Kommunalwahl - Online-Diskussionsrunde der CDU beleuchtete die lokalen Bauprojekte Perspektiven für zusätzlichen Wohnraum

Von 
Thomas Tritsch
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Auf dem ehemaligen EKZ-Gelände an der Wormser Straße entsteht Wohnbebauung – es ist eines der größten innerstädtischen Neubaugebiete der letzten Jahre. © Zelinger

Bensheim. Bensheim braucht Wohnraum. Gleichzeitig soll der Flächenverbrauch in den Außenbereichen gestoppt werden. Übrig bleiben freie Böden im Bestand. Vier der fünf Bauvorhaben, die der CDU-Stadtverband jetzt in einer Videokonferenz näher beleuchtet hat, sind Konversionsprojekte: Ehemalige Geschäfts- und Gewerbeareale werden in Wohnsiedlungen umgewandelt. Eine naheliegende Lösung, aber auch eine Strategie mit begrenzten Kapazitäten, wie bei der Diskussionsrunde wiederholt geäußert wurde.

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„Solche Flächen dürften in Zukunft deutlich knapper werden“, gab Bernhard Stenger zu Bedenken. Innerörtliche Lücken, die durch den Abzug von Gewerbe oder Unternehmen für eine Wohnbebauung zur Verfügung stehen, wachsen nicht kontinuierlich nach. Einerseits ein Glück für die Kommune, die derzeit gleich mehrere solcher Konversionsflächen in eine neue Nutzung begleitet: Bereits in Planung oder Bau sind die Projekte auf dem ehemaligen Edeka-Gelände an der Moselstraße, am Meerbachsportplatz und auf dem langjährigen Standort der Christoffel-Blindenmission (CBM) in Schönberg. In den kommenden Jahren kommt das Großprojekt Sanner hinzu. Das Familienunternehmen zieht in den Stubenwald, danach soll in Auerbach auf rund drei Hektar in zentraler Lage ein neues Wohnquartier entwickelt werden.

Für Petra Jackstein, die für die CDU im Bauausschuss sitzt, ist die räumliche Verlagerung von Sanner nicht nur ein Segen für den Wirtschaftsstandort und für die weitere Firmenkarriere, sondern auch eine große Chance für eine attraktive Siedlung, die sich möglichst nahtlos in die Auerbacher Umgebung einfügen müsse.

In Bahnhofsnähe sollen zwischen 170 und 230 Wohneinheiten entstehen. Rund 25 Prozent wären für den sozialen Wohnungsbau reserviert. Mit einem Baurecht ist allerdings nicht vor 2024 zu rechnen. Bis dahin müssen Details wie Lärmschutz und Verkehrserschließung geklärt werden. Die Bürger sollen dabei mitreden dürfen, heißt es. Kritisch kommentierte Petra Jackstein in diesem Kontext die aktuell gültige Stellplatzsatzung: Auf dem künftigen Areal wären pro Wohnung 1,5 Plätze erforderlich. Dies reiche nicht aus und würde den ohnehin bestehenden Parkdruck im größten Stadtteil zusätzlich steigern.

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125 Wohnungen, dazu Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser: Auf dem ehemaligen EKZ-Gelände an der Ecke Wormser Straße und Moselstraße entsteht eines der größten innerstädtischen Neubaugebiete der letzten Jahrzehnte. Auf rund 14 000 Quadratmetern baut der Immobilienentwickler BPD im Innenbereich. 20 Prozent der Wohnungen sind für sozialen oder sozialverträglichen Wohnungsbau vorgesehen. Schwerpunktmäßig sollen mehrgeschossige Gebäude entstehen. Einzel- und Doppelhäuser sollen einen architektonisch sanften Übergang zu dem südlich angrenzenden Gebiet bilden, so Stadtverbandsvorsitzender Tobias Heinz.

Am Seegenberg, am Ex-Stammsitz der CBM, entstehen 170 Wohnungen in bester Schönberger Lagen. Ein Projekt mit Hindernissen. Der Bebauungsplan musste korrigiert und parlamentarisch beschlossen werden. Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung aus Stuttgart ist seit 2015 Besitzer des knapp vier Hektar großen Geländes, auf dem es – wenn alles weitere glatt läuft – im Laufe des Jahres 2022 mit den ersten Gebäuden losgehen könnte. Ein spezielles Energiekonzept soll begrünte Flachdächer samt Photovoltaikanlagen umfassen. Ziel sei eine Energieautarkie, skizzierte Rudolf Volprecht aus dem Schönberger Ortsbeirat die Planungen.

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Ebenfalls alles andere als reibungslos geht es am Meerbach vorwärts. Die Bietergemeinschaft Sahle/Bonava hatte zuletzt Ende 2024 als möglichen Einzugstermin kommuniziert. Eine geplante Bebauung des Geländes mit 100 Sozialwohnungen und bis zu 38 weiteren Wohnungen wurde wiederholt ausgebremst.

Konzept wurde erneut angepasst

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Im Herbst hatten die Bauträger mit neuen Entwürfen für Überraschungen gesorgt. Kommunalpolitisch sprach sich eine Mehrheit dafür aus, mit dem bisherigen Investor trotzdem weiter zusammenzuarbeiten, nachdem dieser sein Konzept erneut angepasst hatte. Eine Neuausschreibung hätte zu viel Zeit gekostet, sagt die CDU. Man sei über den Verlauf allerdings alles andere als glücklich, so Carmelo Torre. Es wäre unklug gewesen, in dieser Phase noch einmal die Pferde zu wechseln.

Der Bensheimer Architekt Sanjin Maracic hatte zuvor den zähen Fortgang des Bauprojekts bemängelt. „Es hat geruckelt, aber jetzt sind wir zuversichtlich“, kommentierte auch Torre. Bernhard Stenger regte an, bei solchen Wohnbauvorhaben künftig zu prüfen, ob und in welcher Form diese auch unter städtischer Regie durchgeführt werden könnten. Dies könne der Kommune neben Gestaltungshoheit auch finanzielle Vorteile bieten.

Das Fehlheimer Baugebiet „Im Langgewann“ entsteht nicht auf Bestandsflächen, sondern auf der „grünen Wiese“. Für die 67 Baugrundstücke für den privaten Wohnungsbau in Fehlheim Nord-West lagen der Stadt 215 Bewerbungen vor. Nach einem Bürgerbeteiligungsprozess wurde die Ausgestaltung des 5,2 Hektar großen Areals von den städtischen Gremien festgelegt.

Dort sollen Einzel- und Doppelhäuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser entstehen. Die Erschließungsarbeiten sind abgeschlossen. 146 bis 181 Wohneinheiten sollen dort realisiert werden.

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