Protest - An einer Demonstration nahmen am Montag in Bensheim rund 60 Menschen teil / Kundgebung am Marktplatz „Lichterlauf“ gegen die Corona-Regeln

Von 
Gerlinde Scharf
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Am Montagnachmittag fand in Bensheim ein „Lichterlauf“ gegen die Corona-Maßnahmen statt – mit anschließender Kundgebung auf dem Marktplatz. © Funck

Bensheim. „Hier sind nur normale Menschen, keine Nazis, keine Reichsbürger oder dergleichen“, erklärt ein Teilnehmer, der am Montagnachmittag mit seiner Lebensgefährtin am „Lichterlauf“ gegen die Corona-Maßnahmen teilgenommen hat – „sonst wären wir nicht gekommen“, ergänzt er.

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Bei nass-kaltem Wetter zogen zwischen 60 und 70 Personen, darunter viele junge Menschen, mit Kerzen und Laternen vom Parkhaus-Süd zum Wambolter Hof durch die Bahnhofstraße zur Abschlusskundgebung auf den Bensheimer Marktplatz, um auf die „Kollateralschäden durch die Corona-Maßnahmen“ aufmerksam zu machen. Aufgerufen zur Demonstration hatten – wie in der Kreisstadt am Wochenende zuvor – die Heppenheimerin Vesna Ludwig und die Bensheimer Kinder- und Jugendpsychologin Kirsten Seibold in den sozialen Netzwerken.

Neuer Kreisverband geplant

Ludwig, die wie Seibold der Gruppe „Maskenfreiheit am Goethe-Gymnasium“ angehört, bereitet nach eigenen Angaben derzeit die Gründung eines Kreisverbandes der Basisdemokratischen Partei Deutschland vor, einer Protestpartei, die ursprünglich unter anderem von Mitgliedern der „Querdenker“-Szene 2020 ins Leben gerufen wurde. „Mit dem Lichterlauf hat die Organisation aber nichts zu tun“, versicherte sie.

Die etwa einstündige Demonstration, die von der Polizei begleitet wurde, verlief friedlich und ruhig. Einige der Teilnehmer trugen Plakate mit Aufschriften wie „Lasst unsere Kinder wieder frei“, „Wir fordern echte Solidarität“, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und „Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit eines Virus“. Die wenigsten trugen Mund-Nasen-Bedeckungen, Abstandsregeln wurden aber weitestgehend eingehalten.

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Auf der Kundgebung richtete Kirsten Seibold, Mutter von drei Kindern, einen Appell an die „alternativlose“ Politik, das „fast ein Jahr dauernde Leiden unserer Kinder und von Jugendlichen“ endlich zu beenden und die „Menschlichkeit nicht länger der Hygiene unterzuordnen“. Die Gesellschaft drifte immer mehr auseinander und sei beherrscht von der Angst vor Ansteckung, Krankheit und Tod. Die Rednerin, die mehrfach deutlich machte, dass „wir keine Virus-Leugner sind“ sprach über „die Angst vor der Angst“.

Die Kinder vermissten ihre Freunde, die Schule und den Kontakt zu den Großeltern, viele Studenten hätten ihre Uni noch nie von innen gesehen, „uns fehlen Feste und Feiern: „Regeln schränken ein, Körperkontakte und Nähe sind verloren gegangen“, so Seibold – und weiter: „Meine Kinder brauchen eine Auszeit von der Mutter und umgekehrt.“ Es müsse endlich Schluss sein mit der „Schönrederei, ,da müssen wir halt durch’. Sind unsere Grundrechte weniger wert als die Viren-Freiheit der Gesellschaft?“

„Für die Rechte der Kinder“

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Die Kinder- und Jugendpsychologin forderte die Politiker dazu auf, „das Leben wieder zuzulassen“, weil der Körper ohne gesunde Psyche nicht genesen könne. Nach einer Schweigeminute „für alle, die mit der Situation gerade nicht klarkommen“, wünschte sich Grundschülerin Helena aus der vierten Klasse, endlich wieder ohne Maske spielen zu können, Erstklässler Fabian möchte schnellstmöglich seine Freunde wieder treffen.

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„Steht auf und kämpft für die Rechte der Kinder“, forderte eine Lehrerin, die die Corona-Maßnahmen für einen gescheiterten Erziehungs- und Bildungsauftrag verantwortlich machte: „Die Schwachen werden schwächer.“

Freie Autorenschaft Seit vielen Jahren "im Geschäft", zunächst als Redakteurin beim "Darmstädter Echo", dann als freie Mitarbeiterin beim Bergsträßer Anzeiger und Südhessen Morgen. Spezialgebiet: Gerichtsreportagen; ansonsten alles was in einer Lokalredaktion anfällt: Vereine, kulturelle Veranstaltungen, Porträts. Mich interessieren Menschen und wie sie "ticken", woher sie kommen, was sie erreiche haben - oder auch nicht-, wohin sie wollen, ihre Vorlieben, Erfolge, Misserfolge, Wünschte etc.