Marktplatz - Bürgerinitiative stellt erneut ihre Position dar / Vertrauensleute üben Kritik am geplanten Wettbewerb und pochen auf eine Fristverlängerung Nur ein „Pissoir mit Bierausschank“

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Dirk Rosenberger
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Ein Blick über den Kirchturm hinaus: Der Marktplatz mit seiner offenen Wunde am oberen Ende im Zentrum der Bensheimer Innenstadt. © Neu

Bensheim. In der Debatte um ein mögliches Bürgerbegehren zur Zukunft des Marktplatzes sind die Fronten weiter verhärtet. Ob die Bürgerinitiative „Bensheimer Marktplatz besser beleben“ nach der Corona-Pause eine Fristverlängerung erhält, um Unterschriften zu sammeln, ist weiterhin offen. Das Innenministerium hatte eine solche Vorgehensweise empfohlen. Die Verwaltung hat eigene juristische Stellungnahmen einholen lassen. Wie diese ausgefallen sind, ist öffentlich nicht bekannt.

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In einem Pressegespräch haben die Vertrauensleute der BI am Dienstag erneut ihre Position dargestellt und dabei teils mit deutlichen Worten die Rathausspitze kritisiert. „Es ist bedauerlich, dass das Thema so viel negative Kräfte bindet“, erklärte Gundula Bunge-Glenz. Mittlerweile warte man seit vier Wochen auf eine Rückmeldung der Stadt. Alles sei festgefahren. Sie forderte, dass eine engagierte Bürgerbeteiligung ernstgenommen werden müsse und nicht auf „Alibi-Veranstaltungen“ reduziert werden dürfe.

Gebäude kein Konsens

Bunge-Glenz erklärte, dass es aus ihrer Sicht klug wäre, einen Konsens zu finden. Dieser Konsens bestünde jedoch nicht im Bau eines Gebäudes, sondern in der Belebung des Marktplatzes. Und diese hänge nicht an einem Haus. „Das ist zu kurz gesprungen.“

Die BI zeigte sich zuversichtlich, die fehlenden Unterschriften in den 18 bis 20 Tagen, die ihnen zugestanden werden könnten, zu sammeln. „Der Dialog mit den Bürgern vor den Corona-Einschränkungen hat uns bestärkt darin, dass wir zum Erfolg kommen können“, sagte Akram El-Rikabi.

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Wie viele Unterstützer bisher unterschrieben haben, wollten die Wortführer am Dienstag weiterhin nicht sagen. Theo Sartorius, der als Stellvertreter der Vertrauensleute fungiert, äußerte die Befürchtung, dass die Zahl instrumentalisiert werden könnte. „Der Bürgermeister denkt sehr schlicht“, so Sartorius.

Er selbst gehe von einer exponentiellen Entwicklung aus, sobald man wieder loslegen dürfe – und nicht von einer linearen. Das könne man den Leuten aber nicht begreiflich machen. Er sei sich aber sicher, dass man die erforderlichen 3200 Unterstützer bekommen könne. Sartorius sparte ohnehin nicht mit markigen Aussagen. Für ihn sei es unverständlich, dass der Bürgermeister als gelernter Jurist die Stellungnahme aus dem Innenministerium von drei bis vier weiteren Stellen prüfen lasse. Das sei albern. „Wovor hat er Angst?“ Im Rathaus sei man panisch, weil in Kürze Wahlen anstehen würden.

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Einen städtebaulichen Wettbewerb unter den von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Vorgaben hält der ehemalige Stadtrat für unnötig. „Für ein Pissoir mit Bierausschank“ brauche man den Wettbewerb nicht. Man wolle nur die Versäumnisse der Vergangenheit an dieser Stelle ausgleichen. „Damit wird aber der Bürgerwille missachtet.“ Die Bensheimer Probleme lägen tiefer und seien nicht mit einem „Hütchen am Marktplatz-Ostrand“ zu lösen.

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Für tragfähige Konzepte braucht es allerdings seiner Meinung nach eine „runderneuerte Stadtverordnetenversammlung, die selbst denkt und Vorlagen liest sowie die Interessen der Bürger vertritt“. Der Rathausspitzer schlug er vor, doch „mal einen Lehrgang“ zu besuchen. Generell, so Gundula Bunge-Glenz und Akram El-Rikabi, brauche es weniger Feindbilder und Partei-Taktiken, sonder vielmehr Respekt und Wertschätzung sowie die Bereitschaft, miteinander zu reden, um die Stadt zukunftsfähig aufzustellen. Den Vorwurf, die BI würde durch ihren Vorstoß die Neuausrichtung ausbremsen, wiesen sie zurück. Die Belebung der Innenstadt sei ein langfristiger Prozess. In Bensheim sei aber in den vergangenen Jahren schon zu wenig passiert, bemerkte El-Rikabi mit Blick auf Leerstände, das Neumarkt-Center oder den alten Flügel des Heilig-Geist-Hospitals.

Seiner Ansicht nach fehlt es an einem übergreifenden Konzept. Es werde nur interessenbezogen agiert. Die Entscheidungen seien nicht nachvollziehbar, man verstehe die Motivation dahinter nicht. Stattdessen werde es in der Innenstadt seit zehn Jahren leiser. Dabei gelte es, den Marktplatz, „ein Juwel“ (El-Rikabi), zu entwickeln. Dafür sei ein Ideenwettbewerb die beste Vorgehensweise.

Trotz aller Verstimmungen und Misstöne auf beiden Seiten gibt sich die Bürgerinitiative weiterhin dialogbereit. Man würde sich freuen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Trotz zweier Gespräche mit der Rathausspitze in den vergangenen Wochen sieht Gundula Bunge-Glenz diesen Punkt als nicht erreicht an. Vielmehr sei es bei den „Begegnungen“ um ein Verteidigen der Position gegangen.

Strukturen aufbrechen

Die BI beharre allerdings nicht auf einen Ideenwettbewerb, es sei nur die Reaktion auf den Realisierungswettbewerb gewesen. Grundsätzlich gehe es um ein Aufbrechen der Strukturen. Die Bürger müssten mitgenommen werden, das Miteinander stehe im Vordergrund, mahnte El-Rikabi einen offenen Dialog und transparente Entscheidungen an.

In den Reihen der BI fühlt man sich jedenfalls bereit für die Wiederaufnahme der Unterschriftensammlung. „Wir lassen nicht locker und wollen mit unserem Anliegen Gehör finden.“ Man wolle einen Wandel mitgestalten, damit der Marktplatz der Zukunft doch noch zu einer Erfolgsgeschichte werde, so Gundula Bunge-Glenz.

Redaktion