Bürgerhaus - Modernisierung des 70-Jahre-Baus wird erneut teurer / Fertigstellung verzögert sich ebenfalls / Verhandlungen mit Pächter laufen Kosten steigen auf mehr als 13 Millionen

Von 
Dirk Rosenberger
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Die Modernisierung des Bürgerhauses in Bensheim verteuert sich erneut. Nun soll das Großprojekt mehr als 13 Millionen Euro kosten. © Neu

Bensheim. Das Drama um die Modernisierung des Bürgerhauses ist um ein weiteres Kapitel reicher – und erwartungsgemäß gibt es der Geschichte keine neue Wendung. Erneut verteuert sich das Großprojekt immens, erneut verschiebt sich die Einweihung nach hinten.

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In Zahlen ausgedrückt: Zwischen 13,2 und 13,8 Millionen Euro soll das Vorhaben nun kosten. Die Differenz von 600 000 Euro beinhaltet nach Angaben von Bürgermeister Rolf Richter Ausgaben für „Unvorhergesehenes“. Im Optimalfall benötigt man das Geld demnach nicht. Wobei mit Blick auf die bisherige Entwicklung „Unvorhergesehenes“ eigentlich nach Abschluss der Arbeiten als Motto über dem Haupteingang geschrieben stehen könnte.

Nicht ohne Testlauf

Ursprünglich beliefen sich die Kostenschätzungen bekanntlich auf 8,89 Millionen Euro, vor knapp einem Jahr musste man die Erhöhung auf 10,96 Millionen verkünden – und eine erneute Verzögerung bei der Fertigstellung. Ursprünglich wollte Richter am 1. Januar 2020 Eröffnung feiern, später wurden Ende März und in diesem Sommer Anfang 2021 kommuniziert. Davon musste man mittlerweile ebenfalls abrücken. Nun will man es Ende des zweiten Quartals 2021 geschafft haben.

„Das bedauern wir, aber jeder andere Termin wäre utopisch“, betonten Rolf Richter und MEGB-Chef Helmut Richter im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Marketing- und Entwicklungsgestellschaft ist Bauherr und Besitzer des Gebäudes. Hinzu kommt, dass man den Quasi-Neubau nicht ohne Testlauf der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Die Verzögerungen führten sie unter anderem darauf zurück, dass man manche Gewerke mehrfach ausschreiben musste, bis es ein annehmbares Angebot gab.

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Die gute Konjunktur bereite nach wie vor Schwierigkeiten und treibe die Preise nach oben – was die Brüder auch als Hauptgrund für die Kostensteigerung angaben. Zumal aufgrund des Gesamtvolumens nach EU-Vergaberecht ausgeschrieben werden muss, was vor allem kleinere Betriebe abschrecke. Mittlerweile könne man aber mit einer „gewissen Sicherheit“ sagen, dass die 13,2 bis 13,8 Millionen Euro das Ende der Fahnenstange sein werden. Wobei naturgemäß noch nicht alle Gewerke ausgeschrieben sind, man aber bei der Technik und den Planungskosten schon sehr weit fortgeschritten sei.

Der Rathauschef verdeutlichte, dass man den eingeschlagenen Weg weitergehen müsse – zum Umkehren sei es mit einem beauftragten und verausgabten Volumen von acht Millionen Euro ohnehin zu spät – Stichwort Denkpause und möglicher Baustopp.

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Positiv wird von Helmut und Rolf Richter gewertet, dass trotz der Mehrausgaben die jährliche Zuwendung aus dem städtischen Haushalt an die MEGB (Verlustausgleich) unverändert und wie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen bei maximal 500 000 Euro liegt. Historisch niedrige Zinsen und Mehreinnahmen bei der Verpachtung machen dies möglich.

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Stichwort Pächter: MEGB-Geschäftsführer und Bürgermeister ließen am Montag wissen, dass man zurzeit mit dem von der Gesellschafterversammlung vorgeschlagenen Bewerber verhandelt und dieser bereits einen Vertrag unterzeichnet hat. Die zu erwartende Pacht liege deutlich über der ursprünglichen, bewusst niedriger angesetzten Kalkulation.

Details zum künftigen Betreiber nannten beide nicht. Man habe zwei gute Angebote bekommen und sich für einen Interessenten entschieden. „Wir wollten dabei aber nicht an den Höchstbietenden vergeben. Uns war das Konzept wichtig, das hat uns überzeugt“, so Rolf Richter. Wichtig sei, dass das Bürgerhaus belebt werde und mehr Veranstaltungen als bisher abgehalten werden.

Nahezu unverändert bleiben die Fördermittel, die nach Bensheim für das Projekt fließen. 698 000 Euro gibt es für die energetische Sanierung, dazu kommen rund 1,457 Millionen aus dem Programm Stadtumbau West. Diese Mittel können bekanntlich aber nur in Anspruch genommen werden, wenn man einen Eigenanteil leistet. Der beläuft sich auf 889 000 Euro und muss – wie mehrfach berichtet – aus dem Haushalt an die MEGB weitergeleitet werden.

Kommunalpolitisch wird der Zwischenbericht zum Bürgerhaus im Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss und abschließend in der Stadtverordnetenversammlung ein Thema sein.

Redaktion