Partnerstadt - Nur 1867 Stimmen für neuen Bürgermeister Csorbai Protestwahl im ungarischen Mohács

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mül
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Bensheim. Deutlicher kann eine Ablehnung kaum ausfallen. Bei der Bürgermeisterwahl in Bensheims ungarischer Partnerstadt Mohács setzten die Wähler ein Zeichen. Nach dem überraschenden und tragischen Tod des amtierenden Bürgermeisters József Szekó am 25. September – wir haben berichtet – trat der Sozialist Ferenc Csorbai als einzig verbliebener Kandidat zur Wahl an.

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Insgesamt waren 15 389 Bürger zur Wahl aufgerufen. Nur 5943 machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, das sind 38,61 Prozent der Wahlberechtigten. Noch schlimmer kam es dann für den neuen Bürgermeister: Csorbai erhielt von den 5943 Stimmen gerade einmal 1867 Stimmen. 4076 Stimmen waren ungültig, weil auf den Wahlscheinen sein Name durchgestrichen war, beziehungsweise viele Wähler, den Namen durch den Namen József Szekó ersetzten.

Das heißt, nur 31,4 Prozent der zur Wahl gegangenen Mohácser wählten den künftigen Amtsinhaber. Csorbai, der auch für seine Partei auf der Liste der Kandidaten als Stadtverordneter stand, erhielt dort 16,6 Prozent der Stimmen, die Gegenkandidatin der Fidesz-Partei Victor Orbans weit über 62 Prozent. In allen acht Mohácser Wahlkreisen gewann Fidesz eindeutig, teilweise mit über 90 Prozent Stimmenanteil.

Die künftige Stadtverordnetenversammlung in Mohács besteht aus elf Mitgliedern, acht direkt gewählte der Fidesz, zwei Sozialisten und eine Frau der sozial-liberalen DK (demokratische Koalition). Diese drei Sitze kamen durch Überhangmandate zustande.

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Die beiden seitherigen von József Szekó eingesetzten Vizebürgermeister Erika Bodor-Kovacné und Aron Cserdi haben ihr Amt verloren. Erika Bodor-Kovacné arbeitet wieder in ihrem früheren Beruf als Lehrerin, Aron Cserdi bleibt dem Rathaus zunächst als Kommunikations- und Medienreferent erhalten.

Der seitherige dritte Vizebürgermeister Dr. Csaba Csizmadia, Chefarzt im Mohácser Krankenhaus, der nach dem Tod Szekós, die Amtsgeschäfte kommissarisch leitete, kandidierte ebenfalls als Stadtverordneter und gewann seinen Wahlkreis mit fast 70 Prozent der Stimmen. Ob er auch künftig Vizebürgermeister sein wird, steht noch nicht fest.

Vereidigung nächste Woche

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Der neue Bürgermeister wird in der kommenden Woche vereidigt. Ob er allerdings die komplette Amtszeit von fünf Jahren die Stadt regieren kann, bleibt abzuwarten.

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Frühestens nach sechs Monaten kann die Mehrheitsfraktion im Gemeindeparlament den Antrag auf Neuwahl stellen, so dass theoretisch in neun Monaten eine erneute Bürgermeisterwahl stattfinden könnte.

Nach Lage der Dinge sieht es derzeit so aus, als ob die Mehrheitsfraktion von diesem Recht Gebrauch machen wird. mül