Hochstädten - Ortsbeirat wünscht sich mehr Spender für Hundekotbeutel / Gremium steht vor personellem Umbruch Letzte Sitzung für Ortsvorsteher Rettig

Von 
Jeanette Spielmann
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Hochstädten. Die Besetzung des Ortsgerichts Bensheim I war für den Ortsbeirat Hochstädten – wie für die Gremien Bensheim-Mitte, Auerbach, Schönberg, Wilmshausen und Zell – Anlass für die jüngste Sitzung im Veranstaltungsraum des Hochstädter Hauses. Wäre es nur darum gegangen, wäre die Zusammenkunft vermutlich nach fünf Minuten beendet gewesen, denn die Ernennung von Bernhard Emig für weitere zehn Jahre als Ortsgerichtsschöffe von Hochstädten wurde einstimmig beschlossen.

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Doch seit der letzten Sitzung des Ortsbeirates im September hatte sich im Stadtteil einiges getan, über das Ortsvorsteher Bernd Rettig (Bild) in seiner letzten Amtshandlung als Ortsvorsteher informieren wollte. Wenig erfreulich war seine erste Information über den Anfang Januar verstorbenen Architekten und Diplom-Ingenieur Engelbert Helfrich. Helfrich war von 1985 bis 2001 Mitglied im Hochstädter Ortsbeirat, außerdem gehörte er als Baufachmann dem Ortsgericht I an. Die Nachbesetzung der Stelle wird Thema des neuen Ortsbeirates sein, der sich nach der Kommunalwahl im März neu formieren wird.

Mit Bernd Rettig, Michael Henkes und Anette Reil-Held werden drei der bisherigen sieben Mitglieder nicht mehr dabei sein, da sie für eine weitere Amtsperiode nicht mehr kandidieren. Aber wie bisher könnte es wieder ein weiblich dominiertes Gremium werden, zumal unter den ersten sieben Kandidaten vier Frauen sind. Insgesamt ist die Liste mit jeweils fünf weiblichen und männlichen Bewerbern paritätisch besetzt.

Aufgestellt hatte die Wählergemeinschaft „Dorfgemeinschaft Hochstädten“ (DGH) ihre Kandidatenliste Mitte Dezember, Beanstandungen hatte es seitens des Wahlausschusses nicht gegeben. Wie Rettig ergänzend mitteilte, ist ein Infoflyer mit Kurzporträts der Kandidaten in Arbeit und wird an die Haushalte in Hochstädten verteilt.

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Der Ortsvorsteher erinnerte an verschiedene Veranstaltungen, wie das „Hochstädter Herbstfestival“, Ortsteilwanderungen mit den Bürgermeisterkandidaten und die Einweihung des öffentlichen Außenbereichs am Hochstädter Haus mit dem neu gestalteten Stolleneingang, die im Oktober noch möglich waren. Die in eigener Regie des Vereins hergerichteten Bereiche sollen im Frühjahr eingeweiht werden.

Alle weiteren geplanten Veranstaltungen mussten abgesagt werden, das betraf auch den alljährlichen Herbstnachmittag für die Senioren des Stadtteils. Stattdessen erhielten die 142 Mitbürger über 65 Jahren zum vierten Advent eine Geschenktüte mit Leckereien.

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Der neue Ortsbeirat wird sich auch mit dem Thema Hundekotbeutel-Spender befassen müssen. Hier hatte das Gremium in seinen Wünschen für das Haushaltsjahr 2021 die Aufstellung von zwei weiteren Spendern beantragt, was – unter Hinweis auf den vorhandenen zentralen Spender nahe dem Marktplatz – abgelehnt worden war. Da aber Hundehalter aus dem Neubaugebiet oder Spaziergänger aus dem Waldgebiet sicher nicht bis in die Ortsmitte laufen würden, will man noch eine Lösung finden.

Parkplatz besser beleuchten

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Erinnert wurde auch an das erste virtuelle Neujahrstreffen mit Neujahrsansprachen sowie unterhaltsamen wie informativen Beiträgen. „Eine sehr gelungene Veranstaltung, die über YouTube übertragen wurde“, so Rettig. Abschließend nutzte Stadtverordneter Franz Apfel (BfB) die letzte Sitzung von Ortsvorsteher Bernd Rettig, um mit einer Flasche Ökowein für die gute Zusammenarbeit zu danken. Er sprach von einer erfolgreichen Wahlperiode und einem Beispiel für andere Ortsbeiräte.

Ins Protokoll aufgenommen wurde noch die Anregung aus dem Ortsbeirat. für eine bessere Beleuchtung des öffentlichen Parkplatzbereiches beim Hochstädter Haus zu sorgen.

Der „Tote Mann“ soll unter Denkmalschutz gestellt werden

Ein weiteres Thema für den neuen Hochstädter Ortsbeirat dürfte auch ein Anliegen des Verschönerungsvereins Schönberg werden. Ihm hatte Bernd Rettig die Unterstützung des Ortsbeirates Hochstädten beim Versuch, den „Toten Mann“ unter Denkmalschutz zu stellen, zugesagt. Zur Verdeutlichung hatte Rettig Fotos und eine Erläuterung mitgebracht.

Beim „Toten Mann“ handelt es sich um eine Gesteinsformation aus einem länglichen Stein (Körper) und einem runden Stein (Kopf), die auf dem Höhenweg vom Fürstenlager zum Felsberg etwa 100 Meter nördlich der Schutzhütte liegt. Hier grenzte einst die Grafschaft Erbach-Schönberg an die Landgrafschaft Hessen.

Der Sage nach soll hier im Jahr 1555 ein Elmshäuser Mann mit seiner Frau beim Holzlesen in Streit geraten sein. Anfangs flogen nur hässliche Schimpfworte hinüber und herüber, dann aber gerieten die beiden so heftig aneinander, dass die Frau in ihrer Wut das Beil ergriff und ihren Mann damit erschlug.

Die Mörderin wurde verhaftet und der Tote, der quer über der Landesgrenze lag, an Ort und Stelle begraben. Wegen der Aburteilung der Frau entstand nun ein langwieriger Streit zwischen dem Grafen von Erbach-Schönberg und dem Landgrafen von Hessen. Jeder wollte die Mörderin an den Galgen bringen. Der Erbacher beanspruchte das Recht dazu, weil der Kopf des Erschlagenen auf erbachischem Boden lag, und der Landgraf erklärte: „Der größte Teil des Toten lag auf hessischem Gebiet!“

Bis zur Entscheidung durch das Reichskammergericht sperrte man das unglückselige Weib abwechselnd von Monat zu Monat in Zwingenberg und Schönberg in den Turm. Sieben Jahre dauerte der Streit, und als man nicht weiter wusste, und die Kosten gewaltig gestiegen waren, kam einer auf einen guten Gedanken.

Er gab dem Kerkermeister von Zwingenberg einen Wink, und der ließ wie aus Versehen einmal nachts den Schlüssel in der Gefängnistüre stecken. Am anderen Morgen war die Zelle leer. Wohin die Frau geflohen war, konnte nicht festgestellt werden.

Wer aber zur Geisterstunde beim „Toten Mann“ durch den Wald geht, der kann sie jammern und klagen hören. Einige wollen sogar gesehen haben, dass sie um diese Zeit auf dem Stein sitzt und mit ihrem Kopftuch das Blut abwischt.

jsQuelle: Richard Matthes – Sagen aus dem Kreis Bergstraße

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