Kommunalpolitik - Bei der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurden etliche Ehrentitel verliehen / Eine Entscheidung vertagt

Magistrat wird erst Ende Mai gewählt

Von 
Dirk Rosenberger
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In der Stadtverordnetenversammlung wurden langjährigen und nun ausgeschiedenen Mandatsträgern Ehrentitel verliehen. © Funck

Bensheim. So jung wie am Donnerstagabend kommen die Stadtverordneten nicht mehr zusammen – Gruß an das Phrasenschwein – und auch nicht in dieser Besetzung. Denn in den Reihen der Fraktionen saß unter Umständen die eine oder der andere, die künftig auf der Magistratsbank Platz nehmen werden.

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Die Ernennung und Vereidigung der künftigen ehrenamtlichen Stadträte wurde in der konstituierenden Sitzung allerdings auf Antrag der CDU-Fraktion und mit einstimmigem Beschluss verschoben. Der Anlass: Ein Antrag zur Hauptsatzung, der vorsieht, die Zahl der Stadträte von acht auf neun zu erhöhen (wir haben berichtet). Der von allen Fraktionen getragene Antrag stieß naturgemäß auf keinen Widerstand, so dass BfB und FWG erspart bleibt, auf das Losglück zu hoffen, um einen Sitz zu ergattern.

Sollte es bei der Wahl in der ersten Arbeitssitzung des Stadtparlaments am 20. Mai keine taktischen Manöver mehr geben, kann die CDU in den nächsten fünf Jahren drei Vertreter in den Magistrat schicken, die Grünen sind mit zwei Stadträten dabei, SPD, FDP, BfB und FWG mit jeweils einem. Die AfD bliebe aufgrund ihres Ergebnisses bei der Kommunalwahl außen vor.

Blumenstrauß und Urkunde

Am Donnerstag blieb die Zusammensetzung des künftigen Gremiums aber lediglich eine Randnotiz ohne Aufregerpotenzial. Diese Aufgabe erfüllte stattdessen die Verleihung des Titels Ehrenstadtverordneter an Carmelo Torre, weil die Freien Wähler ihm diese Würdigung versagen wollten (wir haben berichtet).

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Der bisherige CDU-Stadtverordnete konnte nach einer Abstimmung, die nicht zugunsten der FWG ausging, Blumenstrauß und Urkunde dennoch in Empfang nehmen – einschließlich lobender Worte der Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert (CDU). „Du trägst Bensheim in deinem Herzen. Ich bedaure es sehr, dass wir Dich aus diesem Amt verabschieden müssen. Die Ernennung zum Ehrenstadtverordneten ist Dank für dein unermüdliches Engagement für unsere Stadt in den vergangenen 20 Jahren. Ich danke Dir sehr herzlich im Namen der Stadt Bensheim und wünsche Dir alles Gute für deine weitere Zukunft.“

Zwar gab es für Torre danach nicht von allen Stadtverordneten Applaus (bei der FWG und den Grünen zeigte sich Zurückhaltung), die CDU-Fraktion stand jedoch geschlossen auf und spendete Beifall. Den gab es auch für den Parteikollegen Markus Woißyk nach 23 Jahren im Stadtparlament, davon 19 Jahre als Fraktionschef, sowie 24 Jahren im Ortsbeirat Mitte.

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„Dein Rückzug ist ein großer Verlust für die Bensheimer Kommunalpolitik. Ich danke Dir im Namen der Stadt Bensheim sehr für deinen Einsatz und wünsche Dir ganz viel Freude in deinem neuen Lebensabschnitt“, würdigte Deppert das Engagement von Woißyk, der ebenso wie Torre noch zusätzlich in Ausschüssen, Kommissionen und Beiräten saß.

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Das gilt auch für Holger Steinert, der ebenfalls zum Ehrenstadtverordneten ernannt wurde. Der frühere FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende kommt offiziell auf 20 Jahre als Mandatsträger, kommunalpolitisch zählt er aber schon länger zu den prägenden Figuren in Bensheim. „Sie haben sich in außerordentlichem Umfang eingebracht. Darüber hinaus waren Sie in den vergangenen fünf Jahren stellvertretender Ortsvorsteher im Ortsbeirat Schönberg. Ihre FDP-Fraktion haben Sie immer gut und fair geführt – ebenso wie den Diskurs im Stadtparlament“, betonte die Stadtverordnetenvorsteherin.

Ausgezeichnet wurden außerdem mehrere ehemalige Ortsbeiräte sowie der langjährige Ortsvorsteher von Hochstädten, Bernd Rettig. Er wurde zum Ehrenortsvorsteher ernannt, nachdem er 35 Jahre im Dienst war und 21 Jahre das Gremium leitete. „Unter ihrer Ägide hat sich Hochstädten zu einem ganz besonderen Stadtteil entwickelt, in dem kreative und unkonventionelle Ideen entstehen und umgesetzt werden – zum Beispiel das Hochstädter Haus“, bilanzierte Deppert.

Die größte Ausdauer bewies allerdings Klaus-Peter Koch, der von 1985 an insgesamt 36 Jahre im Ortsbeirat von Schönberg vertreten war. „Das ist wirklich etwas Besonderes. Einige der hier versammelten Stadtverordneten waren noch gar nicht geboren, da haben Sie sich bereits für die Belange von Schönberg eingesetzt“, bemerkte die Parlamentschefin.

„Dank von ganzem Herzen“

Auf 20 Jahre brachte es darüber hinaus Achim Benick (Ortsbeirat Auerbach), der ebenso wie Dietmar Eberlein (28 Jahre im Schwanheimer Ortsbeirat) von Christine Deppert für das jahrzehntelange Engagement geehrt wurde. 24 Jahre gestaltete Christoph von Fumetti die Auerbacher Zukunft mit, fünf Jahre war er außerdem Stadtverordneter für die Grünen. Im größten Stadtteil wirkte auch Thomas Roth 21 Jahre lang. Dafür gab es wie bei allen anderen Dank, Anerkennung, Urkunde und Blumenstrauß.

Als „Schwergewicht in Sachen Sozialpolitik“ würdigte Christine Deppert Brigitte Schmidt, die 24 Jahre im Ortsbeirat Mitte und acht Jahre in der Stadtverordnetenversammlung präsent war – und in weiteren Ehrenämter Flagge zeigte. „Ich nenne nur das Stichwort Handkäs’-Königin“, meinte die Stadtverordnetenvorsteherin.

Sie wurde ebenso zur Ehrenortsbeirätin ernannt wie Rita Schuh, die mehr als 28 Jahre im Schönberger Ortsbeirat aktiv war, zunächst als Schriftführerin, danach als stellvertretende Ortsvorsteherin. Einen „Dank von ganzem Herzen“ sprach Bürgermeisterin Christine Klein an die Geehrten aus. Sie wisse, wie viel Zeit, Energie und manchmal auch Leidensfähigkeit dieses Engagement bedeute. Leider sei Lokalpolitik nur selten ein Bereich, der einem lange und öffentliche Lobeshymnen einbringe. Umso wichtiger sei eine entsprechende Würdigung dieses persönlichen Einsatzes.

Sowohl Klein als auch Deppert bedauerten, dass wegen der Corona-Pandemie die Verabschiedungen nicht im gewohnten Rahmen zelebriert werden konnten. Wenn es die Situation zulässt, soll das nachgeholt werden. Dann will man zudem die Stadtverordneten ordnungsgemäß würdigen, die in der neuen Wahlperiode nicht mehr dabei sind. Aus Zeitgründen mit Blick auf den Infektionsschutz hatte man sich für ein strafferes Programm entschieden. Ein Plan, der übrigens aufging. Nach zwei Stunden war Feierabend. Vorausblickend kann man aber jetzt schon festhalten, dass für die erste Arbeitssitzung zwei Stunden keinesfalls ausreichen werden.

Redaktion