart verfolgen“, ergänzt Peter Ströbel, ebenfalls Leiter der Geschichtswerkstatt.

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Der Name der Widerstandsgruppe der Weißen Rose sei der Geschichtswerkstatt an der Geschwister-Scholl-Schule auch bei diesem Projekt erneut Auftrag und Mahnung gewesen, die historischen Gegebenheiten des Nationalsozialismus gemeinsam mit ihren Schülern wissenschaftsorientiert und stets nachvollziehbar aufzubereiten. Hiermit verbinde sich eine zielstrebige und wertvolle Vorbereitung ihrer Oberstufenschüler auf ein anschließendes Studium, sind sich Lehrkräfte und Schulleitung der Geschwister-Scholl-Schule sicher. red