Arbeitslosentreff: Das zehnjährige Bestehen gefeiert / Enge Ausrichtung an den Lebenswelten der Betroffenen "Lichtblick" will näher an die Probleme

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Bensheim. Pünktlich zu seinem zehnjährigen Bestehen hat sich der Arbeitslosentreff "Lichtblick" einen Neustart verschrieben: Aufgrund der veränderten Lage auf dem Arbeitsmarkt möchte sich die Einrichtung ab sofort noch näher an den Bedürfnissen beschäftigungsloser Menschen ausrichten und regelmäßig über wichtige Themen informieren.

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Alle 14 Tage dienstags konzentriert sich der Treff auf praktische Fragen rund ums Thema Arbeitslosigkeit. Das erste Halbjahresprogramm ist bereits abgesteckt und wurde am Dienstag im Rahmen einer kleinen Geburtstagsfeier im Kolpinghaus vorgestellt.

In sozialer Verantwortung

"Wir können nicht das strukturelle Problem Arbeitslosigkeit lösen. Aber wir können als Kirche soziale Verantwortung übernehmen", betont Renate Flath, Referentin im Katholischen Dekanat Bergstraße-Mitte. Wie die Koordinatorin im Vorstand von "Lichtblick" erklärt, habe der Treff wenige Jahre nach Einführung von Hartz IV und der Betreuung durch die Jobcenter auf die neuen Gegebenheiten reagiert und sein Konzept überarbeitet.

Inspiriert wurde der Vorstand vor allem durch den Kontakt zur ökumenischen Arbeitsloseninitiative "Kompass" in Erbach. Dabei gärte die Idee, den geselligen Erfahrungsaustausch untereinander mit praxisnahen und für die Teilnehmer interessanten Themen anzureichern.

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"Wir wollten Qualität statt Quantität", begründet Renate Flath den Wechsel vom wöchentlichen zum 14-tägigen Turnus. Nach wie vor stehen die Würde des Menschen und die Stärkung der Eigeninitiative im Zentrum.

Drei wichtige Rollen

Die Koordinatorin ist überzeugt, dass die Initiative mit dem neuen Konzept eine Zukunft hat: Allein die wirtschaftliche Situation lasse eine bedarfsgerechte Betreuung arbeitsloser Menschen in diesen Zeiten besonders wichtig erscheinen.

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Der "Lichtblick" nimmt dabei gleich drei verschiedenen Rollen ein: Einerseits als regelmäßiger Treffpunkt, bei dem ausgebildete Berater bei sozialen Notlagen Unterstützung anbieten, sowie als direkte Qualifizierungs- und Vermittlungsstelle, die beispielhaft vom internen Beschäftigungsprojekt getragen wird:

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Seit 2001 bietet die Initiative arbeitslosen Frauen und Männern die Möglichkeit, sich in gemeinnützigen Tätigkeiten auf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Wie Projektleiter Matthias Kammler erklärt, werden die Teilnehmer ein Jahr lang in den Bereichen Gartenpflege, Gebäuderenovierung und Hauswirtschaft beschäftigt.

Die Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit der Stadt Bensheim und dem Caritasverband Darmstadt durchgeführt. Ziel ist es, den durchschnittlich zehn Teilnehmern eine praktische Orientierung anzubieten und die Chancen für den Wiedereinstieg in eine vollwertige Beschäftigung zu verbessern. Auch hier findet eine enge Kooperation mit den drei Jobcentern im Kreisgebiet statt.

Der Diakon von St. Peter in Heppenheim, Peter Jakob, ist Vorstandsmitglied bei "Lichtblick" und betont die enge Ausrichtung der Referatsthemen an den Lebenswelten der arbeitslosen Menschen. Zu diesem Zweck habe man sich im Heppenheimer Jobcenter von Neue Wege umgehört, welche Probleme und Fragen eine prominente Rolle spielen (siehe Infobox). Bis Juni sind acht Vorträge fest eingeplant. Danach soll die Reihe mit aktuellen Themen fortgeführt werden.

Als Gast im Kolpinghaus begrüßte Renate Flath den Diözesan-Caritasdirektor Hans-Jürgen Eberhardt vom Bistum Mainz, der die sozialen Konsequenzen der Hartz-IV-Gesetzgebung beleuchtete. Eberhardt forderte, dass - auch im christlichen Sinne - jeder Mensch durch seine Arbeit leben können müsse.

Durch Niedriglöhne seien aber viele Menschen gezwungen, zusätzlich Arbeitslosengeld II zu beantragen.

Im Regelwerk sowie in der Umsetzung von Hartz IV sieht er erhebliche Probleme und Rechtsunsicherheiten, die eine Korrektur erforderlich machten. "Die Regelsätze reichen nicht aus." An der Bergstraße erkennt Eberhardt etliche praxisnahe und individuell ausgerichtete Projekte, um Arbeitslose in Beschäftigung zu vermitteln. "Der Austausch von Menschen in Armut ist dabei besonders wichtig", kommentierte er die Arbeit bei "Lichtblick".

Renate Flath dankte dem gesamten Vorstandteam für die gute und treue Zusammenarbeit in den vergangenen zehn Jahren. Darunter die langjährigen Mitstreiter Friedel Rolf von der Kolpingfamilie, Anita Stalf aus dem Dekanatsrat sowie Matthias Kammler und Volker Ickler vom Beschäftigungsprojekt. Ebenfalls zum Vorstand gehören Rudolf Ther und Hans Jaquemin. Ein besonderer Dank galt Stephan Volk, der die Initiative viele Jahre geleitet hat. tr