Kommunalwahl - Wählergemeinschaft Bürger für Bensheim hofft auf ergebnisoffenen Prozess beim Ideenwettbewerb zum Marktplatz „Ohne Bürgerbeteiligung geht nichts“

Von 
Thomas Tritsch
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Die Wählergemeinschaft Bürger für Bensheim traf sich am Samstag mit Vertretern der Bürgerinitiative „Bensheimer Marktplatz besser beleben“ zu einem Informationsaustausch. © Neu

Bensheim. Bürgerinitiativen sind in Bensheim längst zu einer neuen demokratischen Kraft geworden. Ihre politischen Anliegen konzentrieren sich meist auf ein klar definiertes Ziel. Sie mobilisieren die Öffentlichkeit und üben Druck aus. Die Wählergemeinschaft Bürger für Bensheim (BfB) will, dass dies so bleibt. „Wir sollten diese Kultur weiterhin pflegen“, so Sprecher Franz Apfel am Marktplatz.

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Dort hatte sich die BfB am Samstag mit der aktuell prominentesten BI verabredet: Die Initiative „Bensheimer Marktplatz besser beleben“ hatte ihre Forderung nach einem ergebnisoffenen Ideenwettbewerb über etliche Hürden gebracht und so – nach Angaben der BI-Spitze – ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich letztlich deren Anliegen gebeugt, nachdem die Gruppe 3400 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt und zum Durchboxen einer nötigen Fristverlängerung zur Anerkennung sogar erfolgreich vor das Verwaltungsgericht gezogen war. Der Ausgang ist bekannt.

Neue Dramaturgie

Beim anstehenden Ideenwettbewerb liegen nun alle drei diskutierten Varianten nebeneinander auf dem Tisch: neben der Option einer ein- oder einer zweistöckigen Bebauung vor Sankt Georg gibt es auch die Variante „gar keine Bebauung“. Man warte die Pläne ab und treffe dann eine Entscheidung, so Franz Apfel, der die BI als wichtigen Impulsgeber für die Bensheimer Kommunalpolitik bezeichnete. „Ich werbe ausdrücklich darum, deren Anliegen ernst zu nehmen.“

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Die BI habe einem dringlichen Kapitel Bensheimer Stadtentwicklung eine neue Dramaturgie gegeben: Erst Bürgerversammlung, dann die Debatte und Beschlussfassung in den kommunalen Gremien. Die BfB unterstütze diese Vorgehensweise ausdrücklich, so Apfel im Gespräch mit den BI-Vertrauensleuten Theo Sartorius und Gundula Bunge-Glenz. Es müssten zunächst plastische Entwürfe für alle Varianten aus dem Bürgerbeteiligungsprozess vorgestellt werden. Die Leute sollen sich ein eigenes Bild machen können. Dies war und sei noch immer die Position der BfB.

Die Wählergemeinschaft hofft, dass man mit der Gestaltung des Marktplatzes, die seit über zehn Jahren ein lokaler Streitpunkt ist, nun in ein erfreuliches Finale einbiegen werde. Vor Ort skizzierte Apfel die zentralen Kapitel dieser „Stolperfalle“, vom geplanten Neubau auf der Abrissfläche „Haus am Markt“ über die massiven Bürgerproteste bis zur berühmten Solo-„Reißleine“ des damaligen CDU-Bürgermeisters Rolf Richter, was schließlich zum Zusammenbruch der Koalition mit GLB und BfB geführt hat.

Der kostbare Schorschblick

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Im Februar hatten dann CDU und SPD im Stadtparlament für die Umsetzung eines städtebaulichen Wettbewerbs mit einem konkreten Ziel gestimmt: Ein Gebäude für eine gastronomische Nutzung mit Flachdach und damit niedrig genug, um den kostbaren Schorschblick nicht zu verstellen. Das ist nach wie vor eine Option. Allerdings nicht mehr die einzige.

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„Das ist übrigens genau die gleiche SPD, die bei der Kommunalwahl für einen Wechsel wirbt und gemeinsam mit der CDU einen Abriss der Sparkasse zulassen will“, stichelte Apfel, während im Haus Böhler wenige Meter weiter die Umbauarbeiten vorangingen. In dem historischen Gebäude sieht Apfel eines von mehreren Puzzleteilen für die Zukunft des Platzes. Das geplante Café mit Terrasse könne die Meile gewinnbringend beleben. Theo Sartorius verweist auf den darunter liegenden Gewölbekeller, den man eventuell in eine gastronomische Nutzung einbeziehen könnte.

Auch im ehemaligen Kaufhaus Krämer, von der Marketing- und Entwicklungs-Gesellschaft (MEGB) gekauft, sieht er Potenzial. Unumgänglich seien außerdem weitere, vor allem „unbelastete“ Gespräche mit dem Eigentümer der maroden Fachwerkhäuser Marktplatz Nummer 2 und 3. Die neue Bürgermeisterin Christine Klein könne hier zielführend aktiv werden.

„Das Bürgernetzwerk hat gute Arbeit geleistet“, sagte Stadtverordneter Norbert Koller. Jetzt komme es darauf an, den Bereich Marktplatz vernünftig und aus einem Guss zu gestalten. Der „genius loci“, also der Geist des Ortes“, spiele dabei eine besondere Rolle.

Das sieht die Bürgerinitiative genauso. Statt einer Fülle von Einzellösungen brauche man ein städtebauliches Gesamtkonzept, so Gundula Bunge-Glenz. Der frühere Bensheimer Baustadtrat Theo Sartorius konkretisiert: Es gehe jetzt nicht um irgendwelche aufwendigen Masterpläne („dauert zu lange“), sondern um eine vernünftige und perspektivische Erfassung der Ist-Situation ohne jede Hektik.

Ergebnisse auf zwei Seiten

Man müsse in Ruhe schauen, welche zentralen Punkte im Innenstadtbereich einen Bezug zum Marktplatz aufweisen und diese in kompetenter Runde kritisch abwägen. Sartorius schlägt das städtische Bauamt vor. „Dazu braucht es Insider, keine Externen.“ Dieser Prozess sei weder kosten- noch zeitaufwendig. Die Ergebnisse würden auf zwei Seiten passen und könnten als Basis für den Ideenwettbewerb dienen.

Den vom Stadtparlament eröffneten Kurs will die Bürgerinitiative jetzt im Einklang mit den städtischen Gremien weitergehen, betont Gundula Bunge-Glenz. Die BI stehe für eine Mitarbeit im weiteren Prozess ausdrücklich zur Verfügung. Es habe sich gezeigt, dass es sich trotz aller Anstrengungen und Hürden lohne, als Bürger Verantwortung zu übernehmen, um einen Konflikt konstruktiv zu lösen. „Wir sehen darin auch einen Beitrag für einen Kulturwandel, der mehr Meinungsvielfalt und ein wertschätzendes Miteinander in der Stadtgesellschaft zum Ziel hat.“

Für Franz Apfel sind basisdemokratische Prozesse ein elementarer Bestandteil in der Kommunalpolitik der nächsten Jahre. Es habe sich gezeigt, dass ohne Bürgerbeteiligung in Bensheim „nichts mehr geht“. Ob sich sein Wunsch nach einer friedlichen Annäherung von Bürgernetzwerk und Bürgerinitiative erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Die beiden Lager fielen bislang nicht durch konstruktive Dialoge auf. „An uns lag es nicht“, meinte Theo Sartorius.

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