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Umweltverbände - Entscheidung für Groß-Kita sollte von den Verantwortlichen zurückgenommen werden

Naturschützer üben scharfe Kritik

Von 
red
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Bensheim. Die Bensheimer Ortsvereine der drei Naturschutz- und Umweltverbände Botanische Vereinigung für Naturschutz (BVNH), BUND und Nabu äußern in einer gemeinsamen Pressemitteilung Kritik zur geplanten Groß-Kita zwischen Schwanheim und Fehlheim, die die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen der Koalition CDU, SPD und FDP beschlossen hat.

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Die Kita soll in einem Grüngürtel gebaut werden, der ursprünglich um Bensheim herumführen sollte. Dieser Grüngürtel sollte als Vorrangfläche dienen und niemals bebaut werden, „schlimmer noch: Bei der Fläche, die für die Kita vorgesehen ist, handelt es sich um das Altneckarbett“, schreiben die Umweltverbände. Bauliche Eingriffe in diesen Bereichen seien nicht auszugleichen und ein Beitrag zum fortschreitenden Artensterben.

„Ein schwerer Schlag“

Der Grüngürtel sei 2009 von den damaligen Verantwortlichen der Öffentlichkeit versprochen worden, mit der Zusage, dieser solle Zug um Zug mit der Stubenwald-Bebauung weiter entwickelt werden. Bislang sei es leider nur zu einzelnen Maßnahmen gekommen, beklagen die Naturschützer. Die jetzige Planung im alten Neckarbett sei ein schwerer Schlag. Entlang des alten Neckarbettes zeigten sich unter anderem die Frischluftströme und Wasserschutzbereiche, die entlang dieser Niederungen die Luftzufuhr gewährleisten.

Das gesamte Gebiet des ehemaligen Neckarlaufs verfügt laut der Umweltverbände über Grundwasserströme, die durch Bautätigkeiten nicht unterbrochen werden dürfen, zumal das Gebiet auch Wassergewinnungszone des Brunnens Feuersteinberg des Wasserbeschaffungsverbandes Riedgruppe Ost ist. Dass der Großteil dieser Riedlandschaft auch Retentionsraum für Hochwasser nach Wolkenbrüchen und Starkregen sein muss, werde völlig außer Betracht gelassen.

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„Die Koalition aus CDU, SPD und FDP verzichtet offenbar bewusst auf die Beratung durch die Naturschutzkommission und Naturschutzvertreter und stimmt direkt gegen die beiden neugewählten Ortsbeiräte in Fehlheim und Schwanheim, die ja primär die Aufgabe haben, ihre jeweiligen Einwohner zu vertreten“, schreiben die Naturschützer. Dass in der Vergangenheit auch Widerstand aus der Elternschaft und von Erziehern kam, vervollständige das Bild einer nicht nur für die Natur rücksichtslosen Entscheidung.

Obwohl doch vor kurzem noch ein anderer Politikstil für Bensheim allgemein verkündet wurde, sei bei der letzten Stadtverordnetenversammlung davon wenig zu spüren gewesen. „Als Gipfel der Ignoranz muss leider ein Redebeitrag aus den Reihen der FDP kritisiert werden, nachdem angeblich Naturschützer kein Problem mit dem Standort hätten“, beklagen die Verbände.

Die Begründung der Verwaltung und der Koalition sei leider mehr als dürftig gewesen, es gebe kein Zahlenwerk, bei dem Sanierungen und Neubauten der beiden bestehenden Kindergärten in Fehlheim und Schwanheim einem geplanten Neubau gegenübergestellt worden wären. Eine Groß-Kita werde im Bau und Unterhalt als günstiger dargestellt.

Gefährliche Linkskurve

Auf die Anmerkungen aus den Reihen der Opposition, dass extrem aufwendig auf Stelzen gebaut werden müsste und ja die Kirchen sich mit bisher hohen fünfstelligen Beträgen zurückziehen würden, sei nicht geantwortet worden. Wenn der Bau dieser Groß-Kita etwa Pfahlgründungen oder weiße Wannen verlange, könne keinesfalls von einer günstigeren Bebauung gesprochen werden, sind sich die Umweltverbände sicher.

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Das Bild vom schlechten Standort werde zudem noch durch die mangelhafte Verkehrssicherheit vervollständigt. Die gefährliche Linkskurve vor Fehlheim stellt für die Umweltschützer ein weiteres Argument gegen diesen Standort dar. „Insofern ist es vollkommen unverständlich, dass die Koalition ihre Entscheidung als alternativlos hinstellt, obwohl vor kurzem noch die Groß-Kita zurückgezogen wurde und die beiden Kitas saniert bzw. neu gebaut werden sollten.“

„Unvernünftige Entscheidung“

Diese „unvernünftige Entscheidung“ zeige keinerlei Empathie für die Kinder und das Kindeswohl und nehme keine Rücksicht auf den Rat der Kindergarten-Pädagogen.

Die Bensheimer Naturschutzverbände BUND, Nabu und Botanische Vereinigung Bergstraße rufen daher die Verantwortlichen eindringlich dazu auf, die Entscheidung zu überdenken. „Sie sollten konsensorientiert arbeiten, statt konfrontativ und ihren Aufstellungsbeschluss zurückziehen und auf ihre Ortsbeiräte hören“, fordern sie.

Es sei leider ein weiteres versuchtes Bebauungsplanverfahren in Bensheim, das gute Chancen habe, zeitlich und finanziell durch aufwendige Gründungen und den massiven Anstieg der Baukosten aus dem Ruder zu laufen – und sorge schon jetzt schon für viel zerstörtes Vertrauen. red

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