Hilfsverein - In den vier Heimen des Vereins in Bhopal (Indien) schränkt die Corona-Pandemie den Alltag ein / Außenkontakte fehlen

Nitya Seva: Täglich mit Indien in Kontakt

Von 
red
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Im Kinderheim des Vereins Nitya Seva in der indischen Stadt Bhopal findet unter anderem Online-Unterricht statt. © Verein

Bensheim. Der in Bensheim-Auerbach ansässige Verein Nitya Seva kümmert sich seit über 20 Jahren um Not leidende Kinder in der Millionenstadt Bhopal in Indien. Aktuell betreibt er vier Kinderheime mit insgesamt 201 dort lebenden Jungen und Mädchen. Bei der Durchführung des Projektes in Bhopal wird Nitya Seva aktuell von 51 Mitarbeitern, einem Arzt, einer professionellen Beraterin (gesetzlich vorgeschrieben), einem Elektriker und einem Klempner unterstützt.

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Bhopal und der Bundesstaat Madhya Pradesh sind durch das Corona-Virus sehr belastet. Auf Grund der hohen Anzahl der Infektionen sind die Impfstoffe und die Sauerstoffversorgung knapp geworden. Die Krankenhäuser sind überbelegt, unzählige Menschen warten auf ihre Aufnahme und die ärztliche Versorgung. Die Ansteckungsgefahr ist im Vergleich zur ersten Welle sehr hoch, mit einer schnellen Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus und einer hohen Todesrate.

Nitya Seva hatte im April 2020, als die Infektionssituation noch deutlich entspannter war, Mahlzeiten für über 5600 besonders bedürftige Menschen ausgegeben. „Leider lässt es die aktuelle Situation nicht zu, eine solche Aktion nochmals durchzuführen“, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung.

Neben strikten Ausgangsbeschränkungen wäre es für die Mitarbeiter des Vereins wegen der Ansteckungsgefahr zu gefährlich, mit einer größeren Menschenanzahl in Kontakt zu treten, und es wäre aktuell seitens der Regierung auch nicht erlaubt. Außerdem würden sie bei einer eventuellen Infektion nicht nur sich selbst, sondern auch die Kinder in Gefahr bringen. Daher stellt Nitya Seva eine solche Maßnahme erst einmal bis zu einer Verbesserung der Situation zurück.

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Unterricht nur online möglich

„Die Corona-Pandemie war und ist für uns eine große Herausforderung, die wir aber bisher gut gemeistert haben. Wir haben alle Anstrengungen unternommen, unsere Kinder und Mitarbeiter so gut als möglich zu schützen“, so der Vereinsvorsitzende Claus D. von der Fink. Seine Frau Asha ist im täglichen Kontakt mit den Projektverantwortlichen vor Ort.

Seit dem 25. März 2020 sind die Schulen und Universitäten geschlossen. Teilweise erhalten die Kinder des Vereins Online-Lerneinheiten. Die Jungen und Mädchen halten sich seitdem in den vier Heimen auf, überwiegend ohne Außenkontakte.

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Mehrfach im Monat kommt ein Arzt, der die Kinder untersucht und im Erkrankungsfall medizinisch versorgt. Es werden Schnelltests vorgehalten. Auf die Einhaltung der erforderlichen Hygienemaßnahmen wird großen Wert gelegt. Täglich erfolgt eine Messung der Körpertemperatur und des Blutsauerstoffgehaltes. Kinder mit Erkältungssymptomen werden sofort auf Corona getestet und auch bei einem negativen Ergebnis bis zur völligen Genesung im Heim getrennt untergebracht.

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Der Alltag im großen Kinderheim in Bhopal-Pipalner mit aktuell 30 Jungen im Alter bis zehn Jahren und 90 Mädchen bis zum 18. Lebensjahr stellt sich wie folgt dar: Die Kinder stehen morgens um 6 Uhr auf, betreiben Yoga und Sportübungen und nehmen ihr morgendliches Bad. Nach dem Frühstück um 8.45 Uhr räumen sie ihre Zimmer auf. Von 10 bis 12 Uhr unterrichten die größeren Mädchen die kleineren Kinder. Von 12 bis 13 Uhr können die Kinder Aktivitäten wie Tanzen, Malen und Basteln durchführen und sogar kochen lernen. Danach gibt es Mittagessen. Von 14 bis 16 Uhr ist Ruhezeit, danach können die Kinder spielen. Um 17 Uhr gibt es Snacks mit Milch und Obst. Von 18 bis 20 Uhr gibt es weitere Unterrichtseinheiten. Ab 20 Uhr gibt es Abendessen, zuerst für die kleineren Kinder und danach für die Großen. Bis zum Schlafengehen um 22.30 Uhr dürfen die Kinder Fernsehen schauen.

Geduldig und diszipliniert

„Unsere Kinder haben die über 14 Monate quasi in Isolation gut überstanden. Sie sind geduldig, diszipliniert und lebensfroh. Wir sind so froh, dass es ihnen gut geht. Nun sind wir in großer Hoffnung, dass sich die Corona-Situation verbessert und ein Stück Normalität zurückkehrt“, so das Ehepaar von der Fink. red