Woche junger Schauspieler - Morgen geht es mit dem Stück „Tartuffe“ los

Machtspiele eines Horrorclowns

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red
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Bensheim. Mit der Auftaktveranstaltung am Sonntag (13.) um 19 Uhr stimmen die Veranstalter der 26. Woche Schauspieler, die in diesem Jahr digital stattfindet, auf das Programm ein. Die Jury unter dem Vorsitz von Dagmar Borrmann (Dramaturgin und Hochschullehrerin), Antonia Leitgeb (stellvertretende Leiterin Studiengang Dramaturgie Theaterakademie August Everding), Carola Hannusch (Dramaturgin Theater Essen) und Moritz Peters (Regisseur und Dramaturg Schlosstheater Celle) stellen im Gespräch mit den Beteiligten der Bühnen das Festivalprogramm vor.

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Im Anschluss daran (ca. 19.20 Uhr) beginnt die Einführung für das Moliére-Stück „Tartuffe“ von der Universität der Künste Berlin. Dabei handelt es sich um ein Ensembleprojekt des 3. Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kostümbild.

Zum Inhalt: Kompletter Rollback – seit im Haus Orgon die ausübende Macht in die Hände eines Herrn Tartuffe gelegt wurde, herrscht das Regime des Verbots. Die Tochter wird zwangsverheiratet, der Sohn verstoßen, die Ehefrau entmündigt. Dabei liegt das blanke Eigeninteresse des neuen Hausfreundes offen da vor aller Augen. Durch die Maske des hypermoralischen Frömmlers scheint überdeutlich der übergriffige Sexist, der Lügner und Erbschleicher. Einzig und allein der Hausherr durchschaut dieses Spiel nicht. Dem hartgesottenen Hausmädchen Dorine bleibt es überlassen, dem defätistischen Familienpack die Strategien des kollektiven Widerstands einzupauken. Die absurde Mechanik eines verhinderten Aufstands tritt überdeutlich zutage. Molières Phantasmagorie von der Machtergreifung eines Horrorclowns scheint 300 Jahre später politisch realer denn je. Dauer der Veranstaltung: 75 Minuten.

Gleich am Montag (14.) um 19 Uhr geht es weiter mit dem Stück „Der Nazi & der Friseur“ mit dem Staatsschauspiel Dresden.

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Zum Inhalt: Hochzeitstag von Friseur Itzig Finkelstein und seiner Frau Mira im neugegründeten Staat Israel unter Holocaustüberlebenden. Was niemand wissen darf: Iztig Finkelstein war nicht Gefangener im Konzentrationslager, er ist der SS-Mann und Massenmörder Max Schulz. Mit einem Beutel voller Goldzähne und einer gestohlenen jüdischen Identität reist er nach Palästina aus und macht sich im Kampf um den jüdischen Staat verdient. Eine groteske Geschichte, die vermag, mit Übertreibung und Zuspitzung den Unvorstellbarkeiten des Realen näher zu kommen, als es Realismus könnte. Dauer der Veranstaltung: 100 Minuten.

Aufgrund der derzeitigen Inzidenzwerte ist es möglich, im Saal des Parktheaters ein Public-Viewing anzubieten. Die Zuschauer können auf einer großen Leinwand die Stücke verfolgen und wieder ein bisschen Theaterluft schnuppern. Die Stadtkultur bittet um vorherige Anmeldung per E-Mail: parktheater@bensheim.de.

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Es sind die üblichen Hygienebestimmungen einzuhalten: In allen Publikumsbereichen ist eine medizinische Maske zu tragen. Dies gilt auch im Zuschauerraum und während der Veranstaltung.

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Eine der folgenden Bescheinigungen ist am Einlass vorzuzeigen: Nachweis über einen tagesaktuellen (nicht älter als 24 Stunden), zertifizierten, negativen Covid-19-Schnelltest oder Genesenen-Nachweis (nicht älter als 6 Monate) oder ein vollständiger Impfnachweis (Impfpass oder ärztliche Bescheinigung im Original, zweite Impfung mindestens 14 Tage zurückliegend).

Zuschauer, die die Stücke lieber auf dem heimischen Bildschirm verfolgen möchten, können den Live-Stream unter www.wojuschau/de oder www.darstellendekuenste.de./wjs anschauen. Die Stücke werden jeweils ab Beginn 24 Stunden zur Verfügung stehen.

Nach den Veranstaltungen gibt es das Nachgespräch mit den Beteiligten. Am Ende des Festivals wird wieder der Publikumspreis bekannt gegeben. Das Publikum kann während und kurz nach der Aufführung sein Votum abgeben. red