Marktplatz - In der Verwaltung laufen die Vorbereitungen für den städtebaulichen Wettbewerb / Anfang Juni ist die Bekanntmachung Thema im Magistrat Preisgericht soll im Januar tagen

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Dirk Rosenberger
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Wie sieht der Marktplatz in Zukunft aus? Die Verwaltung bereitet zurzeit den städtebaulichen Wettbewerb vor. Anfang 2021 könnten die Entwürfe der Architekturbüros ausgestellt werden – sollte das Verfahren so laufen wie angedacht. © Neu

Bensheim. Zum Bensheimer Marktplatz gibt es viele Meinungen. Und das nicht erst, seit das Haus am Markt in Schutt und Asche liegt, H&M dort mal in einen Neubau ziehen sollte oder der Schorschblick in den Rang eines lokalen Heiligtums gehievt wurde.

„Das diskreditiert alle Bürger, die sich eingebracht haben“



Die Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung weist den Vorwurf der Bürgerinitiative „Bensheimer Marktplatz besser beleben“ zurück, bei der Marktplatzgestaltung würde der Bürgerwille missachtet und Bürgerbeteiligung sei nicht ernstgenommen worden.

„Das disqualifiziert das engagierte Vorgehen im Dialogprozess und diskreditiert alle Bürger, die sich eingebracht haben“, kritisierte die Baudezernentin im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass es immer Personen gebe, die sich nicht mitgenommen fühlen, sei normal. Aus ihrer Sicht sind die wesentlichen Punkte der Beratungen in das Eckpunktepapier eingeflossen.

Die Belebung des Marktplatzes stand dabei ganz oben auf der Prioritätenliste. Wenn man aber alle genannten Punkte zusammenführt, sei klar, dass dort ein Haus entstehen müsse. Das sei auch die Meinung des Bürgernetzwerks.

Rauber-Jung hält zudem einen städtebaulichen Wettbewerb fachlich für nötig. Trotz der teils sehr polemischen Aussagen aus den Reihen der BI sei man weiterhin gesprächsbereit. Den Vertrauensleuten habe man unter anderem in einem Gespräch erklärt, warum es nur auf einen Realisierungswettbewerb hinauslaufen könne.

Rückblickend könne man festhalten, dass man einen sehr aufwendigen Bürgerbeteiligungsprozess im vergangenen Jahr umgesetzt habe. „Was man da noch mehr tun oder diskutieren sollte, weiß ich wirklich nicht“, so die Erste Stadträtin. Sie glaube fest daran, dass der Wettbewerb eine Lösung für den Marktplatz ergeben werde, an der viele Menschen Gefallen finden können. Die Verwaltung befinde sich im Austausch mit der Architektenkammer, die das Verfahren weiterhin begleiten wird und nach deren Richtlinien der Wettbewerb abläuft.

Zur Diskussion um die Überreste des Hauses am Markt, die eingezäunt als Schutthaufen das obere Ende des Marktplatzes „zieren“, äußerte sich Rauber-Jung ebenfalls. Um die Fläche begehbar zu machen, reiche es nicht aus, Ehrenamtliche mit Eimer, Schubkarre und Schaufeln anrücken zu lassen. „Es befinden sich dort Hohlräume, der Bereich müsste aufwendig verdichtet werden.“ Hinzu käme unter anderem eine Absturzsicherung.

Sie hat deshalb den finanziellen Aufwand grob kalkulieren lassen. „Da sind wir bei 50 000 bis 55 000 Euro nur für eine begehbare Schotterfläche, ohne Sitzgelegenheiten.“ Das seien Kosten, da müsse man sich schon in normalen Zeiten gut überlegen, ob man das Geld ausgibt.

Die 53-Jährige hält es deshalb für angebracht, „nicht mehr ewig zu diskutieren, sondern mit einer guten Lösung für den Marktplatz endlich voranzukommen“. dr

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Man kann deshalb unfallfrei davon ausgehen, dass sich an der örtlichen Diskussionsfreudigkeit wenig ändern wird – gleich, ob vor die Kirche Sankt Georg ein Flachbau mit Dachterrasse, ein kleiner Stadtpark oder ein Hochhaus gebaut wird. Wobei bei Letzterem der Sturm der Entrüstung allein das Gebäude zum Einsturz bringen würde.

Um die Debattierlust weiter anzufachen, hat die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von CDU und SPD sicherlich nicht den städtebaulichen Wettbewerb auf den Weg gebracht. Vielmehr ging es den beiden Fraktionen nach eigener Aussage darum, das Vorhaben voranzubringen. Und genau damit befasst sich momentan im Rathaus ein Team um die Erste Stadträtin Nicole Rauber-Jung.

„Wir haben einen klaren Auftrag“

„Wir haben durch den Beschluss einen klaren Auftrag. Wir sind in der Pflicht, den städtebaulichen Wettbewerb zu starten, unabhängig von allen Störfeuern“, erklärte die Baudezernentin im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Eckpunkte dafür seien das Ergebnis eines sehr qualifizierten Bürgerdialogs.

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Nachdem sich vor ein paar Wochen herauskristallisiert hat, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr zu halten ist, gibt es nun konkretere Angaben. Anfang Juni soll dem Magistrat eine Vorlage zum Beschluss präsentiert werden, in dem es um die EU-Bekanntmachung des Wettbewerbs geht.

Eine Zustimmung vorausgesetzt, „hoffen wir, dass sich viele interessante Büros bewerben“, so Rauber-Jung. Sie geht davon aus, dass bis zu zwölf Teilnehmer ausgewählt werden können. Das sei eine vernünftige Größe und werde auch vom begleitenden externen Beraterbüro aus Darmstadt, das über viel Expertise verfüge, so eingeschätzt. Sollten letztlich mehr als ein Dutzend ernsthafter Kandidaten zur Verfügung stehen, müsse gelost werden.

Zeit bis November

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Wer es in die Endauswahl schafft, erhält Ende August die Auslobung mit allen Details – unter anderem sind dort bekanntlich die Resultate des Dialogprozesses zusammengefasst, der vom Bürgernetzwerk und der Stadt umgesetzt wurden und der die Grundlage des Ganzen bildet. Bis November haben die Architekten und Planer Zeit, die Aufgabe zu bearbeiten. Im September wird ein Kolloquium in der Weststadthalle vorgeschaltet, um offene Fragen zu beantworten.

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In der zweiten Januarhälfte soll das Preisgericht tagen und einen Siegerentwurf küren. Danach werden alle Entwürfe öffentlich ausgestellt und in einer Bürgerversammlung diskutiert – sofern das Coronavirus im Spätwinter 2021 keinen Ärger macht.

Die Verwaltung muss danach mit dem Sieger des Wettbewerbs in Verhandlungen treten und einen Beschluss für die Stadtverordnetenversammlung ausarbeiten. So stellt sich zurzeit zumindest der im Rathaus angedachte Ablauf dar.

Vorlage bis zur Sommerpause 2021

Wie auch immer die Fraktionen schließlich entscheiden werden, es wird das neue Stadtparlament sein, das die Vorgehensweise am Marktplatz bestimmt. Denn bis zur Kommunalwahl im März wird das komplette Verfahren nicht abgeschlossen sein. Rauber-Jung will aber noch vor der Sommerpause 2021 die Vorlage zur Abstimmung stellen.

Näheres gibt es mittlerweile auch zum Preisgericht. Das setzt sich aus vier Fachpreisrichtern und drei Sachpreisrichtern zusammen. Bei den Fachleuten habe man darauf geachtet, dass sie in Bensheim noch nichts geplant haben. Hinzu kommen mehrere Sachverständige, die mitreden und sich einbringen können, aber kein Stimmrecht haben.

Zu diesem Kreis zählen unter anderem je ein Vertreter der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften sowie zwei Personen, die am Dialogprozess teilgenommen haben.

Sie werden aus der Liste der Interessierten ausgelost. Wer am Ende in der Jury aktiv sein wird, steht öffentlich fest, sobald die Bekanntmachung veröffentlich wurde.

Wie eine Sitzung des Preisgerichts abläuft, soll zuvor im Ausschuss den Kommunalpolitikern vorgestellt werden – und den Bürgern zudem voraussichtlich über ein Video, wenn es mit einer Präsenzveranstaltung aus den bekannten Gründen schwierig wird.

Unterm Strich bedeutet das: Sollte aus städtischer Sicht alles reibungslos laufen, könnte man in grob einem Jahr wissen, wie der Bensheimer Marktplatz in Zukunft aussehen soll. Weil reibungslose Abläufe in Bensheim aber alles andere als an der Tagesordnung sind, gibt es dafür weder eine Garantie noch muss man davon ausgehen, dass Langweile in der Stadt einkehrt.

Redaktion