Kommunalpolitik - Bauausschuss befasste sich mit dem Bebauungsplan / Keine Erhöhung der Anzahl der Photovoltaikanlagen Sanner-Umzug nimmt weitere Hürde

Von 
Dirk Rosenberger
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Bensheim. Das Auerbacher Traditionsunternehmen Sanner will seinen Stammsitz verlassen und ins Gewerbegebiet Stubenwald II umziehen. Das ist mittlerweile bekannt, die Planungen laufen. In der digitalen Sitzung des Bauausschusses ging es nu darum, eine weitere Hürde zu nehmen: Die Änderung des Flächennutzungsplans und die Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans.

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Um künstlicher Spannung vorzubeugen: Das Gremium stimmte erwartungsgemäß mehrheitlich dafür, lediglich Thomas Götz (GLB) votierte dagegen. Auch das kam nicht überraschend. Die Grünen befürworten zwar die Verlagerung, aber nicht auf Kosten einer Erweiterung des Gewerbegebiets. „Zum Flächenverbrauch sind alle Argumente ausgetauscht. Bei der Situation, die wir momentan haben, ist jedes Stück unbebautes Land hochwertiges Land“, bemerkte Götz. Wenn man sagt, dass man mit dem Flächenverbrauch Schluss machen will, dann müsse man irgendwann anfangen.

Er schlug vor, dass 50 Prozent der Dachflächen mit Photovoltaikanlagen bestückt werden. Vorgeschrieben sind bis 25 Prozent. „Wir machen das bei anderen Bebauungsplänen auch mit 50 Prozent.“ Das wiederum irritierte Carmelo Torre (CDU), der sich nicht daran erinnern konnte, in Bensheimer Bebauungsplänen allgemein eine Festlegung von 50 Prozent Photovoltaikanlagen zu haben. Es habe grundsätzliche Festlegungen gegeben, „aber nicht auf eine bestimmte Größe oder einen Wert“. Das würde die CDU nicht mitgehen. Norbert Koller (BfB) begrüßte die Vorgabe, „je mehr Photovoltaik desto besser“.

Michael Schweiger vom Auerbacher Planungsbüro Schweiger und Scholz, das mit dem Sanner-Projekt befasst ist, erklärte, dass man die Festlegungen für Photovoltaik und Dachbegrünung im Vorfeld mit dem Unternehmen sowie dem Architekten intensiv abgestimmt habe. „Das ist immer eine Frage der Statik und der Kosten.“ Mit der jetzigen Aufteilung (25 Prozent Photovoltaik, 75 Prozent Begrünung) habe man zu zugunsten der Ökologie entschieden.

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Die Photovoltaik müsse ohnehin kommen für den Energienachweis der Bebauung. Außerdem soll der Teich vor dem geplanten Verwaltungsgebäude genutzt werden als Kühlespeicher für den Sommer und Wärmespeicher für den Winter. „Wir waren der Meinung, dass die 100 Prozent Ökonutzung des Daches schon eine sehr starke Einschränkung und Belastung hinsichtlich Budget und Statik sind. Mir ist auch kein Bensheimer Bebauungsplan für eine Gewerbenutzung bekannt, den wir gemacht haben, in dem wir schon mal Photovoltaikanlagen festgeschrieben haben“, betonte Schwaiger.

Die 25 Prozent seien ausgehandelt und von der Firma zugesichert. Alles, was mehr ist, müsste man mit Sanner neu abstimmen. Thomas Götz war sich allerdings sicher, dass man bei einigen gewerblichen Vorhaben Photovoltaik konkret vorgegeben habe. Eine Mehrheit für eine Erhöhung auf den künftigen Sanner-Dächern gab es allerdings nicht. Neben Götz stimmten nur Norbert Koller und Feridun Bahadori (CDU) dafür.

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Zu Beginn der Diskussion hatte Michael Schwaiger darauf hingewiesen, dass es bei der Offenlage des Bebauungsplans die Bürger nicht negativ geäußert hätten. Das sei ein gutes Zeichen, was der Planer auch auf die Folgenutzung in Auerbach, dort sollen nach dem Umzug Wohnungen entstehen, zurückführt. Widerstände habe es jedoch von Behördenseite gegeben. Die Untere Naturschutzbehörde sei nicht so erfreut, dass das Grundstück, bisher eine Ackerfläche, bebaut werden soll.

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Läuft weiterhin alles reibungslos, könnte der Weltmarktführer für Trockenmittelverschlüsse Ende 2024/2025 die Verlagerung angehen. Der Neubau mit Bürogebäuden, Produktions- und Logistikhallen im Gewerbegebiet Stubenwald wäre dann bezugsfertig.

In Auerbach würde danach ein neues Wohnviertel mit 170 bis 230 Wohnungen in Geschossbauweise entstehen – der Anteil an Sozialwohnungen soll bei 25 Prozent liegen.

Redaktion