Kinderbetreuung - Jetzt könnte es für Fehlheim und Schwanheim doch wieder eine Groß-Kita geben / Magistrat entscheidet heute Ortsbeiräte lehnen Kita-Pläne ab

Von 
Jeanette Spielmann
Lesedauer: 
Auf diesem Grundstück am Ortseingang von Fehlheim könnte eine siebenzügige Kindertagesstätte gebaut werden. © Funck

Schwanheim. Auch wenn sich letztlich nichts an dem vorhandenen Beschluss über den Bau einer großen Kindertagesstätte für Schwanheim und Fehlheim ändern dürfte, bezeichnete es Bürgermeister Rolf Richter als „wichtig“, dass die erneute Beratungsschleife in den beiden Ortsbeiräten gedreht wurde.

AdUnit urban-intext1

Da aber beide Gremien in der Sitzung am Montagabend dem Vorschlag der Verwaltung nicht folgen konnten, den im Februar von der Stadtverordnetenversammlung getroffenen Grundsatzbeschluss aufzuheben, wird Richter dem Magistrat in seiner heutigen Sitzung vorschlagen, die entsprechende Vorlage erneut zu beraten. Wird diesem Vorschlag gefolgt, ist alles wieder beim Alten und die Stadtverordnetenversammlung muss sich nicht erneut mit der Thematik befassen.

Bedenken wegen der Dimension

Was war passiert? Nachdem im Februar der Grundsatzbeschluss für den Neubau einer siebengruppigen Kindertagesstätte für beide Stadtteile getroffen worden war, gab es Bedenken seitens der Eltern und Kindergartenleitungen – vor allem wegen der Dimensionen der neuen Einrichtung. Aktuell werden die Kinder in Schwanheim unter evangelischer Trägerschaft in zwei Gruppen und in Fehlheim unter katholischer Trägerschaft in drei Gruppen betreut. Die Bevölkerung in den beiden Stadtteilen wird aber durch Neubaugebiete wachsen. Zu realisieren war ein solches Gebäude nur auf der freien Wiese westlich der Mühlgrabenstraße zwischen Schwanheim und Fehlheim im alten Neckarbett und dem regionalen Grünzug.

Nicht zukunftsorientiert

Nach den Einwänden aus den Stadtteilen machte sich die Verwaltung auf die Suche nach einer Alternative. Die wurde mit dem Verzicht auf eine gemeinsame Lösung im Neubaugebiet in Fehlheim gefunden (wir haben berichtet).

AdUnit urban-intext2

Nach Fertigstellung des fünfzügigen Fehlheimer Neubaus würde dann in Schwanheim der Neubau für den zweigruppigen Kindergarten erfolgen. Während der Bauphase könnten die Schwanheimer Kinder in das noch vorhandene Altgebäude in Fehlheim einziehen.

Dieser Vorgehensweise konnten allerdings beide Ortsbeiräte nicht folgen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Während es den Fehlheimern vor allem um den alternativen Standort im Neubaugebiet ging, auf dem aus ihrer Sicht eigentlich bis jetzt die Errichtung eines Dorfgemeinschaftshauses vorgesehen war, stellten die Schwanheimer die Betreuungssituation im Stadtteil in den Mittelpunkt.

AdUnit urban-intext3

So erinnerte Alexandra Michalka vom Ortsbeirat Schwanheim daran, dass sich der Ortsbeirat in der Januar-Sitzung einstimmig für den siebenzügigen Kindergartenbau ausgesprochen habe. Auch sei es für sie nicht zukunftsorientiert, auf den alten zweizügigen Kindergarten eine neue zweizügige Einrichtung zu bauen.

AdUnit urban-intext4

Udo Hölzel gab zu bedenken, dass im Falle der Alternativlösung der Schwanheimer Kindergarten erst nach der Fertigstellung der Fehlheimer Einrichtung gebaut werde und mit dem Einzug in den Schwanheimer Neubau vermutlich erst 2026 zu rechnen sei. Beklagt wurde von ihm auch ein grundsätzliches Zeitproblem bezüglich der Entscheidung, da die Unterlagen erst am Freitag zugestellt wurden. Ein Grund, warum sich vier Schwanheimer Ortsbeiratsmitglieder der Stimme enthielten und nur zwei die Vorlage abgelehnten. Vom Fehlheimer Ortsbeirat lehnten alle anwesenden fünf Mitglieder die Vorlage ab.

Den Äußerungen von Lothar Mundt und Stefan Stötzel zu Folge, wurde in Fehlheim mit dem Vorschlag des Alternativstandorts eine neue Diskussion aufgemacht, die in der nächsten Zeit die Gremien beschäftigen werde. Denn mit dem neuen Standort im Neubaugebiet wurde deutlich, dass sich der Wunsch des Ortsbeirates für ein neues Dorfgemeinschaftshaus an dieser Stelle wohl nicht realisieren lässt.

Begründung nicht nachvollziehbar

Bei der Begründung des neuen Kita-Standortes wurde zum einen davon gesprochen, dass „die bisher nicht beplante Gemeinbedarfsfläche für ein Dorfgemeinschaftshaus zu klein ist“. Außerdem machte Bürgermeister Richter in der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte im Dorfgemeinschaftshaus Schwanheim deutlich, dass auch aufgrund von Lärmemissionen ein Dorfgemeinschaftshaus im Wohngebiet nicht genehmigungsfähig sei.

Sowohl für Stötzel als auch für Mundt war diese Begründung nicht nachvollziehbar und auch völlig neu. Informationen dieser Art habe es bisher beim Thema Dorfgemeinschaftshaus im Neubaugebiet nicht gegeben. Auch wenn davon auszugehen ist, dass es im Neubaugebiet keine Kindertagesstätte geben wird, wurde das Thema Dorfgemeinschaftshaus in Fehlheim neu gesetzt.

Unterbrochen wurde die Sitzung zum einen, um die anwesenden Bürger zu Wort kommen zu lassen, und zum anderen, um sich vor der Beschlussfassung nochmals intern beraten zu können.

Seitens der Elternschaft wurde Bürgermeister Richter gedankt, dass er den „Ball der Eltern aufgenommen“ hat, und seitens der Fehlheimer Kindergartenleitung wurde auf die Nachteile einer großen Einrichtung mit mehr Belastung durch mehr Lärm verwiesen. Aus diesem Grund habe man den ursprüngliche Beschluss nicht unbedingt positiv aufgenommen.

Seitens der evangelischen Kirchengemeinde Schwanheim wurde verdeutlicht, dass man von einer „Ökumene“ mit der katholischen Kirchengemeinde Fehlheim geträumt habe, aber Eltern und Kindergartenleitung würden es anders sehen.

Freie Autorenschaft