Fehlheim - Sankt Bartholomäus feierte 175. Jubiläum mit Gottesdienst und Pfarrfest / Spiegelbild der Glaubensgeschichte im Ort Kirche auch in Zeit des Wandel standfest

Von 
Thomas Tritsch
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Bischof Peter Kohlgraf feierte mit den Gläubigen von Sankt Bartholomäus in Fehlheim am Sonntag das 175-jährige Bestehen der Kirche im Stadtteil. Unser Bild zeigt Kohlgraf mit Pater Manfred Grube (l.) und Pfarrer Aeneas Opitek (r.). © Funck

Fehlheim. Die Fehlheimer Kirche Sankt Bartholomäus ist 175 Jahre alt. Aus diesem Anlass wurden am Sonntag ein besonderer Gottesdienst und ein Pfarrfest gefeiert. Prominenter Gratulant war der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. In seiner kurzen Ansprache im voll besetzten Gotteshaus nahm Kohlgraf auch Bezug auf den aktuellen Wandel in der Kirche und ganz speziell im Bistum Mainz.

Bischof Kohlgraf zum Papstbrief



Im Juni wurde bekannt, dass sich Papst Franziskus in einem Schreiben an die deutschen Katholiken gewandt hat. Das hat es seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gegeben. Hintergrund sind die Planungen eines „Synodalen Weges“, den die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken geplant hat.

In Fehlheim nahm Bischof Peter Kohlgraf Bezug auf den Brief, in dem das Kirchenoberhaupt unter anderem schreibt, dass man in einer „Zeitenwende“ lebe, die Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig sei. Die aktuellen Herausforderungen verlangten eine gesunde Anpassung an heutige Verhältnisse. Außerdem geht der Papst auf die schwere Krise der Kirche ein und mahnt zu mehr Treue zum Evangelium. Peter Kohlgraf betonte in Sankt Bartholomäus, dass es in den kommenden Jahren um die lebendige Entwicklung von Kirche durch die Menschen gehe: „Wir wollen Kirche im Geiste Jesu gestalten.“ Dieser Weg verlange aber Ausdauer und Geduld, so der Bischof in Fehlheim. tr

Bistum auf dem Weg in die Zukunft

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„Die katholische Landschaft war damals eine völlig andere.“ Kirchlich wie gesellschaftlich habe man in den vergangenen 175 Jahren enorme Veränderungen miterlebt. „Es war ein ständiges Auf und Ab“, so der Bischof in Fehlheim. Auch die Situation der Ökumene sei nicht vergleichbar mit der Gegenwart. Ein gewisses Maß an Dynamik halte er daher für normal und: „Es hat immer Bewegung gegeben.“ Er äußerte sich zuversichtlich, dass dem Bistum der Weg in die Zukunft gelingen wird, ohne die Menschen zu verlieren.

Hintergrund seiner Worte: Das Bistum Mainz will die Zahl der Pfarreien in den nächsten Jahren etwa halbieren. Dafür sollen Pfarreien zusammengelegt werden. Als Grund für die Fusionen wird der demografische Wandel genannt.

Man geht davon aus, dass die Zahl der Katholiken im Bistum bis zum Jahr 2030 von derzeit 730 000 auf etwa 650 000 sinken wird. Auch die Zahl der aktiven Priester könnte sich auf etwa 100 halbieren. Bis Sommer 2021 soll ein Konzept vorliegen, wie dieser Prozess gestaltet werden soll.

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Am Sonntag richtete der Bischof den Blick aber auch zurück. Im Jahr 1844 wurde der Fehlheimer Kirchenbau in zentraler Lage nach Plänen des Baumeisters Michael Mittermayer errichtet. Er hatte unter anderem auch die Bensheimer Michaelskirche entworfen. Pfarrer Äneas Opitek betonte die Bedeutung der Kirche im Laufe der Zeit. Er freute sich, dass Peter Kohlgraf der Einladung zum Festgottesdienst gefolgt war, der vom Katholischen Kirchenmusikverein begleitet wurde. Mitglieder des Pfarrgemeinderats präsentierten ein buntes Kirchenmodell, an das auch in den kommenden Wochen noch Notizen geheftet werden können mit Gedanken, was Kirche für den Einzelnen persönlich ausmacht.

Das Fehlheimer Original ist für Kohlgraf ein weitaus standfesterer Bau. Weit über architektonische Merkmale hinaus bilde die Kirche nicht nur das Zentrum des Ortes, sondern repräsentiere auch einen Platz, an dem sich der Glauben der Menschen manifestiert und an dem die Gemeinschaft nicht nur beim Gottesdienst zusammenkomme. Bei Hochzeit und in Trauer, zur Firmung der Jugend und zum Feiern der Eucharistie. „Bei allem Wandel erinnert Sankt Bartholomäus an alles, was Kirche wahrlich trägt und hält“, so der Mainzer Bischof.

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Über viele Generationen hinweg spiegele sich hier die Glaubens- und Lebensgeschichte eines Ortes. „Ohne die Menschen wäre das Gebäude ein totes Haus, eine Ruine.“ Der Mainzer Würdenträger sagte, er wünsche sich, dass dies auch in Zukunft so bleibe. Denn es sei nach wie vor so, dass viele Menschen nach Orientierung suchten. „In den Pfarrgemeinden hat man ein Gespür für das, woran die Herzen der Leute hängen. Auch in Fehlheim.“

Schlichter Saalbau aus Sandstein

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Im Gegensatz zum Nachbardorf Schwanheim, wo schon Mitte des 15. Jahrhunderts ein Gotteshaus errichtet wurde, ist die Fehlheimer Kirche „erst“ 175 Jahre alt. Die Einweihung fand am 13. November 1844 statt. Kirchenpatron ist der Heilige Bartholomäus. Ihm ist auch das Glöckchen im Turm geweiht.

Die Kirche ist ein schlichter Saalbau aus gelbem Sandstein mit einem leicht vorgelagerten Turm, auf dem ein Spitzhelm mit Wetterhahn sitzt. Das Kirchenschiff wird von einem Satteldach bedeckt. Charakteristisch sind die hohen Rundbogenfenster und der Fries als Stilelement. Das Innere, ein Saal mit flacher Decke, war ursprünglich fast vollständig mit Ornamenten und Figuren ausgemalt. Bei Renovierungen in den 1930er Jahren wurden diese Dekorationselemente entfernt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden etliche Kirchenfenster zerstört, Orgel und Empore beschädigt. Die größten Schäden waren 1948 behoben. Der neue Hochaltar, der in jenem Jahr eingebaut wurde, besteht aus dunklem Odenwälder Granit. Die Heiligenfiguren stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

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