Rund 200 Jahre alter Wegweiser

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Nur noch schwer zu erkennen: Die Inschrift „Weg nach Unterhambach“ und unten quer ein nach rechts weisender Arm auf dem alten Wegweiserstein zwischen Zell und Hambach. © Bambach

Es ist ein unscheinbarer Stein an einer Weggabelung des mit H 5 bezeichneten Wegs auf dem Stück von Zell nach Hambach – und doch eine Rarität. Die Oberfläche ist stark erodiert und die Buchstaben und Zeichen auf der Oberfläche kaum noch zu lesen. In der „Liste der Kulturdenkmäler in Hessen“ wird er als vermutlich ältester Wegweiserstein im Kreis Bergstraße aufgeführt.

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Auf der entsprechenden Webseite des Landsamts für Denkmalpflege sind Fotos des Steins von allen vier Seiten abgebildet. Er befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahmen in einem wesentlich besseren Zustand als heute – die auf drei Seiten angebrachten Inschriften in lateinischen Großbuchstaben „Weg nach Unter-Hambach“, „Weg nach Zell“ bzw. „Weg nach Ober-Hambach“ sind dort noch gut zu lesen und vor allem ist die jeweils darunter angebrachte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger deutlich zu erkennen. Die Denkmalpfleger nennen eine mögliche Datierung um das Jahr 1800.

Die Denkmalliste führt nur noch drei weitere Wegweisersteine im Kreis Bergstraße auf, alle sind jünger als das Zeller Exemplar und sollen in den 1830er Jahren geschaffen worden sein. Dabei stehen sie in gar nicht allzu weiter Entfernung: Zwei markieren den Weg, der nordöstlich von Gronau durch den Wald nach Reichenbach führt. Der dritte Stein stand an der Stelle des Schönberger Kreuzes und wurde bei dessen Errichtung umgearbeitet, lässt aber die alten Wegangaben noch erkennen.

Was bei diesen jüngeren Beispielen fehlt, ist die Abbildung des den Weg weisenden Arms mit dem charakteristischen Zeigefinger – dafür finden sich die Entfernungen in Form von Zeitangaben. Bei dem Zeller Stein aber handelt es sich um einen reinen Wegweiserstein ohne Distanzangabe. Solche Steine ersetzten im 19. Jahrhundert zunehmend die wenig dauerhaften hölzernen Wegweiser, die wohl seit dem späten 17. üblich gewesen waren.

Aus Holz oder Stein

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Diese hölzernen Wegweiser hatten oft die Gestalt von sogenannten Armsäulen: Pfosten aus Holz oder Stein, in die Richtungsweiser in Form von menschlichen Armen eingelassen waren. Der Zeller Stein mit seinen Armdarstellungen ist deutlich noch dieser Tradition verhaftet. Übrigens ist das Wort „fingerpost“ eine im Englischen noch heute anzutreffende Übersetzung für den deutschen Begriff „Wegweiser“.

Allerdings wurde der weisende Arm oder Finger bald abgelöst durch den uns heute so vertrauten Pfeil. In seiner abstrakten Form erscheint er so zweckdienlich und universell verständlich, dass selbst auf der an Außerirdische gerichteten informativen Plakette, die 1972 mit der die Raumsonde Pioneer 10 ins All geschossen wurde, ein hinweisender Pfeil verwendet wurde. Doch ist es noch nicht gar so lang her, dass der Pfeil zum Symbol wurde und den weisenden Finger ablöste - noch vor den Wegweisern in Druckerzeugnissen.

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In mittelalterlichen Handschriften findet man in der Randspalte gezeichnete Zeigefinger als Hinweiszeichen. Nach Aufkommen des Buchdrucks wurde das Symbol einer Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger weiter verwendet und schließlich ein standardmäßiges Sonderzeichen zur Strukturierung eines Textes – in der Typografie unter dem Fachbegriff „Manikel“ gefasst. Im 18. Jahrhundert tauchten - zunächst in technischen Abbildungen und Karten, etwa um die Fließrichtung eines Flusses zu dokumentieren – dann offenbar die ersten Pfeile auf.

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Diese hatten merkwürdigerweise die Gestalt von Pfeilen, wie sie von Bogenschützen abgeschossen werden. Diese Waffen waren aber längst aus dem Gebrauch gekommen! Mit zunehmender Verbreitung als Symbol zum Anzeigen von Richtungen wurden die Pfeile immer stärker abstrahiert, heute genügen uns oft zwei in einem Winkel aneinanderstoßende gerade Linien.

Womit wir wieder in Zell und dem Weg nach Hambach sind. Das moderne Wegzeichen für den Weg nach Hambach befindet sich – vergänglich und auf ehrenamtliche Markierer angewiesen – auf einem Baum neben dem alten Wegweiserstein. Und natürlich ist es nun ein Pfeil, der die Richtung angibt.