Kirche - Thomas Catta verlässt nach den Sommerferien die katholische Gemeinde / Überraschende Ankündigung am Sonntag im Gottesdienst Sankt Georg braucht einen neuen Pfarrer

Von 
Dirk Rosenberger
Lesedauer: 
Im September 2014 wurde Thomas Catta (li.) als Pfarrer der Gemeinde Sankt Georg in Bensheim in sein Amt eingeführt. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit Dekan Thomas Meurer. Am Sonntag verkündete Catta im Gottesdienst, dass er nach den Sommerferien die Pfarrei verlassen wird. © Neu

Bensheim. Die Pfarreien im Bistum Mainz stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Der in Mainz ausgerufene „Pastorale Weg“ soll die Kirche zukunftsfähig aufstellen, führt aber in der Praxis erzwungenermaßen zu Stelleneinsparungen und der Zusammenlegung von Gemeinden.

Thomas Catta wechselte 2014 von Heidesheim nach Bensheim

Thomas Catta stammt aus Südhessen: Er ist in Dieburg bei Darmstadt geboren und aufgewachsen. Nach seinem Studium in Mainz und Innsbruck war er Kaplan in Rödermark.

Als Pfarrer war er in Mörfelden-Walldorf, Hanau-Steinheim und vor seinem Wechsel nach Bensheim 2014 in der Gemeinde Sankt Philippus und Jakobus Heidesheim tätig.

Thomas Catta ist der Nachfolger von Pfarrer Harald Poggel, der nach dem Tod von Thomas Groß 2012 neben der Sankt-Laurentius-Gemeinde auch die Stadtpfarrei Sankt Georg geführt hat – zunächst kommissarisch, seit Frühjahr 2013 mit offiziellem Auftrag.

Anfang 2014 entschied das Bistum Mainz, dass die größte Bensheimer Gemeinde wieder einen eigenen Pfarrer erhalten soll. Vorausgegangen war damals eine Kehrtwende in der Personalpolitik. Ursprünglich sollte die Stelle nicht mehr besetzt werden.

In Bensheim brachte sich der Marathonläufer auch – wie bei seinen bisherigen Stationen – in der Stadtgesellschaft als Vollblutfastnachter mit etlichen Auftritten in der Bütt ein.

Zusammen mit den Filialkirchen Sankt Andreas in Reichenbach und Sankt Elisabeth in Schönberg betreut die Gemeinde Sankt Georg 6300 Katholiken im Einzugsgebiet.

Zum Dekanat Bergstraße-Mitte gehören die Städte Bensheim, Heppenheim, Lorsch, Einhausen und Zwingenberg mit ihren Stadtteilen. Im Dekanat leben rund 36 000 Katholiken. Im Vergleich: Vor 14 Jahren waren es noch mehr als 40 000. Bis zum Jahr 2030 rechnet man mit einem weiteren Rückgang auf knapp 30 000 Gläubige. dr

AdUnit urban-intext1

Der Auftrag zur Erneuerung kommt nicht von ungefähr. Bis zum Jahr 2030 soll sich die Zahl der aktiven Priester im Bistum halbieren – auf dann 100 Pfarrer. In zehn Jahren wird es deshalb im Dekanat Bergstraße-Mitte noch maximal drei große Pfarreien geben, denen jeweils ein Pfarrer vorsteht. Über den Zuschnitt der Pfarreien soll bei einer Dekanatsversammlung im Sommer entschieden werden. Außerdem, auch das ist seit Jahren kein Geheimnis, gehen immer weniger Menschen in die Kirche oder kehren ihr ganz den Rücken.

Priesterliches Kerngebiet

Auch vor diesem Hintergrund hat der Bensheimer Stadtpfarrer Thomas Catta eine Entscheidung über seine berufliche Zukunft getroffen, die er am Sonntag überraschend öffentlich machte. Er wird die Pfarrgemeinde Sankt Georg nach den Sommerferien verlassen und eine neue Aufgabe in der Pfarrgruppe Oppenheim/Nierstein annehmen.

„Dort habe ich die Möglichkeit, für weitere sieben Jahre eine Stelle zu übernehmen, in der ich in vollem Umfang in meinem priesterlichen Kerngebiet der Seelsorge und geistlichen Begleitung tätig sein kann“, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Rahmen des „Pastoralen Weges“ stünden den Pfarrgemeinden im Bistum Mainz und damit auch in Bensheim sehr große Veränderungen mit Pfarreifusionierungen und Reduzierungen auch an Pfarrstellen bevor, so Catta. Die aktuelle Situation sei eine andere als im Vergleich zu 2014, als er gebeten worden sei, Sankt Georg zu übernehmen.

AdUnit urban-intext2

Die Leitung der lebendigen Gemeinde mit ihren Einrichtungen und vielen Mitarbeitern „erfordert einen großen Einsatz an Zeit und Kraft. Durch die unumgänglichen Veränderungen der Strukturen und der damit verbundenen Reduzierungen der Hauptamtlichen-Stellen werden mittelfristig die Anforderungen eines Pfarrers für Gesamt-Bensheim und darüber hinaus noch größer“, betonte der 59-Jährige.

Im Gottesdienst am Sonntag teilte er seinen Entschluss der Gemeinde mit. Er spielte dabei auf die volkstümliche Aussage an, wonach sich der Mensch alle sieben Jahre verändert. Dahinter stehe seiner Ansicht nach die tiefere Erkenntnis, dass der Mensch in Perioden spürbare Veränderungen erfahre – körperlich und geistig. „Auch mein Leben war von diesem Rhythmus geprägt, insbesondere der seelsorgliche Dienst: Nach einem Pfarrdienst von rund zweimal sieben Jahren in Steinheim und sieben Jahren in Heidesheim darf ich nunmehr auf ein siebenjähriges Wirken in Sankt Georg zurückblicken“, bemerkte der Geistliche. Gleichzeitig stehe im Herbst sein 60. Geburtstag an.

Stelle wird ausgeschrieben

AdUnit urban-intext3

Für ihn sei dies doppelter Anlass, innezuhalten und eine Standortbestimmung vorzunehmen. Bei dieser geistlichen Betrachtung sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass der Zeitpunkt gekommen ist, „nochmals ein neues Kapitel seelsorgerischen Wirkens aufzuschlagen und die – voraussichtlich letzten – sieben Jahre meines priesterlichen Dienstes eine neue Aufgabe im Bistum zu übernehmen“. Hierfür habe der Bischof, der diesen Schritt unterstütze, in Absprache mit ihm eine neue Aufgabe im Bereich Oppenheim und Nierstein vorgesehen.

AdUnit urban-intext4

Der Gedanke an den Wechsel mache ihn auch wehmütig, habe er doch in den vergangenen sieben Jahren viele bereichernde Begegnungen in Sankt Georg erfahren und Verbundenheit spüren dürfen. „Gleichwohl ist der Zeitpunkt eines Wechsels unabhängig von meiner Person richtig: Das Bistum befindet sich derzeit auf dem pastoralen Weg, der auch strukturelle Veränderungen erforderlich macht und zu einer Fusionierung der Bensheimer Pfarrgemeinden führen wird. Mein Wechsel bietet daher die Möglichkeit, ab Herbst dieses Jahres die Grundlagen für eine zukunftsfähige Gemeindearbeit in Bensheim zu legen“, blickte Thomas Catta voraus.

Hoffen auf Begegnungen

Bis zu seinem Wechsel hofft er – trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie – auf möglichst viele Begegnungen. „Ich versichere Ihnen, bis zu meinem Ausscheiden als Seelsorger für Sie da zu sein“, versprach er am Sonntag seiner Gemeinde. Der Abschiedsgottesdienst soll voraussichtlich am Sonntag, 18. Juli, gefeiert werden.

Die Stelle in Sankt Georg soll nach Auskunft von Thomas Catta für einen Pfarradministrator ausgeschrieben werden. Der müsse im Blick haben, mittelfristig für einen noch größeren Verbund, eventuell mit Zwingenberg und Fehlheim, zuständig zu sein. Aber das ist momentan tatsächlich (noch) Zukunftsmusik.

Redaktion