Kommunalpolitik - In der Weststadthalle und im Parktheater müssen die veralteten Anlagen ausgetauscht werden / Stadt hofft auf Fördergeld aus Wiesbaden LED-Umrüstung kostet über 700 000 Euro

Von 
Dirk Rosenberger
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Im Parktheater und in der Weststadthalle soll die Beleuchtung komplett auf LED umgestellt werden. © Neu

Bensheim. Den Besuchern, Sportlern oder Künstlern in der Weststadthalle und im Parktheater soll ab 2022 ein energiesparenderes Licht aufgehen als bisher. Die Stadt plant, in beiden Gebäuden die kompletten Beleuchtungsanlagen auf LED umzustellen. Kostenpunkt: jeweils etwa 352 000 Euro, inbegriffen ist die Demontage der bisherigen Lampen. Dass die Summen identisch sind, sei reiner Zufall, so die Verwaltung auf Nachfrage. Ob das in einer möglichen Schlussrechnung Bestand hat, bleibt abzuwarten.

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Mehr als 700 000 Euro sind in Zeiten knapper Kassen jedoch kein Betrag, den man nebenbei aus dem Ärmel schüttelt. Allerdings besteht die Möglichkeit, über ein Förderprogramm des Landes („Hessens gute Zukunft sichern“) die Ausgaben zu 100 Prozent wieder reinzuholen. Unabhängig davon beteuerte Bürgermeisterin Christine Klein sowohl im Bau- als auch im Haupt- und Finanzausschuss, dass Handlungsbedarf besteht.

Anlage ist über 30 Jahre alt

Die Anlage in der Weststadthalle ist nach mehr als 30 Jahren technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das macht sich unter anderem bei Heimspielen der Flames inklusive Live-Übertragungen der Handballspiele bemerkbar. Aber auch für andere Sportarten ist das Spielfeld die nicht mehr ordnungsgemäß ausgeleuchtet. Zudem falle es immer schwerer, Ersatzteile aufzutreiben.

Nach der Umrüstung könnte erheblich bei den Verbrauchskosten gespart werden. Ein beauftragtes Planungsbüro geht von 22 000 Euro jährlich aus (rund 90 000 Kilowattstunden im Jahr). Auf 20 Jahre gerechnet, so lange soll die Anlage betrieben werden können, wären das knapp 580 000 Euro, die die Stadt bei den Stromkosten sparen könnte – eine jährliche Preissteigerung von drei Prozent sind in der Summe berücksichtigt. Grundlage ist natürlich, dass in dieser Zeit nicht deutlich mehr Veranstaltungen stattfinden.

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Im Parktheater kann man nach 20 Jahren Nutzungsdauer ebenfalls nicht mehr von einer modernen und optimalen Ausleuchtung sprechen. Hinzu kommt, dass die technischen Anforderungen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Bei der Beschaffung von Ersatzteilen gilt das gleiche wie für die Weststadthalle. Mit Einsparungen nach einer Umrüstung wird auch im Bensheimer Kulturtempel kalkuliert. Von 15 000 Euro jährlich (63 000 Kilowattstunden) ist die Rede, hochgerechnet auf 20 Jahre wären das analog zum Berechnungsmodell in der Weststadthalle 395 000 Euro.

Die Chancen stehen wohl gut, dass es Steuergeld vom Land gibt. Voraussetzung ist, dass man zwei Vorhaben anmeldet, die Stadt selbst das Geld dafür in den Haushalt einstellt – und man schnell ist. Kommt der Antrag zu spät, könnte der Fördertopf bereits ausgeschöpft sein.

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„Das Programm der Landesregierung kommt uns wie gerufen“, meinte Franz Apfel (BfB). Doris Sterzelmaier (GLB) sprach von einem großen Schritt nach vorne in Sachen Klimaschutz. Beide Anlagen müssten ohnehin irgendwann ausgewechselt werden. Sie verwies im Haupt- und Finanzausschuss auf die Beratungen im Bauausschuss. Dort hatte man sich nach einem längeren Hin und Her darauf verständigt, dass man nur bedingt vollendete Tatsachen schaffen will.

Finanzielles Restrisiko

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Ein finanzielles Restrisiko bleibt nämlich für den Fall bestehen, dass es vom Land Hessen keine Fördermittel gibt. Dann müssten beide Projekte mit eigenem Haushaltsgeld bezahlt werden. Um einen teuren Automatismus zu verhindern, soll in den Ausschüssen und im Stadtparlament abschließend beraten werden, ob man es sich leisten will – wie gesagt aber nur für die Konstellation, dass es aus Wiesbaden keine Unterstützung gibt. Jascha Hausmann (FDP) begrüßte, dass man den Beschluss offiziell zwar fasst, aber durch die Protokollnotiz nicht ohne Vorbehalte durchwinkt. „Zumal aus unserer Sicht die Maßnahme im Parktheater noch geschoben werden könnte, auch wenn es notwendig ist.“

Umsetzung erst ab 2022

Stadtrat Adil Oyan (Grüne) bemerkte, dass man immer darüber reden könne, etwas zu verschieben. Aber die Vorhaben würden ohnehin nicht vor 2022 umgesetzt. So habe man ausreichend Zeit, bis der Haushalt genehmigt ist.

Markus Woißyk (CDU) plädierte dafür, mit den Fördermitteln in beiden Gebäuden tätig zu werden. „Das macht in dem großen Maße mehr Sinn als irgendwo nur mal ein Birnchen auszutauschen.“ Natürlich sei die Förderung des Landes auch Steuergeld. „Aber dann ist es mir lieber, wir nehmen die von außerhalb, als dass wir sie aus unserem Haushalt rausdrücken müssen.“

Im Haupt- und Finanzausschuss gab es wie im Bauausschuss ein einstimmiges Votum sowohl für die Weststadthalle als auch für das Parktheater. Auch in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend änderte sich am Abstimmungsergebnis aus den Fachgremien nichts. Im Bauausschuss fiel die Diskussion etwas umfangreicher aus, weil es zunächst vor allem von Seiten der FDP und der Grünen die Überlegung gab, den Beschluss unter Vorbehalt der Förderung zu treffen. Dies könnte aber vom Land unter Umständen negativ ausgelegt werden und die Förderung gefährden. Deshalb appelliert Carmelo Torre (CDU) auch an seine Kollegen: „Lassen Sie uns das beschließen, damit die Verwaltung morgen die Förderung beantragen kann.“

Letztlich einigte man sich in der Runde darauf, ohne den Vorbehalt abzustimmen, sich aber die Zusicherung von Bürgermeisterin Christine Klein einzuholen, dass ohne Förderung nichts umgesetzt wird, ohne vorherige Beratung in den Fachausschüssen.

Redaktion