Seebergschule - Leiterin Petra Thobe beschreibt die Situation in der Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Lehrer warten auf ihren Impftermin

Von 
Sina Roth
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Petra Thobe leitet die Seebergschule in Bensheim. An der Einrichtung ist man mit dem Ablauf der Impfungen für Lehrer nicht zufrieden. © Neu

Bensheim. Petra Thobe, Leiterin der Seebergschule in Bensheim, ist verärgert. Viele ihrer Kollegen hatten vor den Osterferien noch keinen Impftermin – und das, obwohl sie in der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung intensiv mit den Schülern zusammenarbeiten, um auf deren individuelle Bedürfnisse eingehen zu können.

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„Dennoch sind viele unserer Kollegen noch nicht geimpft. Sie erhalten von der Zentrale die Antwort, dass sie im Zufallsgenerator landen“, berichtet die Direktorin. „Bei mir lief es prima. Ich habe mich direkt am erstmöglichen Tag eingeloggt, direkt beide Termine erhalten und auch bezüglich der kurzfristigen Aussetzung von Astra-Zeneca einen Ersatztermin bekommen. Aber ich höre hier in der Schule auch ganz andere Stimmen und Erfahrungen. Ich finde es äußerst wichtig, dass alle Impfwilligen hier in der Seebergschule auch geimpft werden.“

Angst vor einer Infektion

Die Seebergschule ist die einzige Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung im Kreis Bergstraße. „Viele Kollegen haben wirklich Angst vor einer Infektion, da wir sehr eng mit unseren Schülern beisammen sind, beispielsweise beim Essen, wenn wir sie anderweitig unterstützen oder auch in Sachen Pflege“, erläutert die Schulleiterin den Arbeitsalltag an der Schule.

In der Behindertenhilfe Bergstraße ist laut Thobe ein separater Termin zur Impfung mit dem Impfstoff Biontech ermöglicht worden. „Das unterstütze ich sehr. Jedoch wurden hier auch alle Schulbegleitungen, die unter anderem in der Seebergschule arbeiten, eingeladen. All diese Personen waren somit doppelt angemeldet und haben den Termin im Impfzentrum abgesagt“, berichtet die Schulleiterin. In mehreren E-Mails hat sie sich daher an den Kreis Bergstraße gewandt, in denen sie die Situation an der Schule geschildert hat – verbunden mit der Frage, ob es möglich sei, dass die betroffenen Lehrkräfte möglichst schnell einen Impftermin erhalten.

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„Viel Unterricht anbieten“

„Ich möchte, dass wir möglichst viel Unterricht anbieten können, aber unter diesen Umständen wird es definitiv schwieriger. Ich beschwere mich wirklich sehr selten, aber ich verstehe das System nicht so ganz. Wichtig ist für mich, dass unsere Kollegen wirklich angstfrei in die Schule kommen können. Es wäre schön und erstrebenswert, wenn es hier noch eine zeitnahe Lösung geben würde“, betont Thobe.

Die Pressestelle des Kreises hat sich daraufhin geäußert: Man könne die Sorge um die Kollegen gut nachvollziehen. Der Bund habe bereits vor einigen Wochen die Impfverordnung dahingehend geändert, dass das Lehrpersonal von Grund-/Förder- und Sonderschulen in die Prioritätengruppe zwei vorgezogen wurde, um einen schnelleren Impfschutz sicher zu stellen.

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„Das begrüßen wir sehr“, heißt es von Seiten des Kreises. Um die Impfungen zu beschleunigen, wurden auch zentrale Impfwochenenden für das Lehrpersonal durch das Staatliche Schulamt des Kreises organisiert.

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„So wie es Sonderimpftermine für die Lehrer gegeben hat, gab es auch Sonderimpftermine für die Eingliederungshilfen. Allein bei den Gruppenimpfterminen ist der Kreis mit der Terminkoordination befasst.“ Die Koordination der Gruppenimpfung für die Lehrkräfte sei in Zusammenarbeit mit den Schulen erfolgt. „So konnte allen Lehrkräften, die über das Staatliche Schulamt für die Impfung angemeldet worden waren, ein Impftermin im Rahmen der Gruppenimpfung angeboten werden. Diese sind mittlerweile alle geimpft“, teilt der Kreis mit.

Wer dort keinen Impftermin wahrgenommen habe, der habe jederzeit die Möglichkeit, sich über das normale Terminvergabeverfahren für einen Termin registrieren zu lassen. Die Organisation der Impftermine in den Impfzentren obliege jedoch dem Land, nicht dem Kreis. „Wir haben keinen Einfluss auf die Terminvergabe und können diese auch nicht beschleunigen. Wenn Ihren Kollegen bisher noch kein Impftermin zugesendet wurde, sind sämtliche verfügbaren Termine im Impfzentrum derzeit bereits belegt“, schrieb der Kreis in einer Mail an die Schulleiterin.

Sobald neue Impfstofflieferungen zu einem festen Termin angekündigt seien, könnten neue, zusätzliche Impftermine in den Impfzentren generiert und entsprechend vergeben werden.

Der Zeitpunkt des Impftermins sei dabei nicht unmittelbar vom Zeitpunkt der Registrierung abhängig. Die Terminvergabe erfolge nach Verfügbarkeit der zugelassenen Impfstoffe, nach der Kapazität des Impfzentrums, dem Alter der Registrierten sowie dem Zufallsprinzip. Sobald weitere Termine zur Verfügung stünden, werde die Anfrage automatisch bearbeitet und man werde über den Impftermin per E-Mail oder auf dem Postweg informiert.

Offene Fragen und Wünsche

Dennoch bleiben für die Direktorin Fragen unbeantwortet: „Warum laden andere Einrichtungen zu einem gesonderten Termin ein? Es ist überhaupt kein Neid und es soll auch nicht falsch verstanden werden, aber da kann ja nur ein Durcheinander entstehen. Wir sind alle dankbar, dass wir in die Prioritätsgruppe zwei gerutscht sind und mir ist bewusst, dass die Organisation eine riesengroße Aufgabe ist“, betont Thobe.

Trotz alledem müsse sie ihre Sorgen und Befürchtungen zu einem nicht immer zu verstehenden System aussprechen. „Ich hoffe inständig, dass nun alle Mitarbeiter unserer Schule schnell einen Impftermin erhalten. Denn wir wünschen uns alle, dass jeglicher Unterricht nach den Osterferien gut wieder starten kann.“